| 20:15 Uhr

Prunksitzung in Hornbach
Seit 25 Jahren außer Rand und Band

 Die Glühwürmchen in ihren fluoreszierenden Kostümen waren ein ganz besonderer Blickfang bei der Hornbacher Prunksitzung.
Die Glühwürmchen in ihren fluoreszierenden Kostümen waren ein ganz besonderer Blickfang bei der Hornbacher Prunksitzung. FOTO: Norbert Schwarz
Hornbach. Glanzvolle Momente erlebten mehr als 300 Besucher der Hornbacher Jubiläums-Prunksitzung, die erstmals vom neuen Präsidenten Volker Baumann geleitet wurde. Von Norbert Schwarz

Was urige und herzerfrischende Narretei angeht, ist die Prunksitzung in Hornbach seit Jahren „allererste Sahne“. Am Samstag stieg in der rappelvollen Pirminiushalle die Jubiläumsprunksitzung. Seit 25 Jahren sind die Klosterstädter Narren „in“. Die vielen Akteure liefen auch diesmal zur Hochform auf, machten es dem neuen Sitzungspräsidenten Volker Baumann bei seiner gelungenen Premiere leicht, das Narrenschiff gekonnt durch die stürmischen Wogen zu steuern.

Mit dem Ohrwurm der bekannten Band „Toten Hosen“ hielt es diesmal der bühnenerfahrene Stadtbürgermeister Reiner Hohn beim großen Finale kurz vor Mitternacht. Treffender hätte diese Jubiläumsprunksitzung nicht ausklingen können als Hohn das „Tage wie diesen“ anstimmte. Wenig später flogen wie auf Kommando mehr als 700 Hände zur Hallendecke, als Hohns musikalische Aufforderung: „Die Hände zum Himmel“ kam. Einmal mehr wussten die zahllosen Bühnen- und Büttenakteure alle Register der närrischen Unterhaltung zu ziehen, sorgten mit Tanzbeiträgen und geschliffenen Wortbeiträgen aus der Bütt dafür, dass die begeisterten Veranstaltungsbesucher kaum Zeit zum Durchatmen hatten. Das Signal kam schon beim Einzug des Elferrates, welcher „tanzend“ im „Genesis-Stil“ beim Einzug für ein erstes Aha-Erlebnis sorgte und somit eine erfolgreiche Weichenstellung vornahm, wie der weitere Verlauf des Jubiläumsprunksitzung beweisen sollte.

Zum Toben brachte einmal mehr Gundi Huber nicht nur ihre große Fangemeinde. Schon der Einzug war ein Blickfang für die „Büttengelbweste“, welche mit viel Feingespür die Unterschiede zwischen den Gelbwestenträger aus dem Nachbarland und in der Klosterstadt herauszuarbeiten wusste und mit ihrem pointierten „Es lebe die Revolution“ das Saalvolk von den Stühlen riss. Flankiert wurde Büttentausendsassa Huber von Albert und Marcel. Die Pauken schlagenden Franzosen waren passende Staffage und fast jeder im Saal feierte mit Gundi Huber vor allem den inzwischen zum Stadtoriginal avancierten „Albeeer“, der sich wie kein anderer vorbildlich in die Stadtgemeinschaft einbringt und als gelebter Europäer von allen mit Hochachtung aufgenommen wird. Weibermix statt Themomix , so das Motto für das Märchen von Aschenputtel, welches Corinna Conrad und Co glänzend in Szene zu setzen wussten.



Verschnaufpausen gab es bei dieser Prunksitzung nicht. Ob beim Line-Dance, dem fetzigen Dialog von Jürgen Conrad als Hornbacher und Gerdi Dahlhauser als Bewohnerin aus Hornbach-Ost (Mauschbach), dem Narrenvolk wurde in jeder Beziehung reichlich närrische Kost geboten. Großartige Farbtupfer ins begeisternde Programm wusste dabei das Jonglage-Quartett mit Matteo an der Spitze ebenso zu setzen, wie die herrlich kostümierten „Glühwürmchen“, die es nicht allein dem später rappenden Sitzungspräsidenten angetan hatten.

Ein Höhepunkt waren auch die TVH-Ballerinen mit ihrem Schautanz als Cowboy und Indianer, „Stadtstreicher“ Christian Dörr schoss sich zur vorgerückten Stunde wieder auf seinen persönlichen Freund, Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker ein und wusste köstlich die hohe Politik aufs Korn zu nehmen. Zum Thema Klimawandel stellte Dörr trocken fest: „Der Klimawandel ist famos, es Gemies im Garte werd riesegroß. Ich hab nix gemerkt, dass die Pole taue – ich han sowieso gedenkt, die würde klaue…! Zurück zum Thema, es werd heiß, die Meere steigen, es riechd nach Schweiß. Mei Fraa springt es habe Joor nackich durch die Bud – de Klimawandel finn ich guud…“ Dem alles setzte zum Abschluss die Feuerwehrband mit passender Livemusik die Krone auf – Stadtbürgermeister Hohn mittendrin, statt nur dabei.