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Prozess am Landgericht
„Bestimmt 100 Schimpfwörter!

Zweibrücken. Ein 23-jähriger Student soll Beamten beleidigt und verletzt haben. Von Dieter Becker

Vor der Zweibrücker Strafrichterin Jessica Straßer musste sich jetzt ein 23-jähriger Maschinenbaustudent aus dem Landkreis verantworten. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zweibrücken: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Körperverletzung. Was war passiert?

Rückblende: Ein Freitagabend im Januar 2018. Der ledige Student feierte im ersten Obergeschoss einer Fabrik in einer Gemeinde im Landkreis seinen 23. Geburtstag. Kurz vor Mitternacht wollten zwei Polizisten Einlass haben. Der Hintergrund: Die Rettungsleitstelle meldete gegen 23.30 Uhr, dass bei der Party ein Besucher nach einer Schlägerei im Gesicht schwer verletzt worden sei.

Aber der Gastgeber verweigerte den beiden Polizisten zunächst den Einlass. „Wir wollten nicht gestört werden“, sagt er in seiner Vernehmung. Von einer Schlägerei und einer verletzten Person will er erst am darauf folgenden Tag erfahren haben. Die Eingangstür zu der Partyzone – eine Glastür – war verschlossen. „Wir wollten keine ungeladenen Gäste“, so der Angeklagte.



Nach einem längeren Wortwechsel zwischen dem Gastgeber und den beiden Polizeibeamten wurde die Tür zwar geöffnet, aber der spätere Angeklagte und ein Freund stellten sich den Ermittlern in den Weg. Und ab diesem Zeitpunkt gehen die Versionen der Beteiligten auseinander: Der Angeklagte soll nach Aussagen der beiden Polizeibeamten diese massiv beleidigt haben, unter anderem sollen die Wörter „Hurensohn“, „Pisser“ und „Wichser“ gefallen sein. Ein Ermittler vor Gericht: „In unsere Richtung fielen bestimmt 100 Schimpfwörter. Wir wurden auch bespuckt. Der Angeklagte sagte zu uns, das er Adolf Hitler sei.“ „Ich habe niemanden beleidigt“, widersprach der Angeklagte vor Richterin Jessica Straßer. Er will auf seiner Feier etwa zehn Bier und fünf Schnäpse getrunken haben.

Es sei kein Dialog mit dem Angeklagten zu führen gewesen, berichtete ein Polizist vor Gericht, er sei emotional aufgedreht und alkoholisiert gewesen: „Auch zog er ständig an meiner Jacke. Es kam zum Tumult. Er hat wild um sich getreten, wir gingen alle zu Boden.“

Der Polizeioberkommissar wurde bei dem Einsatz verletzt, unter anderem an den Händen und Knien, außerdem erlitt er einen Knorpelschaden. Der Angeklagte: „Ich wurde von einem Polizeibeamten auf den Boden geworfen und festgehalten. Man hatte versucht, mich zu fixieren.“ Am Ende der Beweisaufnahme stellte der Verteidiger des Angeklagten einen Antrag auf Vernehmung von zwei weiteren Zeuginnen. Daraufhin wurde die Verhandlung ausgesetzt. Neuer Prozessbeginn ist im Januar, dann müssen alle Zeugen neu gehört werden.