| 20:29 Uhr

Theater in Käshofen
Witzige Weihnachten

 Günther, eigentlich Kandidat für ein Schäferstündchen, ist am Boden. Schwiegermutter Ilse hilft ihm auf.
Günther, eigentlich Kandidat für ein Schäferstündchen, ist am Boden. Schwiegermutter Ilse hilft ihm auf. FOTO: Norbert Schwarz
Käshofen. Das Käshofer Theater-Ensemble feiert Premiere mit „Liebe, Frust und Schwiegermütter“. Von Norbert Schwarz

„Liebe, Frust und Schwiegermütter“, der Titel von Hans Schimmels Beziehungskomödie ist vielversprechend – und das Laienspielensemble der Theatergruppe um Edith Schneider, Karl Hoffmann und Co. wusste die Handlung einmal mehr überaus humorvoll ins Bild zu setzen. Die vielen Zuschauer im restlos besetzten großen Saal des Dorfgemeinschaftshauses dankten nach mehr als 180 Spielminuten mit tosendem Beifall und etlichen Vorhängen.  Traditionell am ersten Feiertag war der Vorhang zur diesjährigen Spielsaison hochgegangen.

 Die Handlung in Kurzfassung. Silberhochzeit darf demnächst Willi feiern. 25 Ehejahre – eine lange Zeit.  Von Knistern im Ehebett ist, das räumt Jubilar Willi offen ein, nur noch wenig zu spüren. Doch das soll sich ändern. Dafür will Freund Paul sorgen, der zeitgemäß eine Anzeige im Internet aufgibt. Was sie dabei nicht wissen: Die angetraute Ehefrau Gisela führt Gleiches mit ihrer Freundin im Schilde, der Ex von Willis Freund Paul. Schmetterlinge im Bauch soll jeder wieder verspüren, doch davon sind beide zunächst meilenweit entfernt. Doch eines ist klar, das Tohuwabohu bei den Eiermanns wird riesig, denn die Anzeige von Gisela und Freundin Waltraud wird im Käshofer Tageblatt samt Anschrift geschaltet. Fortan steht die Klingel dort nicht mehr still, geben sich die Hausfreunde und Lolitas sozusagen die Klinke in die Hand. Das Fass zum Überlaufen bringt dann noch der unangemeldete Besuch von Willis Schwiegermutter Ilse, die von Willi ohnehin nichts hält. Dabei ist Ilse regelrecht auf der Flucht vor einer Sekte aus der Zweibrücker Fußgängerzone, will eigentlich nur Ruhe finden und landet im Chaos, das ein Einbrecher Ede noch locker würzen kann.

Die Rolle des Silberhochzeit-Jubilars erfüllt Klaus Marhöfer mit großartigem Leben. Seine Wutausbrüche wie immer hingebungsvoll köstlich, die Dialoge mit Schwiegermutter Ilse, die Edith Schneider überzeugend zu spielen weiß, nicht zu überbieten. Da dröhnt der Saal vor Lachen, gibt es ein um das andere Mal Szenenapplaus. Pfiffig, mit viel Esprit , Witz und Schlagfertigkeit auch diesmal Karl Hoffmann in der Rolle des Willi, der nicht allein mit guten Ratschlägen diesem zur Seite steht, sondern beim Anmarsch der „Lolitas“ auch schon mal aushelfend einspringen will.



Gisela Eiermann, die besser Ehehälfte von Willi, ist auch im richtigen Leben an dessen Seite, doch auf der Bühne ist davon dann nichts zu spüren, wenn die sich nach allen Regeln der Kunst fetzen und in die Haare kommen. Ihre Freundin Waltraud (Claudia Schmidt) weiß sie darin passend zu unterstützen, zumal die Handlung noch ausreichend Platz dafür bietet, dem eigenen Ex-Ehemann Paul eins überzubraten und an längst vergangene Zeiten zu erinnern.

Großartig Arno Di Liberto, welcher als Bruch Ede zwar leicht ins klassische Wohnzimmer der Eiermanns kam, aber dort nicht allein wegen der viele Türen längere Zeit Gefangener bleibt. Apropos Türen, davon gibt es etliche im Bühnenbild und das Wechselspiel wird deshalb zugleich ein Unterhaltungsspiel für die Zuschauer. Vor allem dann, wenn Kavalier Günter (Andreas Mohrbacher) mit ganzer Körperfülle rein und Einbrecher Ede mit noch einigen Kilo mehr mit schwarzer Körperkleidung und weißem Stirnverband raus will.

Erotisch, aufreizend und gänzlich verruchte Lolita: Ute Hoffmann geht dieses Bühnenwagnis überzeugend ein und verblüfft am Ende damit auch die Zuschauer. Linde Schmidt und Wolfgang Schwenk wissen als „Sektenmitglieder“ dem Spiel und Bühnenbild die passende Würze zu geben und reihen sich wie alle großartig ins Gesamtgefüge ein. Wie immer sorgte Günter Schäfer für ein beeindruckendes Bühnenbild und Ehefrau Erika dafür, das niemand den Faden verlor. Und wer Lust auf ein Wiedersehen mit der Theatertruppe verspürt, am 5. und 12. Januar wird wieder um 20 Uhr im Käshofer DGH gespielt.