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Vortrag von Tierärztin Elisabeth Venzl in Contwig
Erst die Kenntnis, dann das Tier

 Referentin Elisabeth Venzl wusste viel über die Bedeutung von Körperhaltung oder Mimik bei Tieren zu berichten.
Referentin Elisabeth Venzl wusste viel über die Bedeutung von Körperhaltung oder Mimik bei Tieren zu berichten. FOTO: Cordula von Waldow
Contwig. Auf Einladung der evangelischen Gemeinde Contwig referierte Tierärztin Elisabeth Venzl darüber, wie Tiere kommunizieren. Die Zuhörer lernten Grundlagen der Tierkommunikation und erhielten wertvolle Tipps, wie sie Tiere besser verstehen können. Von Cordula von Waldow

„Unsere Tiere verstehen unsere Kommunikation oft viel besser, als wir ihre“, erklärte Elisabeth Vrenzl. Fast zwei Stunden lang klärte die Tierärztin aus Stambach auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Contwig 17 gespannte Zuhörer über Tierkommunikation auf. Im Rahmen der Serie „Unterwegs mit der Arche Noah“ hatte Pfarrerin Silke Gundacker nach den seit 17 Jahren beliebten Tiergottesdiensten im Sommer jetzt zu einer Vortragsreihe in den Wintermonaten eingeladen.

Die Verantwortung des Menschen für das Wohlergehen ist im Grundgesetz verankert, wenngleich die Interpretation juristisch einen breiten Spielraum erlaubt, etwa die Tötung von männlichen Küken aus Gründen des Profits, gab die engagierte Tiermedizinerin zu bedenken.

Während der Mensch vorzugsweise über Laute kommuniziert, teilt sich ein Tier seinen Artgenossen und auch seinem Menschen vor allem durch seine Körperhaltung, seine Mimik und sein Verhalten mit. „Das nehmen wir oft gar nicht wahr“, benennt Elisabeth Vrenzl eine Ursache für Ratlosigkeit oder Fehlinterpretationen. Sie ermutigt zu Rückfragen bei Fachleuten: „Nutzen sie ihr Handy einmal sinnvoll und drehen sie ein Filmchen. Das erklärt das Verhalten viel besser, als nur ein Bild vom Gesichtsausdruck.“



Am Beispiel von Angsthunden und aggressiven Hunden zeigte sie auf: Mit einem Hund, der zur Kommunikation bereit ist, was er mit seinem Verhalten ja zeige, sei viel besser umzugehen, als etwa mit einem Hund im Jagdfieber. „Der Hund ist dann zu keinem Kontakt mehr fähig, sondern folgt nur noch der Verhaltenskette jagen, niederreißen, töten, fressen. Das ist viel schlimmer als gezeigte Aggression!“.

Ein weiteres Vorurteil sei, dass ein Schwanz wedelnder Hund freundlich gestimmt ist. Elisabeth Venzl erklärte: „Er ist kommunikationsbereit. Doch wie, darüber sagt das Schwanzwedeln nichts aus. Das ist sehr komplex.“

Ganz anders ist das gleiche Verhalten bei Katzen zu deuten: Bewegt eine Katze ihren Schwanz von der einen Seite zur anderen bedeute dies „Hör auf, lass mich in Ruhe“. Dass Katzen beißen oder mit der Krallenpfote auch nach Menschen schlagen, liege daran, dass diese sowohl Räuber als auch Beute seien und den Menschen ebenso betrachten. Katzenbisse seien gefährlich, weil an den Zähnen des Fleischfressers zahllose Bakterien für böse Entzündungen sorgen könnten.

Ganz gleich, um was für ein Haustier es sich handelt – Hund, Katze, Pferd, Nager, Reptil, Fisch oder Vogel –, gilt für die Tierärztin eine Voraussetzung: „Erst die Kenntnis, dann das Tier.“ Viele Tiere seien absolute Gemeinschaftstiere, für die Einzelhaltung Tierquälerei bedeute, zum Beispiel Meerschweinchen.

Besonders begeistert war das Publikum von den praktischen Situationsbeschreibungen: Lachen und Kopfnicken zeigten: Die Tierbesitzer erkannten sich und ihre Lieblinge wieder. So auch Silke Gundacker, die an ihren Foxterrier-Mischling Cosmo dachte. Die Pfarrerin freute sich: „Es waren sehr viele Informationen und ich habe viel gelernt.“

Geduldig beantworte die Tierärztin noch eine Vielzahl an Fragen zu Hund, Katze, Nagern und Fischen. Sie bestätigte: „Fische haben Gefühle und spüren Schmerzen.“ Die Sinnhaftigkeit des Hobbies Sportfischen, bei dem die durch die Angelhaken massiv verletzten Fische vielfach einfach wieder ins Wasser zurück geworfen werden, gelte es zu hinterfragen.

Außerdem gab die Tierärztin den Tierbesitzern wertvolle Tipps mit auf den Weg. Um dessen Bedürfnisse zu erfüllen sei es so wichtig, die „Sprache“ des Tieres zu verstehen und sein Verhalten richtig deuten zu können. Ausführlich erklärte sie, wie sich Angst bei einem Hund reduzieren lässt. Neues, Fremdes, bedeute für jedes Tier grundsätzlich Gefahr und löse Stress aus. Hilfreich sei, sich ihm von der Schmalseite her und damit kleiner zu zeigen. Ein Hut oder eine Mütze verändern die Silhouette, so dass selbst Herrchen und Frauchen nicht erkannt werden. Welpen entwickeln erst nach sechs Wochen Angst, da sie zuvor behütet bei der Mutter verbleiben. Doch dann kann die Hand, die von oben nach dem Halsband des kleinen Hundes greift, um ihn anzuleinen, instinktiv als Raubvogel gedeutet werden. „Ein Brustgeschirr ist da hilfreich“, empfiehlt die Fachfrau. Unsere Hunde verstehen das Wort „Komm!“ nicht. Doch durch Gebärden, wie einladend in die Hocke gehen beim Rufen, dem Hund Futter anbieten, und ihn sofort – innerhalb von ein bis zwei Sekunden – mit einem Leckerli belohnen, bauen Vertrauen auf. Elisabeth Venzl betont: „Angst und Fressen schließen sich aus!“ Und sie beruhigt die Tierhalter: „Der Hund ist seit über 30 000 Jahren der beste Freund des Menschen und an menschliches Verhalten gewöhnt. Unsere Hunde verzeihen uns viel!“