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Corona-Virus
Nicht auf erste Einschläge warten

Südwestpfalz. Gesundheitsamt und Verwaltung informieren über Sachstand rund um Coronavirus. Von Erik Stegner

Eine volle Breitseite an Informationen hält das für Pirmasens, Zweibrücken und den Landkreis Südwestpfalz zuständige Gesundheitsamt für die Bürger der Region bereit. Das versprachen gestern Landrätin Susanne Ganster, Oberbürgermeister Markus Zwick und der Zweibrücker Bürgermeister Christian Gaul, die am Freitag in der Kreisverwaltung eine erste Bilanz zu den Auswirkungen des Coronaviruses zogen. Informationen zur Krankheit, Tipps und Ratschläge zum richtigen Verhalten in der Öffentlichkeit, hatte Dr. Heinz Ulrich Koch, der Leiter des Gesundheitsamtes, im Gepäck. Er warnte eindringlich vor Panikmache.Ganster erklärte, dass es bisher keinen bestätigten Fall einer Corona-Erkrankung in der Region gibt. „Wir wollen aber nicht warten bis die ersten Einschläge kommen, sondern sind für alle Fälle vorbereitet“, betonte sie. Auch Notfallpläne, die bei einer unverhältnismäßigen Zunahme in der nächsten Stufe zum Einsatz kämen, lägen fix und fertig in der Schublade. „Unser oberstes Gebot für die Bürger lautet: absolute Transparenz“, versicherte die Landrätin.

Koch warnte mehrmals vor Panikmache. Eine solche könne mehr Schaden als die Krankheit anrichten. Fakt sei, dass es sich zwar um einen neuen Erreger (Covid-19) handle, dessen Ursprung wahrscheinlich im Tierreich liege. Diese Tatsache sei aber nichts ungewöhnliches. Auch bei vorhandenen Viren und der Influenza (Grippe) seien solche Übertragungswege bekannt.

Aufgrund der in China mit dem Coronavirus gesammelten Erkenntnisse geht er in den kommenden Wochen und Monaten von einer überschaubaren Menge an Erkrankungen in der Südwestpfalz aus. Als Beispiel nannte er die chinesische Region um Wuhan, in der rund 60 Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt wurden. Davon seien lediglich 90 000 Menschen an dem Virus erkrankt, was einem Anteil von 0,3 Prozent entspreche. Als ähnlich gering schätzt der Mediziner das von ihm aufgestellte Szenarion für den Krankheitsverlauf in unserer Region ein. Bedeutend höher seien die Fälle von Influenza, was in der Öffentlichkeit in den Hintergrund rücke, kritisierte Koch.



Solch harten Corona-Maßnahmen wie in China schließt er in Deutschland aus. Trotz der Quarantäne habe sich das Virus auch in anderen chinesischen Regionen verbreitet. Vielmehr liege es an jedem Bürger selbst, sich durch einfache Maßnahmen wie gründliches Händewaschen und eine Armlänge Abstand zum Nebenmann, zu schützen. Schutzmasken werden nicht empfohlen. Die Entwicklung eines Impfstoffes werde noch bis zu sieben Monaten dauern, erklärte Koch.

Susanne Ganster gab einen Überblick zur Lage. Im Pirmasenser Krankenhaus sei eine Frau mit Symptomen nach einer Reise negativ getestet worden. Gleiches gelte für einen Soldaten der Bundeswehr in der Niederauerbach Kaserne in Zweibrücken. Eine Frau aus Dahn sei aus Norditalien zurück gekommen, bei ihr sei am Donnerstag ein Test veranlasst worden, noch gebe es keinen Befund. Solange müsse sie in häuslicher Quarantäne bleiben. Negative Ergebnisse gab es bei Verdachtsfällen in Wallhalben und Zweibrücken Aus Rodalben ist kein Fall bekannt.

Die Person aus Pirmasens, die vor einer Woche mit einem Erkrankten aus Kaiserslautern in Kontakt gestanden habe, müsse noch bis zum 11. März zuhause bleiben. Bisher sei keine Krankheit aufgetreten. Bei weiter positivem Verlauf werde die Quarantäne aufgehoben, berichtete Ganster. In diesem Zusammenhang machte sie darauf aufmerksam, dass – wenn eine Quarantäne-Situation auftrete – die Versorgung der Personen geregelt sei. Dies geschehe durch die Familie, Nachbarschaftshilfe, oder Hilfsorganisationen. Dazu gebe es Absprachen mit der Verwaltung.

Als Vorsichtsmaßnahme wurde ein Schüleraustausch des Hugo-Ball-Gymnasiums mit einer Schule aus Norditalien abgesagt, der am 26. März beginnen sollte. Eine grundsätzliche Empfehlung zur Absage von Veranstaltungen gebe es nicht. „Wir haben die Sportlerehrung des Landkreises bewusst am Donnerstag durchgeführt, da die Teilnehmer aus der Region kamen und es sich bei überwiegend jungen Leute um keine Risikogruppe handelt.“

Anders sehe es bei der Absage des Bauernmarktes in Rumbach aus. Dort wären viele Menschen aus anderen Regionen und aus Frankreich zu erwarten gewesen. Darunter auch ältere Menschen, für die das Virus gefährlicher sei, sagte Ganster.

Der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick bezeichnete es als enorm wichtig, dass die Bürger Informationen aus verlässlichen und nicht aus fragwürdigen Quellen erhalten. Der Zweibrücker Bürgermeister Christian Gauf erklärte in Vertretung für den Oberbürgermeister Marold Wosnitza: „Es ist gut, dass wir uns frühzeitig zusammengesetzt und diesen Maßnahmenkatalog besprochen und aufgestellt haben.“