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Serie Bürgermeisterwahl in Zweibrücken-Land
Visionen für das Zweibrücker Land

 Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, Sitz des Bürgermeisters.
Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, Sitz des Bürgermeisters. FOTO: pm / Mathias Schneck
Zweibrücken. Fragen an die Kandidaten Jürgen Gundacker und Björn Bernhard – Teil 1 Von Norbert Rech

(nob) Am 20. Oktober entscheiden die Bürger, wer in den kommenden acht Jahren die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land führt. Zur Wahl stehen Amtsinhaber Jürgen Gundacker (SPD) und Herausforderer Björn Bernhard (CDU). Der Pfälzische Merkur hat die beiden Kandidaten zu ihren Plänen gefragt, sollten sie bei dem mit Spannung erwarteten Urnengang die Nase vorn haben, und druckt die Antworten in zwei Teilen ab. Heute geht es neben Führungsstil, Firmenansiedlungen und Ehrenamt auch um den ÖPNV und die drei Projekte, die auf der Agenda ganz weit vorne stehen sollen.

Welche drei Projekte in der Verbandsgemeinde haben für Sie die größte Priorität?

Jürgen Gundacker Ganz klar, die Schaffung und Sicherung von nachhaltigen Arbeitsplätzen, um dem demographischen Wandel entgegenzuwirken sowie die Entwicklung der Infrastruktur für E-Mobilität, Digitalisierung und Bildung. Das sind echte Herausforderungen und entscheidend für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder.



Björn Bernhard Die Verbandsgemeinde-Werke zum Wirtschaftsbetrieb umbauen. Familienfreundliche Verbandsgemeinde - Betreuung der Grundschüler verbessern -verschiedenen Lebensformen fürs „Alter“ unterstützen. Verbandsgemeindeverwaltung als verlässlicher und starker Dienstleister für unsere Ortsgemeinden und Bürger - mit Stärkung der Ehrenamtlichen und Gründung eines Kindergartenzweckverbandes.

Was ist Ihnen beim Führungsstil wichtig?

Gundacker Ich will ganz offen sein: Der Führungsstil ist mehr als eine Stilfrage. Er ist in der privaten Wirtschaft ein anderer als in öffentlichen Verwaltungen. Das musste auch ich erkennen. Als junger Bürgermeister habe ich sicher bei dem ein oder anderen einmal nachgefasst, wenn ich zu den mir wichtigen Themen und vereinbarten Erledigungsterminen keine Rückmeldungen erhalten habe. Beim einen mag dies Ansprache, beim anderen aber auch befremdlich gewirkt haben. Ich habe erkannt, dass wir viel mehr miteinander reden müssen um gegenseitiges Verständnis zu erzielen. Daher definieren wir innerhalb unserer Verwaltung über alle Hierarchieebenen Sachgebiete, Entscheidungsspielräume und Vertreterregelungen neu. Sie müssen wissen, dass die letzten Arbeitsplatzbeschreibungen aus 1992 stammen. Zur Verbesserung der Kommunikation habe ich wöchentliche Jour Fix Termine mit den Abteilungsleitern, mit dem PR-Vorsitzenden sowie regelmäßige Besprechungen mit allen Abteilungsleitern eingeführt. Das war erst mal was ganz neues für die Beschäftigten. Ich möchte den Mitarbeitern Raum lassen, eigene Ideen zu entwickeln. Ein Mitarbeiter wird auch nicht fallen gelassen, wenn er mal einen Fehler macht. Mir ist wichtig die Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten und Potentialen einzusetzen, aber auch Probleme anzusprechen und Sie gemeinsam zu einer Lösung zu führen.

Bernhard Die Mitarbeiter wertschätzend und auf Augenhöhe führen. Genauso handhabe ich das seit Jahren - mit Erfolg - in meinem Team. Die Gleichwertigkeit aller Mitarbeiter muss selbstverständlich sein, jeder hat Stärken, diese Stärken müssen entdeckt und gefördert werden. Mitarbeiter einbinden um Ideen zu finden und umzusetzen. Freiräume schaffen damit die Arbeit Spaß macht. Hinter allen Entscheidungen die getroffen werden müssen, auch stehen, d.h. verlässlich sein. Den Informationsfluss in den Abteilungen und innerhalb der Verwaltung verbessern.

Was werden Sie für Firmenansiedlungen tun?

Gundacker Die VG bringt 50 Prozent der Fläche in den Flughafenzweckverband ein und spricht dort entscheidend mit. Persönlich ist mir wichtig, dass wir die Empfehlungen der Hochschule Zweibrücken als Querdenker und Ideengeber konsequent nutzen. Mein Fokus bei der Unternehmensansiedlung liegt auf den Branchen E-Mobilität, IT und Dienstleistung. Hierzu werde ich Firmen direkt ansprechen.

Bernhard Es müssen die Voraussetzungen geschaffen werden damit Firmen sich ansiedeln können, deshalb in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Kreises die vorhandenen Gewerbegebiete erschließen, denn ohne geeignete Flächen wird es keine Gewerbeansiedlung geben. Ausloten ob weitere Flächen als Gewerbeflächen geeignet sind. Als Verbandsbürgermeister werde ich Kontakte in die Industrie und zu Gewerbetreibenden suchen und pflegen.

In Zeiten knapper Kassen, sind die Dörfer immer mehr auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Wie wollen sie weitere weitere Menschen für solche Arbeiten gewinnen?

Gundacker Gerade in unseren Dörfern ist das Ehrenamt wichtig und wird von allen Seiten geschätzt! Mir ist wichtig, dass das Ehrenamt mit der Einführung unserer Ehrenamtskarte gewürdigt wird. Die Verwaltung wird dabei weiterhin als verlässlicher Ansprechpartner für Vereine, Verbände und Intuitionen auftreten. Konkret will ich zur Förderung des Ehrenamts einen durch das Land unterstützen „Fachtag“ anbieten. Darüber hinaus werde ich mich im Freiwilligen Feuerwehrwesen für eine finanzielle Anerkennung bei langjährigem Engagement stark machen! Nur durch das Ehrenamt lässt sich die dörfliche Struktur auf Dauer halten und Gemeinschaftssinn leben.

Bernhard Das Ehrenamt ist die Stütze unserer Gesellschaft. Als Vorbild gehe ich hier auch voran. Seit mehr als 27 Jahren bin ich Ehrenamtlich aktiv. Mir sind die Probleme also mehr als bekannt. Gerade in Zeiten knapper Kassen ist es umso wichtiger das Ehrenamt zu fördern und wertzuschätzen. Ich werde den Vereinen eine Seite im Amtsballt zur Verfügung stellen, um ihre Arbeit zu präsentieren. Dort können Personen die hervorragenden Leistungen für unsere Gesellschaft erbringen geehrt werden. Außerdem sollte ein Ehrenamtslotse installiert werden, der bei Fragen, Anträgen und Zuschussmöglichkeiten mit Rat und Tat zur Seite steht. Da die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe für die VG ist, muss sie auch die Verantwortung übernehmen und es ist notwendig diese Tätigkeit finanziell zu würdigen. Eine Bambini-Feuerwehr sehe ich als unbedingt notwendig um rechtzeitig Kinder für die Feuerwehr zu begeistern.

Ohne Auto fehlt zu den meisten Zeiten die Mobilität. Wie kann der ÖPNV verbessert werden?

Gundacker Das Auto ist hier nicht wegzudenken. Gerade, wenn man wie wir auf dem Land lebt, braucht jeder Mobilität. Ich trete daher für ein flächenumspannendes Fahrradnetz ein. Gleichzeitig werde ich mich dafür einsetzen, den ÖPNV stärker dort einzubinden, wo dies altersbedingt notwendig ist. Dazu will ich gezielt über eine Bürgerbefragung den Bedarf bestimmen und neben einer Mitfahrerbörse auch Bürgerbusse einführen. Denn unnötige Leerfahrten bringen keinem etwas!

Bernhard Eine App mit der Möglichkeit einer „Nachbarschaftshilfe“ wäre ein erster Schritt um die Mobilität durch Mitfahrmöglichkeiten zu gewährleisten. Mit dem Ministerpräsidenten des Saarlandes bin ich im Gespräch, über die Ausweitung des ÖPNV über die Landesgrenze hin.

 Amtsinhaber Jürgen Gundacker (SPD)
Amtsinhaber Jürgen Gundacker (SPD) FOTO: Vitali Schulz
 Herausforderer Björn  Bernhard (CDU)
Herausforderer Björn  Bernhard (CDU) FOTO: privat