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Auch Energie ist ein Dauerbrenner
Ältere Männer und die Sexhotlines

Telefonate, die es nie gegeben hat: Mit angeblichen Rechnungen von Sexhotlines versuchen dubiose Firmen häufig ältere Männer abzuzocken. Aus Scham zahlen viele Betroffene die Forderungen.
Telefonate, die es nie gegeben hat: Mit angeblichen Rechnungen von Sexhotlines versuchen dubiose Firmen häufig ältere Männer abzuzocken. Aus Scham zahlen viele Betroffene die Forderungen. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Zweibrücken/Pirmasens. Betrüger nutzen das Internet für ihre dubiosen Maschen – Regionale Verbraucherzentrale legt Jahresbericht vor. Von Franz Pioth

Was haben Kaffeefahrten und das Internet gemeinsam? Antwort: Beide werden von Betrügern genutzt, um Menschen abzuzocken. Zwei ältere Frauen aus Pirmasens steckt eine Nikolausfahrt noch in den Gliedern. Dort hatten sie Vitaminpillen und Mineralkapseln für über 1000 Euro bestellt und suchten dann Hilfe bei der auch für Zweibrücken zuständigen Verbraucherzentrale am Pirmasenser Exerzierplatz.

Dies berichtete Büroleiter Kai Prowald jetzt bei der Vorlage des Jahresberichts 2017. Nach seinen Beobachtungen gehen die Betrüger parallel immer auch mit der Zeit und haben im vergangenen Jahr das boomende Filmegucken übers Internet als neues Arbeitsfeld entdeckt. Immer wieder landeten Fälle auf seinem Schreibtisch, wo unseriöse Dienste als Branchenführer Netflix getarnt unterwegs waren. Vor allem Kinder und Jugendliche seien auf die Masche hereingefallen und hätten statt Gratis-TV eine saftige Rechnung erhalten. Wenn nicht bezahlt werde, sei das übliche Schmierentheater mit Drohungen und Inkassoforderungen in Gang gesetzt worden.

Damit Kinder und Jugendliche besser gewappnet sind, geht die Verbraucherzentrale seit einiger Zeit auch an Schulen, um ältere Kinder besser auf die Tücken der neuen Medienwelt vorzubereiten. Das Projekt stoße auf großes Interesse und wird deshalb fortgesetzt. Ein ähnliches Projekt gibt es für Senioren.



Letztere sind auch immer wieder Ziel von dubiosen Firmen. Prowalds Kollegin Jutta Kettering berichtete, dass ältere Männer Rechnungen von Sexhotlines etwa aus Tschechien erhielten, obwohl sie solche Dienste nie in Anspruch genommen hätten. Aus Scham falle es den Opfern oft schwer, sich Hilfe zu holen. Werde nicht bezahlt, kämen in regelmäßigen Abständen immer wieder Mahnungen. Die anfänglichen Forderungen stiegen so schnell von 80 auf 400 Euro. Außerdem würden unseriöse Inkassobüro eingeschaltet. Kai Prowald riet den Betroffenen, trotz des Drucks hart zu bleiben und auf keinen Fall zu bezahlen, wenn keine Sexhotline angewählt wurde.

Auch von Sofortkrediten übers Internet sollten Verbraucher die Finger lassen, warnte Jutta Kettenring. Vor allem Flüchtlinge hätten hier bittere Erfahrungen gemacht und statt der Kreditkarte eine Rechnung von 149 Euro für eine Mitgliedschaft in einem Kreditclub am Bein gehabt. Sie riet Betroffenen, auf keinen Fall zu bezahlen und die Forderung belegbar schriftlich zu bestreiten. Dann gebe es auch keinen Eintrag bei der Schufa.

Auch bei Notdiensten sollten Verbraucher dem weltweiten Netz nicht blind vertrauen. Kai Prowald berichtete von einem Fall, wo für das Öffnen einer einfachen Wohnungstür 800 Euro abkassiert wurden. Die Dienste, die in der Not über das Internet kontaktiert würden, seien oft nicht seriös und hätten weite Anfahrten, die sie gnadenlos berechneten. Oft würden Zylinder ausgetauscht, obwohl nicht erforderlich. Für neue Schließzylinder würden dann Wucherpreise berechnet. Prowals sagte, die Rechnungen sollten auf keinen Fall gleich bezahlt werden. Und falls der Handwerker darauf rabiat reagiere, sollte die Polizei gerufen werden. Wie er sagte, sind für Türöffnungen je nach Tageszeit Preise zwischen 60 und 150 Euro im Großraum Pirmasens üblich. Noch besser sei es, Vorsorge zu treffen und sich bei einem lokalen Anbieter zu informieren. Wer die Möglichkeit habe, könne für Notfälle auch einen Ersatzschlüssel bei Verwandten oder Bekannten hinterlegen.

Ein Dauerbrenner ist auch das Thema Energie. Wie Kai Prowald betonte, stehen zwei Berater für energiesparendes Bauen und Sanierungen zur Verfügung. Auch die Energiekostenberatung zusammen mit Stadt- und Pfalzwerken arbeite erfolgreich und werde fortgesetzt. Hier würden Vorträge und Beratungen von Zweibrücken bis nach Landau angeboten. Laut Pressereferentin Lore Herrmann-Karch, die aus der Mainzer Zentrale der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale gekommen war, hatte das Pirmasenser Büro im vergangenen Jahr 4400 Beratungs- und Informationskontakte. An den 50 Veranstaltungen nahmen 1230 Frauen und Männer teil. Die Zahlen hätten sich gegenüber 2016 kaum verändert.