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Kreisausschuss Südwestpfalz
Landkreis wappnet sich gegen Schweinepest

Im Landkreis gibt es etwa 19 000 Hausschweine.
Im Landkreis gibt es etwa 19 000 Hausschweine. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Südwestpfalz. Gemeinsam mit Kusel und Birkenfeld wurde ein „lokales Tierseuchenkrisenzentrum“ eingerichtet. Von Guido Glöckner

Die Afrikanische Schweinepest wurde diese Woche im Kreisausschuss plötzlich das beherrschende Thema: Nachdem erste Fälle in Belgien aufgetaucht sind, wappnet sich die Kreisverwaltung für den Ernstfall, informierte Landrätin Susanne Ganster (CDU). Denn es gelte, mehr als 300 Schweinezüchter mit 19 000 Hausschweine im Kreisgebiet zu schützen. Und plötzlich hat der Kauf eines Tierseuchencontainers samt Dekontaminationsschleuse für zusammen mehr als 65 000 Euro einen ganz aktuelle Bedeutung bekommen.

Grundsätzlich war die Anschaffung des zweiten Containers für Tierseuchenkrisen als rein vorbeugende Maßnahme geplant gewesen. Gemeinsam mit den Landkreisen Kaiserslautern, Kusel und Birkenfeld hat sich der Landkreis Südwestpfalz zu einem „lokalen Tierseuchenkrisenzentrum“ zusammengeschlossen: Die Landkreise helfen sich gegenseitig, wenn in einem Landkreis eine Tierseuche ausbricht. Zu der dafür abgeschlossenen Vereinbarung gehört, dass jeder Landkreis zwei dieser Tierseuchenbekämpfungscontainer anschafft. Weil in der Südwestpfalz bislang nur ein solcher Container vorhanden war, musste der zweite nun bestellt werden. Der Kreisausschuss hat den Kauf einstimmig genehmigt, sodass der Container samt Inhalt nun bei zwei Spezialfirmen in Ramstein-Miesenbach angefertigt werden kann. Wie die Landrätin erklärte, wird die Produktion sogar vorgezogen, um ihn vor der üblichen halbjährigen Wartezeit zu bekommen – denn aus aktuellem Anlass drängt die Zeit.

Und dieser Anlass ist beunruhigend: Zwar ist die Afrikanische Schweinepest schon vor zwei Jahren auf den europäischen Kontinent vorgedrungen, war bislang aber nur in Osteuropa verbreitet. Vergangenen Donnerstag sind nun aber aus Belgien die ersten Fälle gemeldet worden, so die Landrätin – gerade einmal 140 Kilometer Luftlinie von der Südwestpfalz entfernt. Gerüstet sei das Kreisveterinäramt, denn es war nicht die Frage, ob die Afrikanische Schweinepest kommt, sondern wann und über welche Wege. Schon seit den ersten Fällen in Osteuropa gebe es regelmäßige interne Gesprächsrunden mit dem Veterinäramt, um für den Ernstfall gewappnet zu sein, und auch mit Jägern und Landwirten sei ein Meinungsaustausch aufgebaut worden – der nächste runde Tisch finde im November statt. Susanne Ganster: „Alle erforderlichen Maßnahmen sind auf den Weg gebracht, wir haben genug Material und einen Krisenstab.“



Dazu gehört auch der Verbund mit den Nachbarlandkreisen, wenn es um die Bekämpfung von Tierseuchen geht. In dieser Woche war in Kaiserslautern und auf Johanniskreuz eine Tierseuchenübung angesetzt, um den Ernstfall zu proben. Wenn er eintritt, wird derjenige Landkreis die Federführung übernehmen, so die Landrätin, bei dem der erste Seuchenfall gemeldet ist.

Im Landkreis Südwestpfalz gebe es rund 19 000 Hausschweine bei mehr als 300 Tierhaltern, die meisten davon in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, informierte Susanne Ganster. Gefährdet seien die Hausschweine durch Wildschweine, die sich mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert haben – etwa indem sie weggeworfene Wurst- oder Fleischprodukte von osteuropäischen Fernfahrern fressen.

Zwar lebe ein infiziertes Wildschwein nur maximal 48 Stunden weiter, aber der Kadaver werde von seinen Artgenossen gefressen, die ihrerseits die Krankheit weiter übertragen – mitunter auch in die Schweineställe der Landwirte. Diese Übertragungskette gelte es zu stoppen. Für Menschen und andere Haustiere ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich.

Übrigens, wenn der zweite Tierseuchenbekämpfungscontainer fertig ist, muss er zunächst einmal bei der Feuerwehr in Ramstein-Miesenbach zwischengelagert werden. Der Grund: Die neue Halle für Fahrzeuge und Abrollcontainer des Katastrophenschutzes wird bis zu ihrer Fertigstellung noch länger dauern.