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Landgericht Zweibrücken verhandelt versuchten Totschlag
Er soll aus Angst vor Prügel seinen Mieter angeschossen haben

FOTO: Mathias Schneck
Zweibrücken/Kleinbundenbach. Von Rainer Ulm

Offenbar war es die ihn seit Monaten plagende Angst vor möglichen Handgreiflichkeiten seines Mieters, die den 59-jährigen passionierten Jäger schließlich zur Pistole greifen ließ. Darauf deuteten zumindest die Aussagen von Nachbarn, einem Freund und Polizeibeamten hin, die am Montag vor der Ersten Strafkammer des Zweibrücker Landgerichts zu Wort kamen.

Der gelernte Koch hatte dem 31-Jährigen, dem er in seinem Haus in Kleinbundenbach die Dachgeschosswohnung vermietet hatte, am Abend des 14. Juli 2019, es war ein Sonntag, auf offener Straße mit seiner Pistole durch dessen Handgelenk in die Hüfte geschossen. Der 59-Jährige hielt sich gerade bei einem Nachbarn auf, als sein Mieter, dem er inzwischen die Wohnung gekündigt hatte, wieder einmal schimpfend auf ihn zustürmte. Doch noch ehe der junge hoch gewachsene Mann ihn erreichen konnte, schoss er – „in einer Art Kurzschlussreaktion“, wie es sein Verteidiger, der Saarbrücker Rechtsanwalt Marius Müller, ausdrückte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-Jährigen versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Sie legt ihm laut Anklageschrift zur Last, im Sommer vergangenen Jahres, „ohne rechtfertigenden oder entschuldigenden Grund mit einer Pistole aus Hüfthöhe und ohne zu zielen“ auf den 31-Jährigen geschossen und ihn dabei schwer verletzt zu haben.



Zunächst gaben zwei 65- und 83-jährige Zeuginnen, die im Nachbarhaus wohnen, zu Protokoll, immer mal wieder heftigen Streit von nebenan gehört zu haben – mal zwischen dem Mieter und seiner Ehefrau, die gemeinsam in die Dachgeschosswohnung eingezogen war, mal zwischen dem Mieter und dem Eigentümer, der sein Schlafquartier im Keller seines Hauses aufgeschlagen hatte. Die 65-Jährige will nur wenige Tage vor der Bluttat gehört haben, wie der 31-Jährige den 59-Jährigen anschrie: „Ich mach’ dich fertig!“ Das bestätigte auch die 83-jährige Nachbarin. Demnach soll der Vermieter dem 31-Jährigen mehrmals erwidert haben: „Dann zieh doch aus!“ Ein anderer Nachbar berichtete, dass der 59-Jährige jüngst bei ihm Rat gesucht habe, weil ihn sein Mieter ihn wieder und wieder mit Worten wie „Ich hau dich um!“ und „Ich krieg dich!“ bedrohe und provoziere. Der 43-Jährige will ihm daraufhin zu einem Anwalt und einer Anzeige bei der Polizei geraten haben. Auch einem 57-jährigen Kleinbundenbacher soll der Hauseigentümer die Angst vor seinem Mieter anvertraut, sogar eine Überwachungskamera und einen Monitor an seinem Bett installiert haben, wie der Freund jetzt aussagte.

Auch die von dem 59-jährigen Schützen selbst per Notruf herbeigerufenen Polizeibeamten gaben am Montag im Zeugenstand an, dass er bereits während seiner Festnahme, gefragt nach dem Tatmotiv, angegeben habe, von seinem Mieter seit Monaten bedroht worden zu sein. Allerdings habe er seinerzeit auch gesagt, er würde „das (offenbar die Tötung seines Mieters) noch zu Ende bringen, wenn er das jetzt nicht schaffen würde“, berichtete ein 34-jähriger Beamter der Polizeiinspektion Zweibrücken.

Die Verhandlung wird am Montag, 22. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt.