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„Wiesenmahd“ bedroht Rehkitze
Rehkitze leben bald wieder gefährlich

Erntemaschinen können für Rehe, die sich zwischen den hohen Halmen verbergen, tödlich sein.
Erntemaschinen können für Rehe, die sich zwischen den hohen Halmen verbergen, tödlich sein. FOTO: Julian Stratenschulte / dpa
Reifenberg. Ferdinand Hüther setzt einen „Rehkitz-Retter“ ein. Denn: bis zu 25 Prozent der Kitze erleiden den Mähtod. Von Peter Fromann

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Und auf den Wiesen wachsen die Gräser in die Höhe. Es ist eine schöne Zeit. Doch in Kürze stehen die ersten Wiesenmahd-Termine an. Und dadurch kann es für viele Tiere jetzt überaus gefährlich werden, weil die Brut- und Setzzeiten vielfach mit den Ernteterminen zusammenfallen.

„So dass während der Mahd Rehkitze, junge Feldhasen, Rebhühner und andere Wildtiere, die sich im hohen Gras verstecken, durch Mähmaschinen verletzt oder gar getötet werden können“, sagt der Jäger und Naturfreund Ferdinand Hüther. Wie hoch die Verluste bei den Wildtieren tatsächlich sind, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, schätzungsweise sterben aber 20 bis 25 Prozent der geborenen Kitze den Mähtod. Dies sehen Landwirte und natürlich auch Jäger mit sorgenvoller Miene. Wie kann hier mit Tierschutzmaßnahmen Abhilfe geschaffen werden? „Diese verpflichten nämlich laut Paragraf 17 TierSchG und laut Paragraf 1 BJagdG die betroffenen Personen zu geeigneten Maßnahmen“, betont Hüther. Über den Tierschutz hinaus berge der Mähtod in der Folge auch Gefahren für die Rinderhaltung. Denn werde Heu oder Silage, die durch die Tierkadaver eventuell kontaminiert sind, als Futtermittel für die Nutztiere eingesetzt, könne es zu schweren Krankheiten wie Botulismus führen.

„Durch eine Sendung im Fernsehen wurde ich auf ein Vorsorgegerät aufmerksam – den Rehkitz-Retter. Sein Einsatz ist sehr wirkungsvoll bei der Vergrämung der Tiere durch optische und akustische Signale“ sagt Hüther. Die Maschine führe nicht zu einem Gewöhnungseffekt beim Wildtier, sei einfach zu handhaben und nicht abhängig vom Mähzeitpunkt, da er mehrere Tage effektiv wirksam sei. „Deshalb habe ich mich entschlossen, an zwei ‚Hotspots’ in meinem Revier diese neue Technik zum Einsatz zu bringen. Im letzten Jahr hatte ich drei tote Kitze zu beklagen. Deshalb möchte ich nichts unversucht lassen, solche Unfälle zu vermeiden. Für mich als langjährigem Jäger löst der Anblick eines ausgemähten Rehkitzes einer tagelang suchenden Rehgeiss immer wieder große Betroffenheit aus“. Er habe die betroffenen Landwirte persönlich informiert und dabei eine erfreulicherweise „große Resonanz“ festgestellt.



Aber auch die sonstigen Wildtiere brauchen während der Brut- und Aufzugzeit Schutz und Ruhe. Bei groben Störungen könnten Elterntiere sogar den Nachwuchs verlassen oder die Fütterung einstellen. „Rebhuhnküken sind beispielsweise sehr auf die wärmende Obhut der Rebhuhnhenne angewiesen, denn bei niedrigen Temperaturen ist das alleingelassene Küken lediglich wenige Minuten überlebensfähig“. Bei Wildschweinmüttern sei sogar erhöhte Vorsicht geboten, denn glauben sie ihren Nachwuchs in Gefahr, blasen sie mitunter zum Angriff. „Daher kann ich nur an alle Naturfreunde appellieren, sich rücksichtsvoll zu verhalten und vor allem in den Morgen- und Abendstunden nur die vorgegebenen Wege zu benutzen. Und Hunde sollten unbedingt im direkten Einflussbereich des Menschen bleiben“. Denn in jedem Hund stecke noch ein wenig Wolf. Würden in ihm Jagdinstinkt oder Neugier geweckt, vergesse er unweigerlich die besten Manieren.

Jäger und Naturfreund Ferdinand Hüther vor Ort beim Aufbau des ersten „Rehkitz-Retters“.
Jäger und Naturfreund Ferdinand Hüther vor Ort beim Aufbau des ersten „Rehkitz-Retters“. FOTO: Margarete Lehmann