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Burgi Zahn blickt dem Ruhestand entgegen

Seine Enkel liebt Burgi Zahn über alles.
Seine Enkel liebt Burgi Zahn über alles. FOTO: Norbert Rech
Dietrichingens Tausendsassa will sich mehr um seine Enkel kümmern Von Norbert Rech

Auch ein Tausendsassa wie Burgi Zahn kommt in die Jahre. Der weit über seine Heimatgrenzen bekannte Fischer, Schuhplattler und Spaßvogel will sich künftig vor allem seiner Familie widmen, wie er in einem Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur sagte: „Meine drei Enkel brauchen jetzt ihren Opa.“ Einzig die Fischer im Ort können auf die Mitarbeit ihres Burgis noch zählen. Diese liegen dem 68-Jährigen auch sehr am Herzen, wie er betont. Noch ein bis zwei Jahre will er die Geschicke des rührigen Vereins leiten. Dann soll das Amt des Vorsitzenden ein Jüngerer übernehmen.
Die Fischer zählen derzeit 68 Mitglieder. Ihnen steht eine 1,2 Kilometer lange Strecke an der Trualb zur Verfügung, in der sich unter anderem Bachforellen, Hechte und sogar Aale befinden.
Ein großes Problem verursachten in jüngster Zeit die vielen amerikanischen Signalkrebse, die sich die Laiche der Fische schmecken ließen. „Da vergeht einem fast die Lust. Die Krebse müssen raus in den Kochtopf“, macht Zahn deutlich, dass die Angler hier keine Gnade kennen, wenn es um den Bestand der Fische geht. Deshalb ist er mit seinen Vereinskameraden, bewaffnet mit Reusen, immer wieder dabei, die Trualb von diesen Meerestieren zu befreien.
Besonders stolz ist der Vereinschef auf die „Aktion blau“, bei der vor drei Jahren einige Kiesbetten in die Trualb zwischen dem Kirschbacherhof und der Ortslage von Dietrichingen eingebaut worden sind. 125 000 Euro investierten Land und Kreis in die Maßnahme, mit der die Fische vor der Jagd von anderen Tieren geschützt werden.

Auch seien zehn Wurzelteller aufgestellt und zwölf Raubäume gepflanzt worden, die künftig selbst größere Fische davor schützen, nicht von Fraßfängern aus der Luft gefangen zu werden. Das freut die Mitglieder des Vereins ganz besonders, da sie ihre Bachforellen selbst ziehen, was jede Menge an Arbeit bedeute.
Zahn hofft auch, dass sich in zwei Jahren wieder Jungfischer im Verein finden. Hierfür sei maßgeblich der Jugendwart Frank Becker zuständig, der in seinem Bereich eine exzellente Arbeit vorweisen könne.
Der Vorsitzende ist froh, mit der Ortsgemeinde einen guten Vertrag für das Fischen an der Trualb ausgehandelt zu haben. So verpflichtet sich der Verein, 45 Arbeitsstunden für das Dorf abzuleisten. Dadurch konnten unter anderem schon die Friedhofsmauer saniert und Bänke aufgestellt werden. Einer der Höhepunkte im Vereinsleben ist das Fischerfest, das stets Mitte Juli stattfindet.
Neben den Landfrauen und der Straußjugend seien die Fischer die wenigen, die im Ort für Leben sorgen. Das bedauert Zahn sehr. Denkt er doch an die legendären Zeiten von Elsbeth und Bert mit den Trualbtalern und den riesigen Frühlingsfesten zurück, zu denen immer mehrere tausend Besucher kamen. Damals seien immer viele Einwohner bereit gewesen, bei den Vorbereitungen und bei der Durchführung der Veranstaltungen mitzuhelfen. Das sei heute nicht mehr der Fall. „Der Bezug der Leute zum Ort fehlt einfach“, vermutet Zahn, der sich stets mit Leidenschaft für Dietrichingen eingesetzt hat. ⇥nob