| 20:08 Uhr

Musikverein St. Michael Bechhofen
Abwechslungsreich und vielfältig

 Zu den Höhepunkten gehörten die Soli von Sängerin Stephanie Ernst.
Zu den Höhepunkten gehörten die Soli von Sängerin Stephanie Ernst. FOTO: Cordula von Waldow
Bechhofen. Der Musikverein St. Michael Bechhofen präsentierte in der voll besetzten evangelische Kirche St. Michael das „etwas andere“ Adventskonzert.

Schmissige Klänge im Big-Band-Sound füllten am Samstagabend die voll besetzte evangelische Kirche St. Michael in Bechhofen. Der gleichnamige Musikverein mit vielen jungen Musikern, wie etwa dem erst 17-jährigen Gitarristen Timo, lud zu seinem traditionellen Konzert vor Weihnachten. Dabei erlebten die Besucher das „etwas andere“ Adventskonzert, denn die 21 Musiker kombinierten traditionelle und moderne Weihnachtstitel vornehmlich mit Klassikern und Evergreens aus Jazz, Pop, Film und Big-Band-Literatur.

Eingepackt in die Geschichte des herumreisenden Santa Claus, moderierte Saxophonistin Kerstin Wrobel den Abend mit hilfreichen Informationen zu den gespielten Titeln, eingebettet in eine wohltuende Vorweihnachtsstimmung.

Abwechslungsreich und vielfältig gestalteten sich sowohl die Liedauswahl in ihrer Abfolge, als auch die Arrangements von Dirigent Stephan Bäsel. Zu den Höhepunkten zählten die Auftritte von Sängerin Stephanie Ernst. Die kraftvolle, klare und modulierfähige Jazz-Stimme der jungen Contwigerin passte perfekt zu dem Sound der jungen Holz- und Blechbläser. Besonders ihre drängenden, lautmalerischen Crescendi berühren zutiefst. Ihre Interpretation von „Can you feel the love tonight“ aus dem viel zitierten Musical „König der Löwen“ etwa bescherte einzigartige Gänsehautmomente.



Ungewöhnlich für ein Weihnachtskonzert waren auch Zitate aus James-Bond-Filmen wie „Skyfall“, mit denen Band und Sängerin eine dramatische Spannung erzeugten. Kontrastreiche Stimmung zu den zahlreichen Titeln rund um die Liebe schuf etwa die „Seven Nation Army“ der White Stripes.

Wohltuend war das Arrangement zu dem „wohl meist gespielten und am meisten nervenden Weihnachtslied“ (Kerstin Wrobel): „Last Chrismas“. Nach der treffenden mundartlichen Übersetzung: „Letzte Weihnacht hab‘ ich Dir mein Herz geschenkt und schon einen Tag später hast du es einfach weitergegeben“, dominierten die Begleitstimmen mit ihrer vornehmlich rhythmischen Untermalung, während die Melodie eher zurückhaltend war. Mit jedem Titel stellte Kerstin Wrobel in der dunklen, lediglich hinter dem Orchester stimmungsvoll beleuchteten Kirche neue Instrumentalisten vor. Viele von ihnen kommen aus der weiten Region, zwei Damen sogar aus Thaleischweiler-Fröschen. Mit ihren Erklärungen lenkte die Moderatorin geschickt die Aufmerksamkeit der Zuhörer selbst in bekannten Titeln auf Unterstimmen oder die Ausmalung bestimmter Elemente.

Wissen schafft Erlebnis und so ließen sich die wellenförmigen Klarinettenläufe in „Beyond the sea“ aus dem Film „Findet Nemo“, Glöckchen bei der Schlittenfahrt in „Jingle Bells“ oder die schwebenden Schneeflöckchen in „Let it snow“ gut nachempfinden.

Bevor der Verein sein begeistert klatschendes Publikum endgültig in das stürmisch-nasse „Winterwonderland“ entließ, überraschte der zweite Vereinsvorsitzende, Thomas Schwegel, der in schottischer Tracht Amazing Grace auf dem Dudelsack interpretierte. Dazu passte perfekt „Highland Cathedral“ als Zugabe. „Es war sehr schön und sehr abwechslungsreich“, lobten Silvia und Jürgen Schmidt aus Bechhofen. Im Anschluss nahmen die meisten Besucher die Einladung zum gemeinsamen Umtrunk, organisiert vom Förderverein, im Gemeinderaum an.