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Angriff auf Sparkasse hilft Pallmann nicht

Der Insolvenz-Antrag von Pallmann ist keine schlechte Nachricht. Bis vor vier Tagen noch wäre ein solcher Satz für mich völlig unvorstellbar gewesen

Der Insolvenz-Antrag von Pallmann ist keine schlechte Nachricht. Bis vor vier Tagen noch wäre ein solcher Satz für mich völlig unvorstellbar gewesen. Doch nach der Pressekonferenz von Geschäftsführer Hartmut Pallmann und der IG Metall am Dienstag bin ich überzeugt: Alles andere als der Insolvenz-Antrag wäre eine deutlich schlechtere Nachricht gewesen und hätte wesentlich mehr Arbeitsplätze gefährdet. Und dafür gibt es gleich eine ganze Reihe von Gründen.Erstens: Schon Hartmut Pallmanns Pressemitteilung wirkte widersprüchlich und wirr - und hat vor allem die Krise seines Unternehmens verschärft. Öffentlich von einer drohenden Insolvenz zu reden - welcher Kunde will da noch Vertrauen zu Pallmann haben? Wenn es um die Existenz eines Unternehmens geht, ist gute Krisen-PR unabdingbar. Pallmann hat dafür auf fachkundige Beratung offensichtlich verzichtet.

Zweitens: Pallmann verbreitet (wie die IG Metall) Verschwörungstheorien: Ein Konkurrent werde sich das Unternehmen unter den Nagel reißen, um an die Patente zu kommen und dann dichtmachen. Doch dem wird gerade durch den Insolvenz-Antrag, den Pallmann unbedingt vermeiden wollte, ein Riegel vorgeschoben - geht jetzt doch nichts mehr ohne gerichtliche Kontrolle. Und Ziel heutiger Insolvenz-Verfahren ist der Erhalt des Unternehmens.

Drittens: Jetzt kann man sich (hoffentlich) auf die Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze bei Pallmann konzentrieren, anstatt die Sparkasse Südwestpfalz an den Pranger zu stellen, dort Konto-Kündigungen zu provozieren und damit Arbeitsplätze bei einem anderen großen Unternehmen unserer Region zu gefährden. Unstrittig ist: Pallmann hat tolle Produkte. Doch Hartmut Pallmann und die IG Metall tun so, als sei Pallmann ein finanziell gesundes Unternehmen, dass die Sparkasse bewusst in die Insolvenz treiben wolle. Dabei hat Pallmann seit 2005 die meisten Jahre mit Verlust abgeschlossen, und selbst die IG Metall hält Jobabbau für nötig. Das kann wohl nicht nur die Schuld der Banken sein.