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Bürger: „Beschämend“
Ärger über kleine Leichenhalle

Die Aussegnungshalle bietet nur etwa 15 Trauernden Platz..
Die Aussegnungshalle bietet nur etwa 15 Trauernden Platz.. FOTO: Norbert Rech
Zweibrücken. Die Stadt sieht aus Kostengründen auf dem Hauptfriedhof keine Chance für An- und Neubau. Von Norbert Rech

Als „beschämend“ bezeichnet Klaus Lohse die Situation während Beerdigungen auf dem Zweibrücker Hauptfriedhof. Dabei meint er die seiner Auffassung nach viel zu kleine Aussegnungshalle: „In der kalten Jahreszeit ist es hier fast nicht möglich, als Trauernder nach dem Tod von Freunden oder Verwandten in Würde Abschied zu nehmen.“ Bei Wind, Regen, Eis und Schnee müssten die Menschen vor dem Gebäude im Freien „nass und frierend“ stehen, da die Halle nur Platz für rund 15 Gäste biete, was selbst für die Familienangehörigen oft nicht ausreiche. „In Zweibrücken spielt die Würde des Menschen auf seinem letzten Weg anscheinend keine Rolle“, empört sich Lohse, der sich seit 2005 mit diesem Thema beschäftigt. Damals habe des Bündnis Zweibrücker Wirtschaft mit der Stadt ein geeignetes Erweiterungskonzept vorstellen wollen. Geplant sei ein so genanntes „Privat Public Partnership Project“ gewesen. Doch das Vorhaben sei „im Sande verlaufen“.

„Es ist nicht nachzuvollziehen, dass für alle Objekte, die Geld einbringen, trotz Überschuldung eine finanzielle Basis vorhanden ist – für den Friedhof aber nicht.“ Als Beispiele nennt der Zweibrücker den Kubus am Rosengarten-Eingang, die Fischtreppe oder die Stadt am Wasser. Letztere werde durch ständige Überwachung und Reinigung noch sehr viel zusätzliches Geld kosten.

Die Aussegnungshalle, die im Jahr 1901 errichtet wurde, steht nach Rückfrage beim städtischen Pressesprecher Heinz Braun im Stadtat und auch in der -verwaltung nicht auf der Tagesordnung. Das habe zum einen finanzielle Gründe – zum anderen habe sich die Bestattungskultur geändert. So gebe es deutlich weniger Erdbestattungen. Vor zehn Jahren sei das Vorhaben an der Kosten gescheitert, die damals mit einer Million Euro beziffert wurden. Diese hätte die Stadt stemmen müssen. Es habe auch zur Diskussion gestanden, den Hauptfriedhof zu schließen, da es noch den Waldfriedhof bei Wattweiler gebe. Doch auch davon habe man Abstand genommen, da schließlich die Grabstellen noch viele Jahre vermietet seien.



Der Bau oder die Erweiterung der Aussegnungshalle würde heute noch stärker den Haushalt belasten. Braun schätzt die Höhe der Investitionen auf bis zu zwei Millionen Euro. Da beim Posten Friedhof die Kosten gedeckt sein müssten, wie es die Kommunalaufsicht vorschreibe, bliebe nichts anderes übrig, als die Gebühren sehr deutlich zu erhöhen. Das würde aber nicht nur den Hauptfriedhof betreffen, sondern alle Friedhöfe im Stadtgebiet. Der Pressesprecher geht nicht davon aus, dass es dann beispielsweise in Ernstweiler oder Oberauerbach viel Verständnis für solche Ausgaben gäbe. Bei größeren Trauerfeiern bestehe auch die Möglichkeit, die Kirchen zu nutzen. Schließlich koste die Leichenhalle bei einer Beerdigung auch Geld.

Ein solches Projekt könne zudem auch nicht mit dem Kubus oder der Fischtreppe verglichen werden, da die diese Vorhaben mit bis zu 90 Prozent gefördert worden seien. Für die Aussegnungshalle gebe es dagegen keine Zuschüsse.