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| 20:55 Uhr

Seit Generationen auf der Flucht

Sahir Shibli büffelt zurzeit bis tief in die Nacht die deutsche Sprache. Foto: Ruth Reimertshofer
Sahir Shibli büffelt zurzeit bis tief in die Nacht die deutsche Sprache. Foto: Ruth Reimertshofer FOTO: Ruth Reimertshofer
Käshofen/Zweibrücken. Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute ist es Sahir Shibli aus Syrien. Ruth Reimertshofer

Manchmal verlieren sich seine Gedanken, wenn Sahir Shibli versucht, sich an die lange Geschichte der Verfolgung seiner Familie genau zu erinnern. Der heute 46-jährige Syrer ist endlich in dem Land, von dem er seit vielen Jahren träumte. Mit diesen Gedanken, es geschafft zu haben, in Deutschland angekommen zu sein, findet er sein Lächeln wieder. "Ich hoffe, endlich frei sein zu können, und hier habe ich keine Angst mehr." Seit zwei Monaten Käshofen zugewiesen, besucht Shibli in Zweibrücken mit bereits gutem Erfolg einen Sprachkurs. "Ich will sehr schnell Deutsch lernen und hoffe auf eine Zukunft hier!"

In Deir ez-Zor geboren, einer Großstadt am Euphrat mit fruchtbarem Boden und Zentrum der syrischen Erdölförderung, die heute mitten im vom selbsternannten Islamischen Staat kontrollierten Gebiet Syriens liegt, war Sahir Shibli schon als kleiner Junge mit politischer Unterdrückung und Flucht konfrontiert. "Jeder, der damals nicht der herrschenden Baath-Partei von Hafis al-Assad angehörte oder das Regime kritisierte, wurde verfolgt." So auch sein Vater. Dieser floh zuerst nach Ägypten, kehrte nach Syrien zurück, doch die Verfolgung verstärkte sich und er floh von Neuem.

Ein Jahr lange wusste die zurückgebliebene Familie (Sahir, seine Mutter und die beiden kleineren Geschwister) nicht, wo der Vater sich aufhielt. Nach dem zweiten Grundschuljahr ging es dann plötzlich nach Saudi-Arabien, wohin der Vater die Familie nachholte. Shibli machte sein Abitur und begann danach ein Studium zum Agraringenieur in Belgrad. "Damals hatten die jugoslawischen Universitäten einen sehr guten Ruf bei uns."

Wegen des Bürgerkriegs und des Zerfalls Jugoslawiens kam es zu einem Embargo und die finanzielle Unterstützung seiner Familie konnte ihn immer seltener erreichen. Shibli beschloss, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, heiratete und gründete eine Familie. Als Maler und Parkettverleger arbeitete er, bis ihn auch hier das syrische Regime heimsuchte. Angehörige der syrischen Botschaft drangsalierten und zwangen ihn zu regimetreuen Unterschriften, denn Shibli besaß keinen Aufenthaltstitel und sein Pass war abgelaufen.

"Ich musste deshalb zurück nach Syrien, wo Unterdrückung und Korruption im Land inzwischen noch schlimmer geworden waren. Verhöre durch die Geheimpolizei waren Alltag." Nach zwei Jahren hatte er endlich seinen Pass und es ging zurück in ein Land, das inzwischen zerfallen war und ihm keine wirkliche Heimat . "Nach dem Nato-Angriff auf Serbien fing ich an, daran zu denken, dass ich mich nur in Mitteleuropa noch vor Verfolgung retten kann."

Vorigen Sommer war es dann soweit: Zu Fuß machte Sahir Shibli sich auf den Weg nach Ungarn und von dort ging es nach München, dann Lebach und über Hermeskeil und Birkenfeld zu uns.

Akribisch schreibt Shibli alles auf, was er in der neuen Sprache hört und bis tief in der Nacht sitzt er über Vokabeln und deutscher Grammatik. "Ich warte hier auf meine Chance, denn ich werde nie mehr nach Syrien zurückgehen."