| 20:04 Uhr

Afrikanische Schweinepest
„Wir sind gerüstet“

Bei einer Treibjagd in Winterbach wurde am Wochenende zehn Wildschweine zur Strecke gebracht.
Bei einer Treibjagd in Winterbach wurde am Wochenende zehn Wildschweine zur Strecke gebracht. FOTO: Norbert Schwarz
Winterbach. Die Landwirte aus der Region haben sich über die Gefahren der Schweinepest für die Region informiert. Von Norbert Schwarz

Was tun, wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch hierzulande grassiert? Der Leiter der Bezirksgeschäftsstelle für die Nord- und Westpfalz des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Lothar Ohliger, zeichnete beim Informationsabend des Kreisbauernverbandes für die Landwirte aus der Region im Landgasthof „Zum Hannes“ in Winterbach dafür Informationen aus erster Hand. Auf keinen Fall grundlos, denn im grenznahen Belgien sind 167 infizierte Wildschweine zur Strecke gebracht worden. Gerade mal 45 Kilometer von der „grünen Grenze“ nach Deutschland entfernt.

Drei Restriktions-Zonen mit einer Gesamtfläche von 63 000 Hektar richtete daraufhin das Nachbarland ein. Aus Sicherheitsgründen wurden 6000 Hausschweine getötet. Der Frage, wie die Afrikanische Schweinepest aus dem Hauptseuchengebiet im Osten – Polen steht mit 2144 festgestellten Wildschweinen ganz oben an, gefolgt von Litauen (1330) und Rumänien (118) – nach Belgien gekommen sind, seien die Tierseuchenexperten gleichfalls nachgegangen. Derzeit gebe es drei Thesen: Ein weggeworfenes Wurstbrot eines Fernfahrers, das dann von einem Wildschwein gemampft wurde, könnte Auslöser für die Seuche in Belgien gewesen sein. Das belgische Militär, das im östlichen Seuchengebiet geübt hatte, oder infizierte Wildschweine, die bewusst aus dem Osten nach Belgien transportiert waren. Tatsächlich, so Ohliger, habe es es solche Transportegegeben, wie aus Polizeiberichten hervorgehe.

Dass gerade Rheinland-Pfalz und die Region sich allergrößte Sorgen um das Einschleppen der ASP machen müssen, belegt das Zahlenwerk, das Lothar Ohliger auf die Landwand projizierte. Rheinland-Pfalz ist das Bundesland mit der größten Wildschweindichte und liegt in der Skala der Hausschweine ganz am Schluss.



Dass die Jäger inzwischen rührig sind, was das Bejagen der Wildschweine angeht, beweist die Strecke im letzten Jahr. 88650 Wildschweine wurden erlegt, soviel wie nie zuvor, sagte der Geschäftsführer und fügte hinzu, dass es kein Ausruhen geben kann, um einem Seuchenausbruch vorzubeugen.

Eine ständig tagende Sachverständigengruppe, in welcher neben den Tierseuchenexperten auch Vertreter der Jägerschaft, des Forstes, des THW, der Bundeswehr , der Katastropheneinheiten der Landkreise und auch des Landesbetriebs Mobilität ihre Mitarbeiter sitzen haben, pflege verständlicherweise engen Kontakt zu den Verantwortlichen des Mainzer Ministeriums.

Bei einer zweitägigen Übung in Brad Kreuznach sei jetzt der Ernstfall geprobt worden. Der Landkreis Südwestpfalz , welcher ja direkt ans Saarland und Frankreich angrenze, bilde mit dem Landkreis Kaiserslautern und Kusel eine Einheit Die Feuerwache in Kaiserslautern ist die Schaltzentrale am Tag X. Die drei Zonen, bestehend aus Kern-, Gefahren und Pufferzone werden einen Radius von 60 Kilometer haben. Lothar Ohliger: „Aber wo bekommen wir die Manpower her?“ Für den tatsächlichen ASP-Fall im Landkreis sieht Ohliger die Verantwortlichen bundesweit im Fokus. „Alle werden auf uns schauen, der Druck wird groß sein, aber wir sind gerüstet.“

Absperrzäune sind für den Ernstfall bereits geordert. Ein totale Absperrung sei nicht möglich, doch an strategisch wichtigen Stellen, die seien den Jägern bekannt, würden solche Barrieren errichtet werden. Die Erfahrungen aus Tschechien sollen mithelfen, die Afrikanische Schweinepest erfolgreich einzudämmen. Nach den tschechischen Erfahrungswerten sei jetzt auch in Belgien vorgegangen worden. Das Bejagen der Wildschweine müsse dann ohne Wenn und Aber geschehen. Lothar Ohliger. „Die Grundsätze von waidgerechtem Jagen gelten dann nicht mehr, dann gilt es, einer Seuche Herr zu werden.“ In Tschechien sei auch Militär zum Einsatz gekommen.

Und was, wenn bei einem Wildschwein der ASP-Nachweis positiv ist? Der Preisverfall auf dem Schweinemarkt sei nicht aufzuhalten, stellte Geschäftsführer Ohliger fest und verwies auf jahrelang währende Handelsrestriktionen in nationaler Sicht, insbesondere aber auch der EU und Drittländer. Zudem müsse mit einem absoluten Verbringungsverbot für lebende Schweine, Fleisch und Fleischerzeugnisse gerechnet werden. Rinder- und Geflügelhalter seien davon allerdings nicht betroffen.