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Nach der verlorenen Wahl
SPD leckt ihre Wunden und kritisiert Facebook

 Jürgen Gundacker, neben ihm seine Ehefrau Silke Gundacker, war sichtlich betroffen von seiner überraschend klaren Abwahl.
Jürgen Gundacker, neben ihm seine Ehefrau Silke Gundacker, war sichtlich betroffen von seiner überraschend klaren Abwahl. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken-Land. Die Sozialdemokraten in Zweibrücken-Land brauchen noch Zeit, bis sie sich mit der Strategie ab Mitte 2020 befassen. Von Norbert Schwarz

Die SPD-Verantwortlichen in Zweibrücken-Land befinden sich auch zwei Tage nach dem ereignisreichen Wahlsonntag noch immer in Schockstarre. Einfach abschalten, zunächst mal Wunde lecken – und vielleicht in den kommenden Wochen schauen, wie es weitergeht, so der Kommentar allenthalben.

Gesprächsbereit war auf Merkur-Anfrage der Vorsitzende des SPD-Gemeindeverbandes Zweibrücken-Land Jürgen Sauter aus Hornbach gewesen. An die politische Zukunft nach dem Juni 2020 sei überhaupt noch kein Gedanke verschwendet worden, sagte er. Sauter: „Wir befinden uns in einer Art kollektivem Schockzustand. Dieses Wahlergebnis ist so für die SPD nicht vorhersehbar gewesen. Ja, es ist eine gewisse Euphorie vorhanden gewesen. Wir führten einen guten Wahlkampf, Jürgen Gundacker lief sich die Hacken ab und ist überall präsent gewesen. An sowas konnte niemand denken.“ Einen Termin, wann über die politische Arbeit in der neuen Konstellation nach dem Wechsel in der Verwaltungs-Spitze diskutiert werden soll, wurde noch nicht festgelegt. Dazu bestehe im Augenblick auch keine Eile, so Sauter. „Wir werden uns natürlich austauschen, zunächst innerhalb unserer Partei und dann auch mit den Koalitionspartnern.“

Ähnlich die dritte Beigeordnete in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land und langjährige Ortsbürgermeisterin Doris Schindler aus Dellfeld. Zu irgendeinem Kommentar war sie nicht bereit. Allenfalls zu einem Gemütszustand: „Das müssen wir erst einmal sacken lassen. An die Zeit nach Jürgen Gundacker haben wir alle noch nicht gedacht, zu Spekulationen werde ich mich natürlich nicht äußern.“



Die langjährige Ortsbürgermeisterin von Althornbach, Ute Klein, die es immerhin auf 21 Dienstjahre im Ehrenamt brachte meinte: „Ich finde es sehr schade, dass Jürgen Gundacker nicht mehr gewählt wurde. Wir wussten und ahnten, dass einiges am Laufen ist, doch eine solche Entwicklung konnte niemand vorhersehen. Überhaupt, der Wahlkampf zeigte, dass auf unsere Demokratie große Gefahren zukommen. Was in den sozialen Medien abgeht, ist nicht vorstellbar. Da wissen viele überhaupt nicht, worum es geht und schreiben dann in Facebook oder den weiteren Medien munter drauflos.“ Schon während des Wahlkampfes habe sie nur den Kopf geschüttelt „und heute kann ich für mich feststellen, nein, eine solche Art von Kommunalpolitik möchte ich nicht mittragen“. Sie versuche sich zu erklären, was derzeit in unserer Gesellschaft abläuft. „Politiker, auch Kommunalpolitiker werden nur noch schlecht gemacht und niedergetrampelt. Ich habe 21 Jahre das Amt der Ortsbürgermeisterin bekleidet. Nicht immer einfach, aber was derzeit abgeht – Unverständnis und Kopfschütteln.“