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Auch andere Optionen werden geprüft, ebenso Zusammenlegung der drei ersten Klassen
Schimmel: Findet Grundschule Asyl im Rathaus?

 Schon vor der Sperrung durch die Verbandsgemeindeverwaltung hatte der Schulleiter den Eltern freigestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Viele von ihnen kamen am Montag zu einer kleinen Demo vors Schulgebäude (wir berichteten).
Schon vor der Sperrung durch die Verbandsgemeindeverwaltung hatte der Schulleiter den Eltern freigestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Viele von ihnen kamen am Montag zu einer kleinen Demo vors Schulgebäude (wir berichteten). FOTO: Norbert Schwarz
Contwig/Zweibrücken. Schulstandort Contwig bleibt mindestens zwei Wochen geschlossen. Teilweise ersetzen Ausflüge ins Dynamikum den Unterricht.

Voraussichtlich Ende nächster Woche werden die Ergebnisse der neuen Raumluftmessungen in der Grundschule Contwig vorliegen. Das hat die Verbandsgemeinde (VG) Zweibrücken-Land am Dienstag mitgeteilt. Nach dem Schimmel-Fund an einer auf dem Boden unter einem Regal liegenden Holzplatte vergangenen Donnerstag (wir berichteten) hatte die VG-Verwaltung ein Fachingenieurbüro beauftragt, am Schulstandort an der Maßweiler Straße in Contwig auf Schimmelsporen zu kontrollieren. Nach der Messung im Untergeschoss am Montag seien am Dienstag auch Messungen im Erdgeschoss erfolgt.

„Bis zum messtechnischen Nachweis einer gesundheitlichen Unbedenklichkeit hat der Schulträger vorsichtshalber das Schulgebäude für eine komplette Nutzung vorübergehend gesperrt“, erinnert die VG-Verwaltung (wir berichteten). „In Absprache mit der Schulleitung wird mit Hochdruck nach einer Lösung zur zeitweiligen Unterbringung der Schülerinnen und Schüler in anderen Gebäuden gesucht.“

In dieser Woche werde täglich eine andere Klassenstufe das Dynamikum in Pirmasens besuchen. „Damit können die restlichen Klassen im Schulgebäude in Stambach unterrichtet werden.“ Contwigs Ortsbürgermeister Karl Heinz Bärmann habe angeboten, das Rathaus in Contwig für Unterrichtszwecke zur Verfügung zu stellen. „Hierfür bedarf es aber noch einer Abstimmung mit den Fachbehörden (z. B. Unfallkasse Rheinland-Pfalz)“, schreibt die VG. „Weiterhin wurde Kontakt mit den anderen Grundschulen und dem Landkreis als Schulträger der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig aufgenommen. Geprüft wird auch eine Unterbringung im Grundschulgebäude in Althornbach.“ Zusätzlich werde gerade im im Schulgebäude der Grundschule Contwig im Ortsteil Stambach der bisherige Computerraum in einen Klassenraum umfunktioniert. „Eine kurzfristige Zusammenlegung der ersten Klassen wird durch die Schulleitung in Abstimmung mit der ADD geprüft.“ Die ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier) ist die Schulaufsichtsbehörde.



„Ebenfalls wird die Verwaltung einen unabhängigen Bausachverständigen mit einer Überprüfung des Gebäudes beauftragen und daran die Maßnahmen zur weiteren Vorgehensweise ableiten“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Schulelternsprecher Markus Heinrichs teilte am Abend dem Merkur mit, dass die Unfallkasse bereits informiert habe, dass dass einer Nutzung des Rathauses Contwig von Seiten der Unfallkasse nichts entgegen stehe. „Ich denke, dass eine Unterbringung in Contwig die für alle Beteiligten beste und kostengünstigste Variante darstellt, und kann mir auch nicht vorstellen, was nach Freigabe der Unfallkasse dagegen sprechen könnte. Dies würden die Eltern sicherlich sehr begrüßen“, schreibt Heinrichs.

Der Schulelternsprecher sieht aber auch neuen Anlass zur Kritik. Zwei weitere Elternvertreter hätten „während der Luftprobenentnahme durch das Labor Marx am Montag im Untergeschoss hinter dem Gebäude einen verschlossenen, durchsichtigen Müllbeutel mit einem Teilstück einer schwarzbehafteten Holzplatte gesehen“ – hier wolle er wissen, „woher im Gebäude dieses offensichtliche Probenstück entnommen wurde“.

Zudem hätten Elternvertreter am Dienstagmorgen „mit Befremden gesehen, das im Erdgeschoss des Schulgebäudes im WC-Bereich ein Fenster geöffnet war.“ Laut einer Mitteilung der VG-Verwaltung „dürfte eigentlich vor einer Luftmessung dies nicht passieren“. Die Eltern legten nach den Erfahrungen der vergangenen Monate „sehr viel Wert auf die Einhaltung der Messbedingungen“, schreibt Heinrichs. „Wie beim Runden Tisch angesprochen, ist es aus unserer Sicht auch nicht förderlich für einen transparenten Umgang, diese Probenentnahmen immer so im Geheimen durchzuführen. Das am Montag Eltern anwesend waren, ist dem Umstand geschuldet, das wir regelmäßig nachgeschaut haben, wann nun jemand da ist, um vielleicht mal dabeizusein und bewerten zu können, was hier passiert.“

Das Beauftragen eines Sachverständigen (wovon er aus der Presse erfahren habe) begrüße der Schulelternbeirat sehr. „Wir weisen nur der Form halber daraufhin, dass wir davon ausgehen, dass es sich um einen amtlich anerkannten Sachverständigen oder Baubiologen handelt und wir natürlich, wie beim Runden Tisch 2 vorgesehen, transparent über den Beauftragten und insbesondere über die Begehungen durch ihn im Gebäude unterrichtet werden. Wie diese ständigen Luftmessungen wirklich zu bewerten sind, ist ausführlich auf den Seiten des Umweltbundesamt nachzuvollziehen. Daher finden wir den Lösungsvorschlag mit dem Sachverständigen gut. Der Schulelternbeirat hegt nun die große Hoffnung, dass vielleicht nun endlich die versprochene Transparenz und die besprochenen Meldewege eingehalten werden.

(lf)