| 22:18 Uhr

Althornbacher „Storchenschnäbbel“ feiern gelungene Theater-Premiere
Wenn die Tante aus dem Kongo kommt

Beim Auftritt der „Storchenschnäbbel“ geht es auf der Bühne heiß her. Hier stehen sich Petra Mohring als Ulla Blaumann (links) und Corinna Licht in der Rolle der Tante Laura (schwarz) gegenüber.
Beim Auftritt der „Storchenschnäbbel“ geht es auf der Bühne heiß her. Hier stehen sich Petra Mohring als Ulla Blaumann (links) und Corinna Licht in der Rolle der Tante Laura (schwarz) gegenüber. FOTO: Norbert Schwarz
Althornbach. Die Althornbacher „Storchenschnäbbel“ überzeugen bei der Premiere ihres neuen Theaterstücks. Von Norbert Schwarz

Ihr mimisches Leistungsvermögend stellten die Laienspieler „Storchenschnäbbel“ bereits mehrfach eindrucksvoll unter Beweis. Bereits längere Zeit ist die Pirminiushalle in Hornbach die Aufführungsstätte für die Ensemblemitglieder. Derweil am Samstag anderenorts vielfach die Narren für im Mittelpunkt standen, sorgten in der Klosterstadt Petra Mohring und Co für grenzenlose Stimmung vor „ausverkauftem Haus“. 200 begeisterte Zuschauer waren bei der Premiere des Lustspiels von Erich Koch „Tante Laura kommt“ Zeugen.

Was sich zu den Proben bereits andeutete, wurde am Samstagabend Wirklichkeit. Mehr als einmal glich die Pirminiushalle einem Tollhaus, gab es vielfachen Szenenapplaus, wischten sich viele der Besucher mehr Aufführungsbesucher mehr als einmal die Lachtränen von den Wangen. Da gab es keine Probleme mit dem Text, saßen Mimik und Gestik, war keine Spur von gekünsteltem Bühnenauftritt. Die Dialoge saßen, die Kostümierung der Mitwirkenden hätte besser nicht sein können und Freude kam nicht allein dann auf, wenn beispielsweise im Schlussakt Idi Kongolus, von allen der Einfachheit wegen nur „Kongo“ gerufen, nur mit einem Bastrock bekleidet, die Spielstätte zum Schamanen­tanz nutzte und damit die Zuschauer zusätzlich begeisterte. Oder, als Kurt Blaumann, vom eingenommen Liebestrank voll enthemmt, über die Postbotin Hedwig, sonst eher Zielscheibe für männliche Abneigung, herfällt und dieser auf der Wohnzimmercouch ungebremste Liebesgefühle in recht eindeutiger Stellung vermittelt.

Im Mittelpunkt des Stücks steht Kurt Blaumann. Der betuchten Tante Laura im entfernten Kongo weiß dieser über Jahre hinweg manchen Geldschein zu entlocken. Mal sind es die Zähne, dann eine Hüftoperation. Sogar die Amputation von Körperteilen wird der Tante im schwarzen Erdteil vorgegaukelt um sie für eine Geldüberweisung zu erweichen. Selbst vor einem Versetzen in den frühen Witwerstand schreckt Kurt Blaumann nicht zurück, was sich später aber noch rächen sollte. 100 000 Euro braucht der Bettelbriefschreiber diesmal um eine Hypothekenrate begleichen zu können. Von dem Geld was vorher floss, ist natürlich nichts mehr da, wurde verjubelt und verzockt. Für ein Enkelkind soll diesmal das Geld sein, doch die Ereignisse im Hause Blaumann überschlagen sich, als sich Tante Laura zu einem Heimatbesuch ansagt und den Häuptlingssohn Idi mitbringt, der sich in Sachen Beschwörungen bei Gebärenden fabelhaft auskennt. Auch Postbotin Hedwig sorgt für viele Lacher – nicht nur, weil sie gierig auf jedwede Geheimnisse ist und dabei auch das Brief- und Postgeheimnis mit Füßen tritt. Mehr noch wegen des Schuldbekenntnisses zum Schluss, selbst auch schon mal Geldscheine aus den Briefen entnommen zu haben.



Corinna Licht überzeugt in der Rolle der Tante Laura, glänzt als Frau des schwarzen Kontinents und vor allem als Erklärende zwischen den Gepflogenheiten in Afrika und den Gebräuchen hierzulande. Temperamentvoll wie immer ist Petra Mohring als Ulla Blaumann an der Seite des Schlendrians Kurt. Mit spitzer Zunge und forschem Auftreten wird den Geschichten ihres Mannes ein Ende bereitet. Mit einem Schlag lässt sie das Lügenhaus zusammenbrechen lässt. Bernd Kipp weiß als Ehegatte Kurt auch voll und ganz zu überzeugen. Die Schlitzohrigkeit ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, und dass der Hieb mit der Bratpfanne auf den Hinterkopf ihn wieder zur Besinnung bringt, verwandelt die Pirminiushalle wieder in ein wahres Tollhaus. Ein Mannsweib wie eh und je, an allen Körperteilen dennoch „richtig Frau“, die Postbotin Hedwig. Manuela Kipp geht in der Rolle auf. Das gilt ebenso für Lisa Lehmann und Melanie Lenz, die mal als Freundinnen fürs Leben und dann sogar als Paar, welches das ersehnte Enkelkind zur Welt bringen soll, damit Kurt Blaumann die 100 000 Euro bekommt, das Bühnengeschehen bereichern. Bliebe noch Moritz Gölzer. Mit athletischem Körper, sonnengebräunter Haut und tadellosen Tanzschritten weiß dieser nicht allein die Zuschauerrinnen in Atem zu halten. Sein deutsch-kongolesisch ist ein zusätzliches Stilmittel für die Bühnenhandlung und sorgt für einige Lacher.

Die „Storchenschnäbbel“ überzeugen voll und ganz mit dem Stück. Wer sie selbst erleben möchte, kann sie auch bei den Gersheimer Theatertagen bewundern.