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Telemedizin
Wenn der Doktor online ins Haus kommt

Besonders Senioren sollen von dem Telemedizin-Pilotprojekt profitieren.
Besonders Senioren sollen von dem Telemedizin-Pilotprojekt profitieren. FOTO: Marius Becker / dpa
Zweibrücken. Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land will die ärztliche Versorgung auf dem Land mit Telemedizin sichern. Von Norbert Rech

Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land will das Pilotprojekt zur Telemedizin nun forcieren. Entsprechende Gespräche mit der Landesregierung und dem Deutschen Roten Kreuz sollen in Kürze erfolgen, informiert Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker (SPD) auf Nachfrage des Pfälzischen Merkur. In der Zukunftswerkstatt des Landes zur Sicherung des ärztlichen Versorgung sei die Idee bereits vorgestellt und erörtert worden. Dabei sollte es darum gehen, die ärztliche Versorgung durch Telemonitoring beziehungsweise ein „Digitales Hausarzt Assistenzsystem für Seniorinnen und Senioren“ zu ergänzen.

Es sollen zu Beginn mehrere Hausarztpraxen und die entsprechend betreuten Senioren mit insgesamt zwanzig Tablets (flache Kleincomputer) ausgestattet werden, wie die Sprecherin des Mainzer Gesundheitsministeriums Stefanie Schneider bestätigt. Diese dienten zur Übermittlung von Vitaldaten an den betreuenden Arzt. Die Projektidee werde vom Ministerium grundsätzlich unterstützt.

Schneider unterstreicht, dass die ambulante ärztliche Versorgung in Rheinland-Pfalz flächendeckend – auch in ländlichen Regionen – sichergestellt sei. Die Erreichbarkeit gerade auch der hausärztlichen Versorgung wäre mit einer durchschnittlichen Entfernung von 1,5 Kilometern bis zur nächsten Hausarztpraxis gut. Allerdings werde es in vielen Regionen schwieriger, frei werdende Arztsitze – besonders Hausarztsitze – zu besetzen. Rund ein Drittel der Ärzte (und 38 Prozent der Hausärzte) sei älter als 59 Jahre und werde daher in absehbarer Zeit ihre Tätigkeit beenden.



„Ziel ist deshalb, junge Ärzte von den vielen positiven Seiten des Hausarztberufs zu überzeugen, sie möglichst auch für eine Tätigkeit im ländlichen Raum zu gewinnen und die Versorgung so zu organisieren, dass sie sowohl den Bedürfnissen der Patienten als auch den geänderten Berufserwartungen möglichst nahekommt“, erklärt Schneider. Unterstützt werde dies auf Landesebene durch entsprechende Maßnahmen, wie der neue Masterplan zur Stärkung der ambulanten ärztlichen Versorgung. Vereinbart mit unseren Partnern wurde wieder ein breites Maßnahmenbündel angefangen bei der Ausbildung über die Fort- und Weiterbildung bis hin zur ärztlichen Berufsausübung.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) arbeiten in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land elf Hausärzte, ein Facharzt und zwei Psychotherapeuten. Die durchschnittliche Entfernung zur nächstgelegenen Hausarzt-Praxis betrage in der Region Zweibrücken 1,6 Kilometer. Der Landesschnitt in Rheinland-Pfalz liegt aktuell bei 1,5 Kilometer. Für Zweibrücken-Land habe sich die Teilnahme an der Zukunftswerkstatt bereits jetzt gelohnt. Das Projekt habe darauf abgezielt, Kommunen dabei zu unterstützen, gemeinsam mit den Akteuren vor Ort Ideen und Maßnahmen zur Sicherung der ärztlichen Versorgung zu entwickeln. „Im zeitlichen Zusammenhang mit dem Werkstattprozess ist es zu einer Praxisgründung in Dellfeld gekommen“, erinnert die Ministeriumssprecherin.