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Kolumne Moment mal
Schwarzbach statt Schweinebucht oder: Homburg stoppt Invasion

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Maria hilf! Den Zweibrückern ist der Trubel am „Saarländer-Tag“ heilig. Der Umsatz natürlich auch. Beidem droht jetzt Ungemach aus Homburg. Das müsste doch nicht sein – findet Merkur-Chefredakteur Michael Klein. Von Michael Klein

Es ist verdammt lange her – als die Welt (nicht zum letzten Mal) den Atem anhielt: Die ultimative Aufforderung des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy an die Adresse der damaligen Sowjetunion, ihre Raketenbasen auf Kuba abzuziehen, markierte am 22. Oktober 1962 den Beginn der Kuba-Krise. Das war heute auf den Tag genau vor 56 Jahren, als sich die beiden Supermächte säbelrasselnd gegenüber standen.

Als gefährlichste Eskalationsstufe eines sich über Monate zuspitzenden Prozesses, der seinen Anfang in der Invasion in der Schweinebucht hatte. Für die politisch und geschichtlich nicht ganz so Bibelfesten, sind die Vorkommnisse natürlich auch bei  Wikipedia festgehalten: Die Invasion war ein von den USA organisierter militärischer Angriff kubanischer Exilanten auf Kuba. Sie wurde, da sind sich Historiker einig, am 17. April 1961 mit verdeckter Unterstützung der CIA von rund 1300 seit 1959 aus Kuba geflohenen Freiwilligen von Guatemala aus durchgeführt und hatte den Sturz der Revolutionsregierung unter Fidel Castro zum Ziel. Die Invasion markierte zum damaligen Zeitpunkt einen ersten Höhepunkt der US-Aktionen gegen die ungeliebte Regierung des bei den Amerikanern noch ungeliebteren Castro. Nachdem die US-Regierung vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zunächst jede Beteiligung daran abgestritten hatte, übernahm Präsident Kennedy vier Tage später die volle Verantwortung. Die gescheiterte Invasion stärkte Castro, und dessen Befürchtungen eines zweiten Invasionsversuchs beschleunigten die weitere Annäherung Kubas an die Sowjetunion. Eben bis zur Eskalation in der Kubakrise 1962.

Zeitenwechsel, Seitenmwechsel!



Ein gutes halbes Jahrhundert später ist die Schweinebucht vergessen. Und dennoch stehen sich wieder zwei imponierende Gegner gegenüber – dies- und jenseits der Ufer des Schwarzbachs, in Höhe Einöd: Auf der einen Seite die Stadt Zweibrücken und der hier beheimatete Zusammenschluss der Zweibrücker Händler und Gewerbetreibende, kurz Gemeinsamhandel Zweibrücken. Auf der anderen Seite der Gewerbeverein Homburg, der umsatzlüstern ganz unzweideutig den Fehdehandschuh Richtung Pfalz über die Landesgrenzen geworfen hat. Mit seiner Ankündigung, im kommenden Jahr auf einen verkaufsoffenen Sonntag zu verzichten und stattdessen am 15. August, am saarländischen Feiertag Maria Himmelfahrt also, einen verkaufsoffenen Feiertag einzuführen.

Während man drüben in der so genannten Schwesterstadt damit argumentiert, an dem Tag dank der geöffneten Geschäfte Flanierende und Einkäufer, vor allem aber Kunden und Kohle in der Stadt und im Land behalten zu wollen, muss man diese Entscheidung bei uns in Zweibrücken als „unfreundlichen Akt“ begreifen – wie es diplomatisch immer so schön heißt.

Hinter der Ankündigung der Homburger Gewerbetreibenden und ihrer Vorsitzenden Annette German steht also ein Frontalangriff auf den in Zweibrücken bestens beleumundeten und hingebungsvoll gefeierten Saarländer-Tag. Der hat sich, insbesondere seit Andreas Michel beim Gemeinsamhandel den Hut aufhat und Petra Stricker für das Stadtmarketing verantwortlich zeichnet, zu einer veritablen Veranstaltung ausgewachsen, deren Programm auch schon mal über den eigentlichen Feiertag, der im Saarland (und auch in Bayern) auf dem Kalender steht, hinausgeht.

Darum kann die Ankündigung der Homburger den Zweibrücker Händlern nicht gefallen! Erst recht nicht, weil die Homburger nämlich andere Städte im Saarland ermuntern wollen, es ihnen gleichzutun. Und dann könnten wir am Ende bei uns in der Pfalz den heißgeliebten Saarländer-Tag einmotten – mangels Saarländern, deren Invasion an dem Tag wir alle schätzen und lieben gelernt haben!

Was nicht zwangsläufig ein Thema für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und deren Generalversammlung sein muss. Auch nicht für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der ja heute zu einem Blitzbesuch in Zweibrücken und der umgebenden  Westpfalz (darunter auch in Großsteinhausen) weilt. Aber ganz sicherlich für den neuen Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza, wenn er seinen Antrittsbesuch beim Parteifreund Rüdiger Schneidewind in Homburg absolviert. Vielleicht könnte er da ja das Thema gutnachbarschaftliche Beziehungen und Absprachen einmal ansprechen…