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Gericht
Zeugen belasten Bechhofer in Mordprozess

Ein 22-Jähriger aus Bechhofen soll seinen Kumpel im Drogenrausch erdrosselt haben.
Ein 22-Jähriger aus Bechhofen soll seinen Kumpel im Drogenrausch erdrosselt haben. FOTO: Peter Steffen / picture alliance / dpa
Saarbrücken/Bechhofen. Der 22-Jährige soll unter Drogeneinfluss einen 19-jährigen Saarbrücker mit einem Seil brutal erdrosselt haben. Von Norbert Rech

Mit der Vernehmung des Tatzeugen wurde am Freitag der Mordprozess gegen einen 22-jähren Bechhofer vor dem Schwurgericht des Landgerichtes Saarbrücken fortgesetzt. Der Angeklagte soll am 14. August 2016 in einem Auto an der Kehrberghütte in Homburg-Sanddorf einen 19-Jährigen mit einem Seil erdrosselt haben. Der Zeuge sagte aus, dass er gemeinsam mit dem mutmaßlichen Täter die Leiche dann in das französische Breidenbach gefahren und dort hinter einem umgefallenen Baumstamm abgelegt habe. Der Angeklagte soll das Opfer dann mit Ästen bedeckt haben. Mehr als ein Jahr galt der Saarbrücker dann als vermisst, bis die Polizei vor gut fünf Monaten dort die Leiche in dem Waldstück fand (wir berichteten).

Eigentlich wollte der Zeuge mit dem Angeklagten einen schönen Sonntag verbringen, wie es ihm der 22-Jährige am Morgen des Tattages auch angeboten habe. Dabei sollten Amphetamine und Alkohol konsumiert werden, was die beiden dann auch gemacht hätten. Um ungestört zu sein, seien sie von Bechhofen in Richtung der Windräder zu einem Schotterplatz gefahren. Im Auto mit dabei soll das spätere Opfer gewesen sein, das auf dem Beifahrersitz geschlafen habe. Der Angeklagte soll dem 32-Jährigen immer wieder von seinen Mordplänen erzählt haben: „Ich wollte schon immer mal einen Kanacken umbringen.“ Er habe ihm berichtet, dass der 19-Jährige einige Dealer betrogen habe. Das Geld und die Drogen will ihm der Bechhofer im Schlaf abgenommen haben. Er sehe keine Alternative dazu, ihn umzubringen, da das Opfer mit ihm vor dem Haus seiner Eltern gewesen sei. Im Laufe der Zeit sei ihm klar geworden, dass sein Freund es ernst meinte.

Nachdem sie in Bruchhof noch Geld abgehoben hatten, seien sie zur Kehrberghütte gefahren. Dort hätten sie weitere Amphetamine zu sich genommen. „An der Wand hing ein Strick, mit dem der Angeklagte dann herumspielte“, erinnerte sich der Zeuge, der wenig später von draußen ein Stöhnen gehört haben will. Er selbst sei dann auch vor die Tür gelaufen und will gesehen haben, dass der 22-Jährige mit dem Strick und einem Radkreuz von hinten versucht habe, den 19-Jährigen zu töten. Der mutmaßliche Mörder habe dabei ganz weit aufgerissene Augen und Schweißperlen auf der Stirn gehabt. „Plötzlich hat das Opfer die Hand kurz angehoben und dann diese und den Kopf fallen gelassen. Es war kein Lebenszeichen mehr festzustellen“, so die Aussage des ebenfalls aus Bechhofen stammenden Zeugen. Der vermeintliche Täter habe seinem Opfer dann einen Müllsack übergezogen und mit ihm gemeinsam die Leiche auf die Ladefläche des Fahrzeuges gelegt. Dann will der 32-Jährige mit beiden ziellos losgefahren sein, bis sie in Breidenbach angekommen seien. Für ihn habe der mutmaßliche Mörder „wie immer gewirkt – wirr, als könnte man nichts drauf geben, was er von sich gibt“. Der Angeklagte hat inzwischen die Tat abgestritten und dafür den 32-Jährigen belastet, selbst das Opfer erwürgt zu haben..



Ein anderer Zeuge untermauerte am Freitag allerdings die Version des Tatzeugen. So soll der 22-Jährige, mit dem er eng befreundet sei, ihm am Folgetag gesagt haben: „Ich habe Scheiß gebaut – einen um die Ecke gebracht.“ Der habe weiter berichtet, er sei mit dem Opfer auf einer Party in Friedrichsthal gewesen und habe diesen dann nach Homburg fahren sollen, damit er in Frankfurt abtauchen könne. So hätte er vor den Russen Angst, denen er 700 Euro schulde. Da der 22-Jährige unter Drogeneinfluss gestanden habe, hätte er ihm aber damals nicht geglaubt.

Insgesamt schildert der Zeuge den Angeklagten als nicht glaubwürdig und wehleidig. So könne er beispielsweise kein Blut sehen, was seiner Aussage widerspreche, er habe das Opfer mit der Handsäge zersägt und die Stücke im Wald zerstreut. Weiter bezeichnete der 24-Jährige seinen Freund als unpolitischen Oi!-Skin. Die Gesinnung soll aber in keinem Zusammenhang mit der Tat stehen Der Prozess wird am 7. Februar um neun Uhr fortgesetzt.