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Drei Monate ohne Bewährung
„Angeklagter ist an der Wirklichkeit gescheitert“

Zweibrücken. Erneut ein Urteil über Drogen im Zweibrücker Gefängnis: Landgericht verwirft Berufung eines 24-jährigen, der Mithäftling Rauschgift abgekauft hatte. Von Volker Baumann

Der Berufungsantrag eines 24-jährigen Mannes, der sich, während der Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe, 2016 in der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken Drogen beschafft hatte, wurde am Dienstag von der vierten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken verworfen.

Der Verteidiger des jungen Mannes hatte darauf plädiert, sein Mandant habe nicht gewusst, dass die von ihm während der Haft von einem anderen Häftling erworbene Substanz, Menge 6,86 Gramm, unter das Betäubungsmittelgesetz falle.

Eine Analyse, so die Landgerichtskammer, habe ergeben, dass es sich dabei um eine synthetische Droge mit stark toxischer Wirkung gehandelt habe, deren Bestandteile sehr wohl zu den verbotenen Drogen zählen. Unwissenheit sei kein Grund, deshalb von Strafe befreit zu bleiben.



Dem Plädoyer der Verteidigung, dem drogensüchtigen Angeklagten, der bereits eine Therapie durchlaufen hat, eine weitere Chance zur Hilfe und Selbsthilfe zu geben und abzuwarten wie er sich entwickle, entgegnete die Staatsanwaltschaft das Argument, der junge Mann habe in seiner bisherigen Bewährungssache keine Anhaltspunkte für eine positive Prognose erkennen lassen. Seine Bewährungshelferin berichtete sogar über einen positiven Drogentest noch im Dezember 2017, obwohl auf den Angeklagten der gestrige Berufungstermin wartete. Diese Umstände und sein umfangreiches Vorstrafenregister ließen eine Änderung der erstinstanzlichen Entscheidung, drei Monate Haft ohne Bewährung, nicht zu. Eine erneute stationäre Therapie sei geboten, um tatsächlich Hilfe erlangen zu können. Die Strafkammer folgte diesem Antrag. Der junge Mann, der zwar immer guten Willen zeige, diesen aber weder im sozialen noch im beruflichen Umfeld oder während der Bewährungsphase beweise, sei an der Wirklichkeit gescheitert und letztlich Opfer seiner Drogensucht. Gerade eine Beschaffung von Drogen im Strafvollzug sei besonders verwerflich und ein Delikt, das eine positive Prognose nicht zulasse. Der Berufungsantrag wurde deshalb verworfen.