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Kurioser Auftritt vor Gericht
Unschuld beteuert, Urteil akzeptiert

Südwestpfalz. Paar musste sich wegen Einbruch und Diebstahl verantworten.

(sb) Wegen Wohnungseinbruch und Diebstahls musste sich ein 44 und 38 Jahre altes Paar aus dem Landkreis vor dem Pirmasenser Amtsgericht verantworten. Vorgeworfen wurde den beiden ein Einbruch am 18. Juli in der Wohnung des Ex-Lebensgefährten der Frau. Dabei wurde die Wohnungstür aufgehebelt, die Einrichtung verwüstet und Diebesgut im Wert von rund 3 500 Euro entwendet.Für die Frau sah das Gericht keine Tatbeteiligung und sprach sie frei, ihr Partner bekam eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährungszeit sowie 250 Stunden gemeinnützige Arbeit aufgebrummt. Dazu muss der Verurteilte 3 500 Euro für den Schaden zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte angesichts der vielen Vorstrafen auf eine elfmonatige Haftstrafe ohne Bewährung plädiert.

Zudem musste sich der Mann wegen des Besitzes eines Butterfly-Messers verantworten. Den Waffenbesitz gab der Mann sofort zu – und sorgte sogar für eine gewisse Erheiterung: „Wer hat denn kein Butterfly zuhause? Das hat doch jeder daheim.“

Den Einbruch wiesen beide Angeklagte weit von sich. Der arbeitslose Energieanlagenelektroniker, der seit zwei Jahren mit der Mitangeklagten verlobt ist, sagte dass er oft in der Wohnung gewesen sei, nach der Trennung seiner Partnerin von dem Mann habe man mehrfach deren zurückgelassenes Eigentum abgeholt: „Da war doch jedes Mal die Polizei dabei, weil es Stress mit dem gegeben hat. Warum sollten wir bei dem einbrechen, wir hatten doch schon alles, was ihr gehörte.“ Das gestohlene Eigentum habe dem Geschädigten nach der Meinung des Angeklagten überhaupt nicht gehört: „Das hat der sich nach der Haftentlassung einfach alles aus umliegenden Sportheimen geklaut!“



Zur Untermauerung seiner These und zur Verblüffung der Prozessbeteiligten holte der temperamentvolle Mann eine Liste mit Einbrüchen von Dezember 2016 bis Mai 2017 hervor, die er dem Geschädigten anlastete. Dabei waren unter anderem ein Einbruch in den Dahner Pferdehof, in die PWV-Hütte und das Schützenhaus in Dahn-Reichenbach. „Wir waren nicht da an dem Tag“, sagte die Angeklagte, die das Gericht fragte, warum man hätte die Tür aufbrechen sollen, wenn man doch noch den Wohnungsschlüssel  hatte. Ihrer Meinung nach sei ihr Ex-Partner extrem eifersüchtig und wolle sie mit den Vorwürfen belasten.

Der Geschädigte, ein 41-jähriger Dachdecker, sprach im Zeugenstand von einer völlig verwüsteten Wohnung. Unter anderem habe der Einbrecher die Wohnzimmercouch aufgeschlitzt. Zudem sei in der Wohnung herumgespuckt worden. Nicht nur Gebrauchsgegenstände wurden gestohlen, auch private Papiere seien entwendet worden, so der Mann: „Alles war weg!“ Eine DNA-Probe wurde dem Angeklagten, der bereits mehrfach vorbestraft ist und über neun Jahre in Haft saß, zugeordnet.

Nach der Beweisaufnahme stand für die Staatsanwaltschaft fest, dass der Frau keine Beteiligung nachzuweisen war. Die Beschädigungen in der Wohnung würden aber auf eine Beziehungstat hindeuten, auch die DNA-Probe spreche gegen den Angeklagten: „Die Beschädigungen, die blinde Zerstörungswut, sprechen gegen sie. Sie wollten dem Geschädigten neben dem Entwenden der Gegenstände etwas heimzahlen.“ Das ließ der Angeklagte nicht auf sich sitzen: „Bisher hab ich immer zu meinen Taten gestanden! Ich bin unschuldig.“ Trotzdem nahm der Mann das Urteil noch im Gerichtssaal an.