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Festprogramm von Samstag bis Sonntag
Wiesbach feiert am Wochenende 750 Jahre

 Die Kerwen sind aus der langen Geschichte Wiesbachs nicht wegzudenken. Hier ein Bild der Straußjugend aus dem Jahr 1978 am Gasthaus Vollmar.
Die Kerwen sind aus der langen Geschichte Wiesbachs nicht wegzudenken. Hier ein Bild der Straußjugend aus dem Jahr 1978 am Gasthaus Vollmar. FOTO: Norbert Schwarz
Wiesbach. Auftakt der Jubiläums­feier ist am Samstag. Der Höhepunkt wird am Sonntag der Festumzug sein. Viel zu erzählen über die Dorfgeschichte weiß Oliver Türr. Von Norbert Schwarz

Das Feiern von Geburtstagen zählt im menschlichen Leben dazu. Weitaus seltener sind die Feste, mit denen Dörfer oder Städte ihren Geburtstag begehen und dieser wird auch selten jährlich groß gefeiert. Es sei denn, ein großer, runder, vielfach schon Jahrhunderte zurückliegender Geburtstag des Ortes gibt dazu Anlass. Die Dorfbewohnern von Wiesbach haben einen solchen. Vor 750 Jahren wurde das Dorf im nördlichen Zipfel der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land erstmals urkundlich erwähnt. Das wird heute Samstag und morgen Sonntag von vielen Dorfbewohnern und mit vielen Gästen gebührend gefeiert. Oliver Türr, ein umtriebiger, familien- und dorfgeschichtlich interessierter Wiesbacher Bürger, brachte, was den „Geburtstag“ seines Heimatortes Wiesbach angeht, den Stein ins Rollen. Bei seinen Familienforschungsarbeiten stieß der Dorfchronist und Verfasser der 417 Seiten starken Dorfchronik auf das Datum der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1269. Ritter Godebrecht von Nanstein, welcher zeitgleich auch Zweibrücker Burgmann wurde, hat Grundstücke im Tal von Wiesbach besessen. Patronatsrechte besaßen die Reichministerialen von Hohenecken an der Pfarrei Wiesbach. Diese sind 1279 auf die Deutschordenskomturei Einsiedel übertragen worden. „Die Tür zur Wiesbacher Chronik“ titelt Oliver Türr passend den Chronikband (wir berichteten). Der Chronikverfasser: „Die obere Wiesbacher Mühle steht als eines der ältesten Bauwerke heute in meinem Besitz. Die Vorfahren der mütterlichen Seite erwarben die Mühle, mit Oma Mathilde lebte ich noch viel Jahre unter einem Dach. Sie ist es auch gewesen, die das Feuer von Familienforschung Dorfgeschichte in mir entfachte. Als kleiner Junge haben wir oft alte Bilder betrachtet. Fotografische Erinnerungen aus der Familie und dem Dorfgeschehen. Diese standen sozusagen Pate für meine heutige Neugierde in Sachen Familienforschung, zu der sich auch die über den Heimatort gesellte.“

Schwerpunkte in der Dorfchronik sind deshalb auch nicht seitenlange Abhandlungen über die facettenreiche Frühgeschichte. Nein, Oliver Türr hat bewusst menschlichen Schicksale, Personen des Ortes in den Mittelpunkt gestellt. Wie sehr die gesamte Dorfbevölkerung dabei mitgearbeitet hat beweist die Tatsache, dass ihm nach entsprechenden Aufrufen mehr als 4000 Bilder, Dokumente und sogar Zeugnisse zur Verfügung gestellt wurden die das Schaffen einer ganz besonderen Dorfchronik ermöglichte.

„Die Dorfbewohner, das Zusammenleben, wie sie feierten oder wie sie Angst bei sich trugen als Familienmitglieder in den Krieg ziehen mussten, das stand beim Schaffen der Chronik im Mittelpunkt und wird, reich bebildert, dargestellt. „Für Einheimische oder solche, die, aus welchen Gründen auch immer, dem geliebten Wiesbach den Rücken kehren mussten, ist eine Chronik mit ganz besonders menschlichen Zügen deshalb von ganz besonderem Interesse“, sagt Oliver Türr und findet sich längst durch viele Leser in dieser Meinung bestätigt.



Das Tagebuch von Mathilde Hüther geborenen Hemmer aus den Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges ist ein solches Beispiel. Es gibt ebenso einen tiefen Einblick in die Wiesbacher Dorfvergangenheit wie die Erzählungen von Kerwefesten, die Dorfschule, Kirchen und sämtlichen Ortsvereinen, die ihren festen Platz in der Chronik fanden.

 Die Dorfchronik von Oliver Türr enthält auch viele historische Fotos. So wurde 1958 am Sportheim die Wiesbacher Kerwe gefeiert.
Die Dorfchronik von Oliver Türr enthält auch viele historische Fotos. So wurde 1958 am Sportheim die Wiesbacher Kerwe gefeiert. FOTO: Norbert Schwarz