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Über 700 Krähen-Paare in Allee
Allee in den Krallen der Krähen

Wer sein Auto in der Allee parkt, muss mit unangenehmen Überraschungen rechnen.
Wer sein Auto in der Allee parkt, muss mit unangenehmen Überraschungen rechnen. FOTO: Jan Althoff
Zweibrücken. UBZ-Chef Boßlet fassungslos über Anstieg der Population: „Rechtlicher Rahmen, der die Tiere schützt, ist extrem.“ Von Mathias Schneck

„Die Stadt der Rosen und Rosse“ – so nennt sich Zweibrücken gerne und verweist damit stolz auf zwei wichtige Adressen: den Rosengarten und das Landgestüt. Inzwischen würde für Zweibrücken eine andere Beschreibung aber mindestens genauso gut passen: „Die Stadt der Krähen und Kräne.“

Die Kräne, die stehen für Terex, das größte Unternehmen in Zweibrücken. Und die Krähen? Die brauchen einen Größenvergleich ebenfalls nicht zu scheuen. Wer dieser Tage durch die Allee spaziert, kann es erleben. In gewaltiger Zahl sitzen die schwarzen Vögel in ihren Nestern und krächzen um die Wette. Wenn die Tiere zum Rundflug aufsteigen – gerne machen sie das gemeinschaftlich – schweben sie gleich einer dunklen Wolke über den Bäumen der Flaniermeile. Ein Bild, das Staunen auslösen kann – oder einigen Unmut. Werner Boßlet, Vorstandsvorsitzender des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken), gehört zu den Bürgern, denen angesichts dieses Spektakels der Kamm schwillt.

„Es ist extrem in der Allee. Wir haben dort aktuell über 700 Saatkrähen-Paare“, erklärt Boßlet auf Merkur-Anfrage. 700 Paare – das sind schon mal 1400 Tiere. Dazu kommt der Nachwuchs, der momentan am schlüpfen ist. Nächstes Jahr könnten es folglich schon rund 2000 Tiere sein, die die Platanen in der Allee zu ihrem neuen Zuhause erklärt haben.



Für Boßlet sind das Zustände, die im Grunde genommen untragbar sind. Aber, so lautet sein Fazit: „Wir werden nichts dagegen machen. Wir haben das intensiv geprüft. Aber der rechtliche Rahmen, der die Tiere schützt, ist extrem – nicht nur deutschlandweit, sondern auch in Europa.“ Der UBZ-Chef weiter: „Wir haben uns das mit dem Ordnungsamt sehr genau überlegt. Wir bräuchten einen Falkner, um die Tiere zu vergrämen. Aber die Saatkrähen sind schlau, die merken, wenn der Falkner weg ist, dann sind sie gleich wieder da.“ Der Falkner müsste also wochenlang im Einsatz sein, erklärt Boßlet – und dann wäre der Erfolg immer noch fraglich. Zudem drohe die Gefahr, dass die große Kolonie in der Allee dadurch zersiedelt werde.

„Die Gefahr ist, dass diese eine große Kolonie sich aufspaltet in mehrere kleinere Kolonien, die dann aber auch stetig wachsen würden.“ Der „erhebliche finanzielle Aufwand“, der durch einen wochen- oder gar monatelangen Einsatz eines Falkners entstehe, wäre somit nicht zu rechtfertigen. Zumal man, so Boßlet, „nicht den Nachbarn die Krähen in den Garten treiben möchte“. Also sind dem UBZ, der für die Baumpflege in der Allee zuständig ist und den an der Rosengartenstraße gelegenen Rosengarten betreibt, die Hände gebunden? Muss Boßlet dem hundertfachen Krächzen aus rauen Krähenkehlen tatenlos zuhören?

Der UBZ-Chef fürchtet, dass dem so ist. „Ich habe in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass bei uns in Deutschland teilweise der Tierschutz über dem Menschenschutz steht. Dafür bin in dann kritisiert worden. Aber es ist nun einmal so.“ Er wisse, dass bereits etliche Flaneure in der Allee von den Krähen bekackt worden seien und dass manche vor lauter Verdruss über die Verhältnisse in der Allee diese inzwischen gänzlich meiden. Aber es sei nichts zu machen. Es bringe auch auf Dauer nichts, die Baumkronen, in denen die Tiere ihre Nester bauen, zurückzuschneiden, berichtet Boßlet. In den vergangenen Jahren hatte eine Abteilung des UBZ, die sich um die Baumpflege in der Stadt kümmert, jeweils einen Abschnitt in der Rosengartenstraße sowie in der Gestütsallee (die beiden Straßen in der Allee) zurückgeschnitten und so einen Teil der Tiere quasi „vor die Tür gesetzt“. Aber, gibt Boßlet zu bedenken: „Für die Platanen bedeutet das Zurückschneiden Stress. Das kann man nichts ständig wiederholen.“

Nester über Nester in den Allee-Bäumen.
Nester über Nester in den Allee-Bäumen. FOTO: Jan Althoff / jam
Die Mitteilung des UBZ auf den Allee-Bänken ist kaum noch zu entziffern.
Die Mitteilung des UBZ auf den Allee-Bänken ist kaum noch zu entziffern. FOTO: Jan Althoff / jam