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Sensibilisierung von Schülern
„Nein, ich geh’ nicht mit!“

Rund 20 Dellfelder Schulkinder bekamen gezeigt, wie man sich in bedrohlichen Situationen zur Wehr setzen kann.
Rund 20 Dellfelder Schulkinder bekamen gezeigt, wie man sich in bedrohlichen Situationen zur Wehr setzen kann. FOTO: Cordula von Waldow / cvw
Dellfeld. Auf Einladung der Kreisjugendpflege Südwestpfalz wurden fast 20 Dellfelder Schüler im sicheren Umgang mit Fremden geschult. Von Cordula von Waldow

„Halt – Stopp“ schrien fast 20 Kinder am Samstagmittag in der Dellfelder Schulturnhalle und rissen ihre Hände in blockierender Abwehrhaltung hoch. Zwei Tage lang hatten die Acht- bis Zwölfjährigen bei der Aktion „Nein, ich geh’ nicht mit!“ auf Einladung der Kreisjugendpflege Südwestpfalz gelernt, wie sie sich in unangenehmen, bedrohlichen Situationen wirkungsvoll wehren und daraus befreien können. Am Freitag hatte Kreisjugendpflegerin Jessica Stadler anhand einer Buchgeschichte die theoretischen Grundlagen mit ihnen erarbeitet. „Wie kann ich in einer solchen Situation reagieren“, erfuhren die Kinder. Sie wurden ermutigt, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen, etwa, wenn sich ihnen eine unbekannte Person näherte.

Laut „Stopp“ schreien und die Hände abwehrend heben, ist das erste, weithin sichtbare Signal. Aber auch „Hilfe“ rufen oder „das ist nicht mein Papa“, sollte jemand Fremdes sie an der Hand packen und mit sich ziehen. „Dann wissen Passanten, dass da etwa nicht stimmt“, erläuterte Jessica Stadler. Sie erklärte den Kindern, dass ihre Eltern niemals eine unbekannte Person mit einer wichtigen Nachricht zu ihnen schicken würden. „Vereinbart ein Passwort, das nur Ihr und Eure Eltern kennt“, empfahl die Kreisjugendpflegerin. Die Kinder erfuhren, wann sie nein sagen dürfen und wann nicht. „Nicht, wenn Mama sagt ‚Zähneputzen‘ erklärte July Hoffmann (8). Dafür jedoch, wenn die Tante das Kind abküssen will. Außerdem lernten die Kinder aus dem Landkreis den Unterschied zwischen einem „guten und einem schlechten“ Geheimnis kennen. Sie hatten sichtlich Spaß an den praktischen Übungen, die Michelle Martis und Sifu Jan Frenzel von der Kampfschule Wing Tsun Kuen in Rodalben mit ihnen trainierten. Lisa Triller erinnerte sich: „Wir haben Spiele gemacht, die mit Kampfsport zu tun haben.“

 „Wir haben gelernt, wie wir uns befreien“, berichtete Felicitas Höhl (9). „Und wie wir uns verteidigen“, ergänzte Nele Marie Freyler. Am besten gefiel den Mädchen die Ohrfeige, die sie einem zudringlichen Menschen verpassen dürfen. Die Schüler demonstrierten, wie sie sich mit schnellen Drehbewegungen befreien, wenn jemand ihre Handgelenke fasst. „Ich schaffe gerne Assoziationen“, erklärte Michelle Martis. „Jetzt Scheibenwischer“, forderte sie einen Jungen auf, der ihr sofort mit beiden Armen die Hände aus dem Weg schlug, die ihn packen wollten. Eindeutig war, dass auch Kleinere und Schwächere mit einer gezielten Technik und lauter Stimme gute Chancen haben, sich zu wehren und zu befreien.



Zum Abschluss übten die Kinder das sinnvolle Fallen. Schildkröte heißt die Übung, bei der sie Kopf und Beine anziehen und den Rücken rund machen, wenn sie rückwärts auf den Boden fallen. „Viele Mädchen reiten. Auch da ist diese Technik hilfreich“, betont die Ausbilderin. Kommt ein Angreifer von vorne, kann er so blitzschnell im Wechsel gegen die Kniescheiben getreten werden. „Was mache ich, wenn ich alles verpasst habe?“, fragte Michelle Martis und zählte die verschiedenen Situationen auf, „und wenn ich dann unter dem Angreifer auf dem Rücken liege und er schon fast auf mir sitzt?“ Wie aus der Pistole geschossen, rief es vielstimmig die Antwort: „Zappeln!“ Das hilft im Notfall immer, gaben die Ausbilder den Kindern noch einmal mit.

So, wie dieser erste Termin, ist auch der Folgetermin mit Andreas Schröder in Heltersberg am kommenden Wochenende bereits ausgebucht. Da dieses Pilotprojekt so gut angenommen wird, werden weitere Termine folgen, versprach die Kreisjugendpflegerin.