| 22:40 Uhr

Laientheater
Elf Köpfe für ein Hallelujah

Die Akteure der Wiesbacher Theatergruppe bei ihrer „Wallfahrt ins Sporthotel“.
Die Akteure der Wiesbacher Theatergruppe bei ihrer „Wallfahrt ins Sporthotel“. FOTO: Norbert Schwarz
Wiesbach. Die Wiesbacher Laienspieler führen „Wallfahrt ins Sporthotel“ auf. Von Norbert Schwarz

(cos). Zahllose Vorhänge, stehend applaudierende Zuschauer im Sportheim. Die Bühnenakteure um Christa Türr zogen wieder einmal alle Register und spielten sich geradezu in die Herzen der Zuschauer beim diesjährigen Stück „Wallfahrt ins Sporthotel“. Geschickt wurden lokale Bezüge ins Geschehen einbezogen, was dem Spektakel eine zusätzliche Würze verlieh und die Gäste im Parkett des proppenvollen Sportheims bei vielen Szenen erheiterte.

Zur Handlung: Es hat sich im Ort herumgesprochen, ausgerechnet in „Krähberch“, der Nachbargemeinde, wird ein Sporthotel mit allem drum und dran eröffnet. „Do werd de Borremäschder Thomas durch die Deck gään“, ist bei seinem Wiesbacher Pendant Otto Geiermann zu hören. Die Verlockung für diesen und weitere Ratsmitglieder ist groß, sich dort einmal hinzubegeben und zu schauen, was da geboten wird. Die Gattinnen sind strikt dagegen, allein schon der Gedanke bringt sie mächtig in Rage, denn sie vermuten viel Verwerfliches hinter den Kulissen, sprechen ganz offen von Rotlichtmilieu.

Doch Wirt Geiermann, zugleich der Bürgermeister von Wiesbach, und sein Handwerksbruder Bäcker Alfons Mehlwurm, den alle nur „Fons“ nennen und der gleichfalls im Gemeinderat mit am Tisch sitzt, sind nicht auf den Kopf gefallen. Sie organisieren eine Wallfahrt hinauf nach „Krähberch“, mit dem Pfarrer vornweg. Ganz trauen die zurückgeblieben Frauen dem Braten aber nicht, deshalb werden der Bäckergesell Manni Schmidtchen und die Wirtshausbedienung Helmi Glückauf zum Spionieren hinterhergeschickt.



Soweit die groben Handlungsstrukturen. Was das elfköpfige Ensemble darauf auf die Bühnenbretter zaubert ist köstlich und hohe Laienspielkunst vor einem überzeugenden Bühnenbild, das Klaus und Anton Buchmann schufen. Vom Zeitungsjungen Eric Gauter bis hin zu Pastor Gottlieb, eine Rolle, die kurzfristig Erik Arenth übernahm, oder Nicole Hemmer-Sefrin, die zum Probebeginn noch im Soffleurkasten saß und kurzfristig als „Clementine Kümmerling“ einsprang: die Darsteller strotzen geradezu vor Spielfreude.

Resolut und wie immer bis in die Haarspitzen motiviert Christa Türr als „Selma Geiermann“. Für die Rolle des Gastwirts und „Borremäschder“ geradezu prädestiniert Jörg Ohlmann-Vollmar. Eine geborene Buchmann ist Kathrin Arenth. Die Familie ist dem Wiesbacher Laienspiel eng verbunden. Sie überzeugte jetzt köstlich als „Helmi Glückauf“. Alfons „Fons“ Mehlwurm alias Werner Wagner bekommt zusammen mit der Jörg Ohlmann-Vollmar nicht nur Szenenapplaus, wenn sie lebensecht die Betrunken in der „Kimmelsgass“ mimen. Dem steht Sara Thomas als „Henriette Mehlwurm“ in nichts nach. Tobias Türr imponiert als Bäckergeselle „Manni Schmidtchen“ Korina Müller beeindruckt nicht allein ob ihrem „blauen Auge“ als Karla Korn.