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Erste Klasse an Grundschule Contwig muss bis auf Weiteres nach Stambach ausweichen
Schimmel: Schulträger weist Eltern-Kritik zurück

 Die Verbandsgemeinde-Verwaltung (Archivbild) erläutert auf Merkur-Anfrage ihre Sicht auf die Abläufe, die zur Sperrung eines Erstklässler-Saals in Contwig wegen einer für Kinder gefährlichen Dosis von Schimmelpilzspuren in der Raumluft geführt haben.
Die Verbandsgemeinde-Verwaltung (Archivbild) erläutert auf Merkur-Anfrage ihre Sicht auf die Abläufe, die zur Sperrung eines Erstklässler-Saals in Contwig wegen einer für Kinder gefährlichen Dosis von Schimmelpilzspuren in der Raumluft geführt haben. FOTO: pm / Mathias Schneck
Contwig. Raumluft-Messung sei nicht auf Druck von oben erfolgt, erklärt die Verbandsgemeinde. Die Ursache des Pilzsporen-Befalls sei wohl alt. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Dass eine neue erste Klasse der Grundschule Contwig wegen Schimmelpilzsporen am Dienstag nicht in ihren frisch sanierten Saal einziehen konnte, sondern an den Schulstandort Stambach ausweichen musste, hat bei Eltern für zwiepältige Gefühle gesorgt. Einerseits „sind wir im Moment einfach nur sehr froh, dass sich zu diesem Thema endlich was tut“, schrieb eine Mutter dem Merkur. Gleichzeitig aber wurde auch heftige Kritik an der Verbandsgemeinde-Verwaltung (VG) Zweibrücken-Land geübt. „Vielleicht sollte erwähnt werden, wie Eltern von der VG hingehalten und belogen wurden. Und dass erst nach Einschalten höherer Behörden überhaupt eine Prüfung durch ein unabhängiges Institut in Erwägung gezogen wurde“, schrieb eine Mutter auf Facebook. „Erst nach monatelangem Erbeten der Eltern, erst durch Nachdruck der ADD Trier“, habe die VG Zweibrücken-Land als Schulträger „endlich gehandelt“, schrieb eine andere.

Der Pfälzische Merkur hat daraufhin der VG-Verwaltung einen Fragenkatalog geschickt. Die Kernaussage in der ausführlichen, von Zentralabteilungsleiter Karl-Heinz Brügel gemailten Antwort: „Die Behauptung, dass die Verwaltung auf die Sorgen der Eltern wochenlang nicht reagiert habe, trifft nicht zu.“

Wann und von wem wurde die VG-Verwaltung über Bedenken bezüglich des Klassensaals informiert? Mitte Mai „wurde der Sachbearbeiter in der Bauabteilung von Elternvertretern telefonisch kontaktiert“, antwortet Brügel. „Daraufhin fand am 27.05.2019 ein Gespräch in der Bauabteilung mit Elternvertretern statt, bei dem diese Bedenken der Eltern wegen möglichem Schimmelbefall vortrugen. Der Sachbearbeiter informierte über Art und Umfang der geplanten Sanierungsarbeiten und wies ausdrücklich darauf hin, dass nach damaligem Stand keine Anzeichen für Schimmelbildung festgestellt werden konnten.“



Wann wurde das Fachbüro mit der Raumluftmessung beauftragt? „Die Auftragserteilung erfolgte am 23.07.2019, zuvor wurde ein Angebot des Büros eingeholt und es fand eine Ortsbesichtigung statt. Bereits zu Beginn der Bauarbeiten war geplant, nach Abschluss der Arbeiten eine Raumluftmessung durchzuführen.“

Welchen Kontakt hatte die VG-Verwaltung vor dieser Auftragserteilung mit der ADD? Hat die Verwaltung wochenlang auf Eltern-Bedenken nicht reagiert? „Die ADD hat mit verschiedenen Vertretern der Verwaltung am 17.07.2019 und am 25.07.2019 telefoniert und auf ein der ADD vorliegendes Schreiben besorgter Eltern wegen Schimmelvorkommen verwiesen“, schreibt die VG-Verwaltung. „Die ADD wurde bereits im Gespräch am 17.07.2019 über die gerade laufenden Sanierungsarbeiten und über die Absicht informiert, eine Raumluftmessung durchzuführen.“

Welche Erkenntnisse hat die VG-Verwaltung über die Ursache und die Quelle des Sporenbefalls (oberflächlich oder in Wänden)? Ist das ein altes Problem oder erst infolge der Sanierung entstanden? Wurde VOR der Sanierung auf Feuchtigkeit/Schimmel kontrolliert?

Antwort: „Das Büro Marx GmbH geht im Gutachten von der Annahme einer Restbelastung aus früherer Zeit als Ursache für die Belastung der Raumluft aus. Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass die Belastung infolge der Sanierung entstanden ist. Vor Durchführung der Sanierungsarbeiten haben Sichtprüfungen durch den Sachbearbeiter der Bauabteilung stattgefunden, die keinerlei Hinweise auf Schimmelvorkommen im Turnraum ergaben. Auch gab es zu diesem Zeitpunkt keine Feuchtigkeit in diesem Raum. Der Raum wurde komplett saniert einschließlich neuer Fenster und neuem Verputz.“

Wann wurden in dem Bereich zuletzt Feuchtigkeitsprobleme beobachtet, gab es damals auch Schimmelbefall, wie/wann wurde dieser beseitigt? „Im Bereich des Untergeschosses gab es zuletzt vor ca. einem Jahr Feuchtigkeitseintrag von außen infolge eines defekten Fallrohres. Der davon betroffene Raum im Untergeschoss grenzt nicht direkt an den neuen Klassenraum an. Ein Schimmelbefall wurde nicht festgestellt.“

Sind Messungen in anderen Bereichen der Schule erforderlich, um weiteren Sporenbefall auszuschließen? „In Abstimmung mit der Gesundheitsaufsicht bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz ist beabsichtigt, nach den Reinigungsarbeiten Messungen im gesamten Untergeschoss durchzuführen.“ Dort befänden sich aber „keine weiteren von Schülern benutzten Räumlichkeiten“.