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Arbeiten an Fußgängerbrücke gestartet

Zweibrücken. Die Brücke am Himmelsberg in Zweibrücken ist seit gestern gesperrt. Ein Abriss und Neubau folgen. Die Sanierungsarbeiten sollen bis November laufen und sind mit insgesamt rund zwei Millionen Euro veranschlagt. Volker Baumann

"Da komm ich ja gar nicht mehr rüber" - diese Aussage kam gestern vielen Passanten über die Lippen, als sie die gewohnte Abkürzung von der Himmelsbergstraße in die Obere Himmelsbergstraße (oder umgekehrt) nehmen wollten. Eine Baufirma war im Auftrag des Umwelt- und Servicebetriebs Zweibrücken (UBZ) angerückt und hatte beide Zugänge mit rot-weißen Absperrgittern versehen und das Fußgängerschild mit Durchkreuzen "entwertet".

Warum? Die Brücke aus den 60er Jahren ist inzwischen marode, muss abgerissen und durch eine neue ersetzt werden. Dies alles bringt natürlich, insbesondere wegen der darunter verlaufenden Bahnstrecke und der L 471, umfängliche Vorbereitungs-, Sicherungs- und Spezialarbeiten mit sich. Dies ist nur möglich, wenn die Zufahrtsstraßen Richtung Brücke, sprich Wackenstraße, Heroldstraße, Himmelsbergstraße, Obere Himmelsbergstraße und Ringstraße teilweise gesperrt oder zu Sackgassen gemacht und entsprechende Umleitungen eingerichtet werden. Bevor Fußgänger den Bahneinschnitt wieder in 20 Metern Höhe komfortabel auf 36 Metern Länge überqueren und damit Zeit sparen können, sind erst noch die Versorgungsleitungen für Gas, Strom. Wasser und der Abwasserkanal dran, denen eine eigene "Versorgungsbrücke" gebaut wird. Steffen Mannschatz, Leiter der Bauabteilung des UBZ, terminiert den eigentlichen Brückenabriss auf Ende September. Der Neubau, eine Brücke aus Stahl mit eingelegten Betonteilen, soll dann im Laufe des Novembers erfolgen. Die Kosten für die Versorgungsbrücke, etwa 950 000 Euro, teilen sich, so Mannschatz, UBZ und Stadtwerke, während 900 000 Euro für die neue Fußgängerbrücke vom Land übernommen werden. Wir überschreiten ja auch eine Landesstraße (L 471), um vom Himmelsberg schnell Richtung Stadt zu kommen. Amelie Rothhaar, Anwohnerin der Obere Himmelsbergstraße und sportlicher Natur, stört weniger der Umweg über die Ring- und Seilerstraße, der in die Stadtmitte maximal 200 Meter beträgt, als die wahrscheinlich auf die Anwohner zukommende Lärmbelästigung während der nächtlichen Arbeiten. "Hoffentlich wird's nachts nicht so laut", so ihr Kommentar, obwohl sie davon überzeugt sei, dass sie lieber in Zukunft eine sichere als eine marode Brücke überqueren möchte. An den nächtlichen Arbeiten lässt sich laut Mannschatz, wegen des Bahnbetriebs, der um 22 Uhr endet, nichts ändern.

Udo Kindelberger, Bauleiter der beauftragten Baufirma Theisinger und Probst, gibt nähere Auskunft: "In den nächsten drei Wochen muss zuerst einmal die Böschung am Bahneinschnitt auf einer Länge von 30 Metern mit einem Fangzaun gesichert werden, um die Gefahr durch herunterfallendes Gestein zu vermeiden". Ähnlich wie in Lawinengebieten soll man sich das Stahlgeflecht vorstellen, das an der Böschung verspannt wird. Dazu bedarf es diverser Stahlanker. Bauarbeiter werden dafür, an Seilen kletternd, mit einer Lafette fünf bis sechs Meter tiefe Löcher in Wand bohren. An brüchigen Stellen müsste diese Riesenbohrmaschine sogar bis zu zehn Metern in die Böschung eindringen. Lärm sei nicht zu vermeiden, die Lärmbelastung werde aber so gering wie möglich gehalten, so der Bauleiter. "Eine Art Presslufthammergeräusch dürfte es schon geben", prognostiziert der UBZ-Abteilungsleiter den nächtlichen Geräuschpegel und bittet betroffene Bürger um Verständnis für die Maßnahme. Nochmal zum Umweg - Richtung Stadtmitte beträgt er etwa 200 Meter, wer aber ins Restaurant "San Remo" auf der anderen Seite möchte, muss schon einen knappen Kilometer weiter gehen. Laut Mannschatz bleiben die für Autofahrer gesperrten Straßenabschnitte größtenteils für Fußgänger passierbar.



Die Brücke weist erhebliche Beschädigungen auf. Fotos: Volker Baumann
Die Brücke weist erhebliche Beschädigungen auf. Fotos: Volker Baumann