| 23:04 Uhr

Public Viewing
„Allez les Bleus“ und der Wolkenbruch

Marcel aus Metz bejubelt kurz vor Schlusspfiff mit französischer Flagge den WM-Titel. Ansonsten blieb die Stimmung im (beinahe) Dauerregen äußerst verhalten. Die Besucher sammelten sich unter den neun „Sonnen“schirmen und bejubelten vor allem die französischen Tore nur spärlich.
Marcel aus Metz bejubelt kurz vor Schlusspfiff mit französischer Flagge den WM-Titel. Ansonsten blieb die Stimmung im (beinahe) Dauerregen äußerst verhalten. Die Besucher sammelten sich unter den neun „Sonnen“schirmen und bejubelten vor allem die französischen Tore nur spärlich. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Die Fan-Arena auf dem Herzogplatz wurde kurz nach Anpfiff des WM-Endspiels für eine halbe Stunde evakuiert. Von Volker Baumann

Dass die Übertragung des Finales der Fußball-WM in der Fan-Arena auf dem Zweibrücker Herzogplatz im wahrsten Sinn des Wortes teilweise ins Wasser fällt, damit hatte eigentlich keiner gerechnet – bis etwa eine Stunde vor Spielbeginn eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben wurde, die viele vom Besuch ganz abhielt. Unmittelbar vor dem Anstoß um 17 Uhr fielen die ersten Tropfen und grollten die ersten Gewitterdonner. Die Folge: Statt wie vom Veranstalter Experience Event erhofft 1000 kamen nur 80 Zuschauer.

„Das hätte jetzt doch noch halten können. Wenn Deutschland schon raus ist, dann könnte wenigstens das Wetter am letzten Tag stimmen“, ist Projektleiter Marco Best enttäuscht. Und trotzdem froh, dass die „Stammgäste“ wieder in den Bankreihen saßen. Viele seien, auch nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft der Fan-Arena treu geblieben. Bilanz ziehen könne man allerdings erst nach dem Abbau und Gesprächen mit allen Mitarbeitern, Beteiligten und Unterstützern.

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt sei allerdings bereits jetzt, wie auch schon zu Beginn der Veranstaltung, die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und die positive Resonanz aus den Reihen der Zuschauer zu erwähnen. Man habe sich hier sehr gut angenommen und aufgehoben gefühlt, resümieren die Veranstalter. Die Fortsetzung aller Übertragungen nach dem deutschen Ausscheiden habe nie in Frage gestanden.



Fanblöcke waren gestern auf dem Herzogplatz nicht auszumachen, eher Gruppen, die sich bei der Ansage in der vierten Spielminute, auf behördliche Anordnung werde wegen des näher rückenden Gewitters die Übertragung für eine halbe Stunde beendet, wie aufgefordert geordnet vom Herzogplatz zurückzogen. Aber offensichtlich überwiegend zurückkehrten, denn bis zur zweiten Halbzeit waren wieder etwa 80 Fans da.

„Allez les Bleus“ und „Vive la France“ rufend, schwenkte „Marcel aus Metz“, wie er sich vorstellte, die französische Fahne und wurde mit dem 4:2-Sieg seiner Favoriten belohnt. Mit einem 5:2 habe er gerechnet. Günther Marschall hatte auch einen Sieg der Franzosen vorhergesagt: „Die haben nicht so viele Verlängerungen wie die Kroaten in den Beinen“, zählte er auf die bessere Kondition des Teams aus dem Nachbarland. Bei Bettina Müller schlugen zwei Herzen in der Brust: „Ich habe gewettet, dass die Franzosen gewinnen, wäre allerdings trotzdem froh, wenn das kroatische Team als Underdog den Pokal mitnehmen würde“. Wette gewonnen und trotzdem enttäuscht – auch das war bei dieser Fußball-WM möglich.

Von der Fan-Arena allerdings zeigte sich niemand enttäuscht – beste Spielübertragung mit bester Technik und bester Organisation – so die einhellige Meinung aus den Reihen der Zuschauer.