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Neujahrsempfang Großsteinhausen
„Wenn ich nochmals sowas zu lösen habe, flippe ich total aus!“

Beigeordnete Berthold Lauer (li.) und Bürgermeister Volker Schmitt.
Beigeordnete Berthold Lauer (li.) und Bürgermeister Volker Schmitt. FOTO: Norbert Schwarz
Großsteinhausen. Bürgermeister Schmitt ärgert sich beim Großsteinhauser Neujahrsempfang über Landes-Auflagen zum Brandschutz für Kita. Pläne für ein Neubaugebiet. Von Norbert Schwarz

Den Ort weiterhin zukunftsfähig gestalten, die Dorfgemeinschaft stärken, die Bürger für das Vereinsleben interessieren und auf den Prüfstand bringen, was nach ihrer Einschätzung nicht richtig läuft: So lautete das Credo von Bürgermeister Volker Schmitt und dem Beigeordneten Berthold Lauer beim Neujahrsempfang Großsteinhausen.

„Wir wollen das Leben in unserem Ort auch in der Zukunft so gestalten, dass die Bürger gern im Ort leben“, betonte Lauer am Sonntag in seinem Grußwort. Schmitt pflockte anschließend mit Beispielen, Überlegungen und Wünschen dieses gemeinsame Ringen, die Dorfgemeinschaft, den Ort und damit auch die Bürger für das Dorfleben interessant und lebenswert zu machen. Schmitt: „Wir wollen Dorfkinder sein“. An Schwierigkeiten, diesen Anspruch zu realisieren mangelte es weder in der Vergangenheit noch in Zukunft, wie aus den Ansprachen beider Repräsentanten hervorging. Vieles sei angestoßen und auf den Weg gebracht, so der Bürgermeister, welcher stellvertretend dafür die Sanierung der Leichenhallen, das schrittweise Umsetzen der Straßenerneuerungsprogramms oder auch das Verpachten des Gemeindewaldes erwähnte. „Wir bekommen dafür jährlich 4500 Euro, das tut unseren Gemeindefinanzen gut“, sagte der Bürgermeister über den Forst, verschwieg aber nicht, dass der Streit mit dem Land Rheinland-Pfalz zur Rechtsfrage, ob die Gemeinde Kosten ans Land zahlen muss, obwohl von diesem dafür keine Gegenleistung erbracht wird, noch nicht ausgestanden sei. „Wir haben in der ersten Instanz verloren. Doch die entstanden Kosten nebst Zinsen werden uns ersetzt. Für die Gemeinde wird es dadurch keine finanzielle Nachteile geben. Die Mitglieder des Ortsgemeinderates müssen jetzt noch entscheiden, ob wir gegen das Urteil Berufung einlegen. Dennoch, ein Ziel haben wir erreicht. Seit Oktober 2016 ist Großsteinhausen ein eigenes Forstrevier in Rheinland-Pfalz, das Kleinste seiner Art und die Kostensätze für das stundenweise Agieren des Revierleiters wird uns sogar vom Land bezahlt. Hoheitliches Tätigsein wie Genehmigung des Holzeinschlags erfolgt kosten- und gebührenfrei!“

Das Erheben der Grundsteuer, insbesondere das fortwährende Erhöhen, ist seit Jahren ein rotes Tuch für Schmitt, und auch gestern wetterte er dagegen. Aber, hier gebe es gleichfalls Bewegung, wie die höchsten Rechtshüter jetzt erkennen ließen, mit Spannung erwarte er die Antwort der Politik darauf.



Damit Großsteinhausen auch in den kommenden 50 Jahren zukunftsfähig bleibe, sei das Ausweisen von einem kleinen Baugebiet unerlässlich. Um seine Erkenntnisse bildhaft zu verdeutlichen, schlug Volker Schmitt Parallelen zum Dorfverein „Großsteinhausen aktiv“, der setzt sein 25-jähriges Bestehen feiern kann. „Kinder, die damals in den Anfangsjahren den Nikolaus im Ort begrüßten, sind jetzt vielleicht aktive Bauherrn, wollen in der Gemeinde verbleiben, dafür brauchen wir Bauplätze.“

Der Verein selbst habe allein im zurückliegenden Jahrzehnt seine Mitgliederzahl verfünffacht, gestalte das Leben wie der Name verrät aktiv mit und sei auch jetzt bei der Absicht, eine Grillhütte für die Dorfgemeinschaft zu bauen, federführend.

Rund 70 000 Euro teuer ist die stählerne Fluchttreppe beim Kindergarten. In anderen Länder gebe es viel kostengünstigere Lösungen. Die Gegenwart des Landtagsabgeordneten Christoph Gensch nutzte Bürgermeister Schmitt dazu, ihm mit auf den Weg in die Landeshauptstadt zu geben, warum in anderen Bundesländer andere Lösungen zulässig seien und in Rheinland-Pfalz nicht. „Das versteht doch der Bürger nicht und wenn ich nochmals so etwas in der Gemeinde zu lösen habe, dann flippe ich total aus.“

Dass Großsteinhausen für die Zukunft sehr gut aufgestellt sei, würdigten in Grußworten auch Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker und die Kreisbeigeordnete Martina Wagner.