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Schulleiter wurde erst nach Merkur-Anfrage von der Verbandsgemeinde-Verwaltung informiert
Ärger über neuen Schimmel-Fall in Contwig

 Die schimmelpilzverdächtige Holzplatte, wohl aus der Grundschule Contwig, fotografierte Elternsprecher Markus Heinrichs in einem Container in Dellfeld.
Die schimmelpilzverdächtige Holzplatte, wohl aus der Grundschule Contwig, fotografierte Elternsprecher Markus Heinrichs in einem Container in Dellfeld. FOTO: Markus Heinrichs
Zweibrücken/Contwig. Elternsprecher und Schulleiter der Grundschule Contwig sind entsetzt: Der für Montag geplante Umzug der 1c in ihren von Schimmel gereinigten Klassenraum ist geplatzt – wegen eines neuen Schimmel-Verdachts in einem Nachbarraum. Darüber habe die Verbandsgemeinde-Verwaltung sie nicht informiert – trotz des Transparenz-Versprechens von Bürgermeister Jürgen Gundacker. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

„Wenn Probleme da sind, muss man die natürlich beheben und nichts zutünchen.“ Das hatte Jürgen Gundacker, Bürgermeister von Zweibrücken-Land, im August dem Merkur gesagt, als Eltern der Verbandsgemeinde-Verwaltung vorwarfen, Hinweise auf Feuchtigkeitsschäden an der Grundschule Contwig lange nicht ernst genug genommen zu haben. Gundacker (SPD) versprach mehrfach Offenheit und Dialog, berief einen Runden Tisch ein, die Gesundheit der Kinder liege ihm am Herzen. Deshalb werde der wegen des Funds gefährlicher Schimmelpilz-Sporen nach einer Generalsanierung direkt zu Schuljahresbeginn gesperrte 1c-Klassenraum erst dann bezogen, wenn jegliche Gesundheitsgefahr auszuschließen sei (wir berichteten mehrfach).

Doch jetzt gibt es erneut Vorwürfe, die VG-Verwaltung übertünche Probleme. Für Freitagmorgen hatten Schulleiter Peter Schmidt, Elternsprecher Markus Heinrichs und die stellvertretende 1c-Elternsprecherin Nadine Brinette einen Termin vereinbart, um den Umzug der Klasse 1c von ihrem Ausweichquartier am Grundschulstandort Stambach in ihren eigentlichen Klassenraum am Standort Contwig für kommenden Montag oder Dienstag zu organisieren. Doch wenige Minuten vor dem Gespräch wurde ihnen von einem Informanten zugetragen, dass es ein erneutes Schimmelproblem gebe – direkt neben dem 1c-Saal in einem zur Heizung führenden Raum.

„Ich habe den Umzug abgesagt, nachdem ich mich selbst vergewissert habe, dass da Schimmel ist“, berichtete Schulleiter Schmidt auf Merkur-Anfrage. Er sei „entsetzt“. Und das nicht nur wegen des Schimmels, sondern auch des Umgangs damit: „Mich ärgert, dass es die Verwaltung nicht für nötig befunden hat, mich über das Problem zu informieren. Die Eltern fühlen sich mittlerweile auch vereiert.“ Zweifel an der Glaubwürdigkeit auch früherer Aussagen könne er deshalb gut nachvollziehen. Bis zu dem Telefonat mit dem Merkur gegen 12.30 Uhr habe er auch vergeblich versucht, durch eigene Anrufe Auskunft von der Verwaltung zu bekommen.



Später schrieb Schmidt dann in einer E-Mail an Lehrer und Eltern, die Schule sei „heute offiziell um 13.13 Uhr per E-Mail informiert“ worden“. Der Schulleiter schreibt weiter: „Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wo die Befallgrenze durch Schimmel verläuft. Leider konnte am Nachmittag in der Verwaltung niemand mehr erreicht werden. Bitte entscheiden Sie selbst, ob Sie Ihr Kind am Montag zur Schule schicken, wir werden ggf. das Fehlen entschuldigen. Bitte rufen Sie wie üblich in der Schule an. Der Ganztagsbetrieb und der Unterricht in Stambach sind davon nicht betroffen. Am Montag ist dann hoffentlich eine kompetente Auskunft zu erwarten.“

Zuerst hatte am Freitag gegen 11.45 Uhr Vize-Klassenelternsprecherin Nadine Brinette den Merkur angerufen, um über das neue Problem zu berichten. Nach ihren Informationen habe die VG-Verwaltung versucht, in dem Nebenraum Schimmel zu entfernen, neu zu streichen „und Stillschweigen darüber zu bewahren – die wollten das vertuschen“. Schul-Elternsprecher Markus Heinrichs habe Fotos von einer schimmligen Platte gemacht.

Heinrichs berichtete auf Merkur-Anfrage, der Nebenraum sei am Freitag offensichtlich frisch gestrichen gewesen, das habe man auch gerochen (was Rektor Schmidt dem Merkur bestätigt). Doch hinter dem frischen Anstrich kämen schon wieder „brauen Flecken“ hervor, wie Heinrichs auch fotografisch dokumentiert hat. Schwarze Flecken, wahrscheinlich Schimmel, seien auch auf einer Holzleimplattenverkleidung zu finden, die nach seinen zuverlässigen Informationen aus diesem Raum stammten. An einem Holzcontainer in Dellfeld, wohin die Platten gebracht worden seien, habe er Fotos davon gemacht und größere Bruchstücke mitgenommen, um sie analysieren zu lassen. Heinrichs ist empört: „Da macht man zwei Runde Tische, gefühlt fünf Millionen E-Mails gehen hin und her – und dann wird wieder versucht, heimlich schnell etwas wegzustreichen!“

Er und eine weitere Elternvertreterin hätten um 11.30 Uhr beziehungsweise 11 Uhr das Kreisgesundheitsamt über das neue Schimmel-Problem informiert.

Verbandsbürgermeister Gundacker war am Freitag auch für den Merkur nicht erreichbar, allerdings sein Zentralabteilungsleiter: Karl-Heinz Brügel erklärt, man habe den Nebenraum am Donnerstag „durch den Hausmeister aufräumen und renovieren lassen“. Die Nachfrage, ob und warum dabei gestrichen wurde, sei am späten Freitagmittag nicht mehr zu klären. Jedenfalls habe „der Hausmeister Holzplatten hochgehoben und nach seiner Meinung Schimmel entdeckt“. Die VG-Verwaltung habe daraufhin „die notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet“: Der Hausmeister habe Boden, Wände und Decken gereinigt. Dafür habe man keine Fachfirma benötigt: „Wir wussten ja, wie’s geht.“ Um auf Nummer sicher zu gehen, habe die Verwaltung „gleich das Ingenieurbüro Marx verständigt“, das bereits wegen des früheren Schimmel-Falls in der Schule Messungen durchgeführt hatte, „die kommen am Montag“.

Warum wurden Elternvertreter und Schulleiter nicht über das neue Problem informiert? Brügel antwortete: „Das hat keinen Grund. Das ist nur der Zeit geschuldet.“ Ob die in Dellfeld gefundene schimmlige Holzpalette aus der Schule stammt, kann Brügel nicht sagen, bestätigt aber: „Es wurde belastetes Material aus dem Gebäude entfernt.“

Wann genau am Freitag die Verbandsgemeinde-Verwaltung das Gesundheitsamt informiert hat, konnte Brügel ebenfalls nicht mehr in Erfahrung bringen. Wie der Pfälzische Merkur aus der Kreisverwaltung erfahren hat, ging die E-Mail der VG-Verwaltung erst nach 13 Uhr beim dortigen Gesundheitsamt ein – und damit deutlich später als die Information durch die Eltern. Und auch erst nach der Merkur-Anfrage an die VG-Verwaltung.

Gelöst ist mittlerweile das Ende September aufgetretene Asbest-Problem an der Grundschule Contwig: Sowohl Schulleiter Schmidt als auch Elternsprecher Heinrichs loben hier auf Merkur-Nachfrage die schnelle und professionelle Reaktion der VG-Verwaltung.

 Unter dem mutmaßlich frischen Anstrich in dem Raum neben der Klasse 1c sind schon wieder braune Flecken sichtbar.
Unter dem mutmaßlich frischen Anstrich in dem Raum neben der Klasse 1c sind schon wieder braune Flecken sichtbar. FOTO: Markus Heinrichs