| 23:46 Uhr

Brüllende Löwen, stinkende Haufen
Anliegern stinkt das Landgestüt

Zweibrücken. Eine Petition beklagt Lärm- und Geruchsbelästigung. Gestütsleiter Kölsch lädt Beschwerdeführer zum Gespräch ein.

Das Leben in der Stadt ist nicht nur schön. Für die zentrale Lage bezahlt man mit mehr Lärm, mehr Dreck, weniger Raum. Das muss man wissen als Stadtbürger. Aber man muss nicht alles ertragen, findet Ralf Hudlet. Er wohnt in der Gabelsbergerstraße und ärgert sich seit Jahren über manches, was im Landgestüt vor sich geht.

„Seit ein paar Jahren gehen von Veranstaltungen auf der Wiese für uns Anwohner in der Gabelsbergerstraße Belästigungen und insbesondere Belästigungen der Nachtruhe aus“, heißt es in dem mit 22 Unterschriften versehenen Schreiben.

Hudlet nennt konkret drei Beispiele. Das wahrscheinlich spektakulärste: Störung der Nachtruhe durch brüllende Löwen. Die Löwen gehörten zum Zirkus Althoff, der bis 1. Mai seine Zelte auf der Wiese zwischen Landgestüt und Festhalle aufgeschlagen hatte.



Punkt zwei ist der Lärm, der bei anderen Veranstaltungen entsteht. Hudlets Beispiel hier: Eine Technoparty beim Stadtfest 2016. „Neben dem permanenten Lärm kamen noch Erschütterungen und Vibrationen in den Häusern“, heißt es in der Petition.

Drittens stören Hudlet und die Unterzeichner aus der Gabelsbergerstraße Nebenwirkungen von Pferdeveranstaltungen im Landgestüt. „Die Pferdeboxen und der Misthaufen bei Großveranstaltungen der Reiterschaft werden stets nah zur Gabelsbergerstraße hin positioniert“, schreibt Hudlet in einer Erläuterungsmail an den Merkur. „Die Pferde, welche überwiegend eine weite Anreise hinter sich haben, sind unruhig. Sie wiehern und treten gegen die Boxen. Der Misthaufen strahlt auch außerhalb der Nacht seine ganz persönliche Duftnote aus. Nach Beendigung der Veranstaltung bleibt der Misthaufen noch bis zu zwei Wochen auf der Wiese liegen. Nicht nur der Gestank entwickelt sich, auch haben mehrere Generationen von Fliegen genügend Zeit im Misthaufen zu schlüpfen und uns massenweise zu belästigen.“

Gestütsleiter Alexander Kölsch, derzeit eigentlich im Urlaub jenseits der Grenze, wurde vom Aufruhr etwas überrumpelt. „Wir haben eigentlich ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft. Das ist jedenfalls mein Eindruck“, sagt er etwas ratlos. Auch die Kritikpunkte von Hudlet und seinen Mitunterzeichnern kann er nur sehr beschränkt nachvollziehen. Die Technoparty etwa sei ja nun bereits vor zwei Jahren gewesen. „Da war nix los und da wird auch keine mehr sein“, stellt er klar.

Auch das Problem mit dem Pferdemist sei nicht so dramatisch. „Das ist eigentlich kein Misthaufen, was da entsteht. Das ist nur ein bisschen Stroh. Kein Fliegenbrutkasten oder so.“ In 90 Prozent der Fälle kämen die Reiter mit den Pferden morgens und reisten abends wieder ab. Ein paar mal im Jahr sei das anders. Dann bleibe das Stroh auch einmal so lange liegen, bis genug zusammenkommt, um den Einsatz des zur Entsorgung nötigen „schweren Geräts“ zu rechtfertigen. Aber auch dann sei das Ganze noch lange kein Fliegenbrutkasten. Auch Ordnungsamtsleiter Klaus Stefaniak sieht die Diskussionen eher entspannt. Sicher gebe es immer mal wieder Beschwerden wegen der Geruchsbelästigung und es sei auch schon einmal nach einem neuen Standort für die Misthaufen gesucht worden. Aber insgesamt erschöpften sich die Vorwürfe in dem, was in der Nachbarschaft eines Gestüts einfach unvermeidlich sei.

Vollends auf einer Linie mit den Anliegern ist Kölsch beim Thema Löwen. „Wir wussten vorher nicht, dass der Zirkus laute Löwen dabei hat.“ Da man aber jetzt sensibilisiert sei, werde das, verspricht der Gestütsleiter, nicht mehr vorkommen. Generell setzt Kölsch auf den Dialog, unterstreicht er. „Ich werde die zum Gespräch einladen, da kann jeder sagen, was sein Problem ist und dann können wir das lösen. Ich seh‘ nirgends ein Problem – außer mit den Löwen. Aber das hat sich ja schon gelöst.“