| 23:32 Uhr

Waldrefugium
Neuer Urwald vor den Toren der Stadt

Mauschbach legt eine große Waldflächen still und schafft so für viele Tiere ein „Waldrefugium“. Von links Bürgermeister Bernard Krippleben, Beigeordneter Dieter Neufang und rechts Revierförster Daniel Rolland.
Mauschbach legt eine große Waldflächen still und schafft so für viele Tiere ein „Waldrefugium“. Von links Bürgermeister Bernard Krippleben, Beigeordneter Dieter Neufang und rechts Revierförster Daniel Rolland. FOTO: Norbert Schwarz
Mauschbach. 6200 Quadratmeter Wald bei Mauschbach am Fußweg nach Zweibrücken wird 30 Jahre sich selbst überlassen. Von Norbert Schwarz

Am „Alten Stadtweg“, der kürzesten fußläufigen Verbindung zwischen Mauschbach und Zweibrücken am Rande des Flugplatzes und unweit des Naturschutzgebietes Monbijou oberhalb von Dietrichingen, hat die Ortsgemeinde Mauschbach zusammen mit Revierförster Daniel Rolland die Weichen für ein „Waldrefugium“ gestellt: Auf 6200 Quadratmetern Fläche bleibt der Wald sich 30 Jahre lang selbst überlassen.

Das Entstehen eines kleinen „Urwaldes“ in diesem Refugium, das jetzt sichtbar mit rotweißen Eichenpfosten markiert ist, sei durchaus möglich, erklären die verantwortlichen Verfahrensbeteiligten. „Wir als Gemeinde haben jedenfalls erfolgreich die Weichen dafür gestellt, dass diese Schutzmaßnahme passend zur Natur ist. Dem Magerkalkbodenrasen, dem Orchideengebiet, den schon im Waldrefugium heimischen Fledermäusen und Eulen, wie sie der Nabu bereits gesichtet und aufgelistet hat“, zählt Mauschbachs Ortsbürgermeister Bernhard Krippleben auf. Und Revierförster  Rolland bezeichnet die Flächenstilllegung durch die Gemeinde, worum es sich letzten Endes handelt, als einen durchaus effektiven ökologischen Umweltbeitrag Mauschbachs. Die Flächengröße dabei einfach mal außer Acht gelassen.

Rolland kündigt an: „Es wird im Waldrefugium auf 30 Jahre absolut keine Bewirtschaftung stattfinden. Wir haben jetzt schon um das Kerngebiet einen entsprechenden Schutzstreifen gezogen. Der Wald soll sich hier selbst überlassen sein. Ja, der Vergleich mit einem kleinen Nationalpark hinkt keineswegs, es ist ein Waldrefugium nach BAT.“ Die drei Großbuchstaben stehen dabei nicht als Abkürzung für „Bundes-Angestellten-Tarif“, wie mancher auf den ersten Blick vielleicht fälschlich vermutet. Nein, BAT steht für Biotop- Alt- und Totholz. Biotop-Gruppenbäume kennzeichnet der Rolland in seinem Försteralltag immer wieder mit den „weißen Wellen“ an den entsprechend Baumgruppen, die im Idealfall 15 Bäume umfassen und auch im jetzt ausgepflockten Waldrefugium schon vorhanden waren.



Für ein Waldrefugium sei nicht jede Fläche geeignet, erklärt Rolland im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur. Der ausgewiesene Bereich im Schmalscheidwald erfülle jedoch sämtliche Refugiumsvoraussetzungen.

Die faktische Flächenstilllegung ist für Mauschbach kein finanzieller Verlust, wie Bürgermeister Krippleben schlüssig darlegt. Vielmehr hat die Ortsgemeinde sogar einem mittelständischen Betrieb Schützenhilfe zur Erweiterung geleistet. Das Unternehmen konnte nämlich seine Produktionsstätte nur deshalb erweitern, weil sie die Waldfläche als Stilllegungsfläche anbot. In einem notariellen Vertrag wurde alle Details geregelt. Mit der Einmal-Pachtzinszahlung (auf besagte 30 Jahre berechnet) konnte die Gemeinde Mauschbach weitere Waldflächen aus der Flugplatz-Insolvenzmasse kaufen.

Für Spaziergänger, welche auf dem „Alten Stadtweg“ zwischen Mauschbach und Zweibrücken weiterhin die Natur in vollen Zügen genießen wollen, bestehen keine Gefahren, ist Revierförster Rolland überzeugt. „Im Waldteilstück wird in etlichen Jahren halt alles etwas unaufgeräumt aussehen, was ja Absicht ist.“ Darüber werden sich neben den Fledermäusen und Eulen auch viele Siebenschläfer, unterschiedlichsten Käferarten oder höhlenbrütende Vogelarten freuen, sagt Rolland.