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Pilotprojekt
Mehr biologische Vielfalt auf dem Acker

Auf dem noch tristen Acker wächst bald eine biologische Vielfalt. Landwirt Rolf Lehmann (Heidelbinger Hof) zusammen mit den Unterstützern Fried-Achim Kiffmeyer, Gerhard Herz (beide Nabu Zweibrücken), Arno Sprau (Naturschutzbehörde Landkreis Südwestpfalz), Birgit Grohmann und Gerhard Andreas (beide Daniel-Theysohn-Stiftung) (von links).
Auf dem noch tristen Acker wächst bald eine biologische Vielfalt. Landwirt Rolf Lehmann (Heidelbinger Hof) zusammen mit den Unterstützern Fried-Achim Kiffmeyer, Gerhard Herz (beide Nabu Zweibrücken), Arno Sprau (Naturschutzbehörde Landkreis Südwestpfalz), Birgit Grohmann und Gerhard Andreas (beide Daniel-Theysohn-Stiftung) (von links). FOTO: Jan Rio Krause
Contwig. Mit einem Modellprojekt wollen die Daniel-Theysohn-Stiftung, die untere Naturschutzbehörde, der Nabu-Zweibrücken und der Landwirt Rolf Lehmann dem Artensterben begegnen. Von Fritz Schäfer

„Der Rückgang der Insekten ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen. Dieses Sterben ist eine der großen Katastrophen für unser Ökosystem“, warnt der frühere, langjährige Vorsitzende des Zweibrücker Nabu, Gerhard Herz. „Wir müssen jetzt dran gehen, den Schalter umzulegen.“

Das gemeinsame Modellprojekt der Daniel-Theysohn-Stifung, der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, des Nabu-Zweibrücken und des Landwirts Rolf Lehmann vom Heidelbingerhof sei „ein starkes Zeichen“ (Herz) zur nachhaltigen Erhöhung des Artenreichtums auf Ackerflächen. „Das ist zwar nur eine relativ kleine Fläche. Aber es ist ein Anfang“, merkt der stellvertretende Nabu-Vorsitzende, Fried-Achim Kiffmeyer, an.

Auf zwei Flächen auf der Gemarkung Contwig von zusammen rund 5,8 Hektar werden rund zwölf Meter breite Blühstreifen angelegt. Dabei werden sowohl einjährige wie auch mehrjährige Pflanzen ausgesät, erklärt Arno Sprau von der Naturschutzbehörde des Kreises. Der Rest bleibt als Brachstreifen liegen. Wobei in einem Feld die Wintergerste stehen bleibt. „Wir schauen, wie sich das entwickelt“, sagt Lehmann. Dazu wird ein Teil noch mit zehn sogenannten Lerchenfeldern bewirtschaftet.



Finanziert wird das auf fünf Jahre angelegte Pilotprojekt von der in Ludwigswinkel beheimateten Daniel-Theysohn-Stiftung. Die Stiftung geht von Kosten zwischen 30 000 und 40 000 Euro aus. „Der Naturschutz gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Stifung“, sagt der Vorstandsvorsitzende, Gerhard Andreas. In dem Sinne seien in der Vergangenheit schon viele Projekte gefördert worden.

„Wir wollten bei diesem Projekt aber nicht nur Finanzier sein, sondern selbst tätig werden“, erklärt Andreas. Allerdings habe die Stiftung nicht die Leute, um das zu bewerkstelligen. Deshalb habe die Stiftung mit dem Nabu-Zweibrücken, der Naturschutzbehörde und dem Landwirt „ideale“ Kooperationspartner gefunden. Der Kreis ist für die Organisation und der Nabu für die begleitende Untersuchung zuständig. „Und wir haben uns auch bewusst für einen konventionell wirtschafteten Landwirt als Partner entschieden“, betont Andreas.

Der habe auch zugestimmt, um zu zeigen, dass „im Kleinen Naturschutz und Landwirtschaft zusammengeht“, meint Lehmann. Herz betont bei dem Termin auf dem Feld die Bedeutung der blühenden Randstreifen an den Äckern. „Das ist ein vernetztes System, das funktionieren muss, um der Katastrophe zu begegnen.“ Den von Herz angesprochenen Rückgang belegt der Biologe der Kreisverwaltung mit Zahlen: Seit den 70 Jahren sei die Zahl der Schmetterlinge um 80 Prozent, die der Kleininsekten um 95 Prozent zurückgegangen. Dabei erwähnt Sprau die Beobachtung bei Autofahrten. „Früher kamen die Scheibenwischer nicht mehr nach, um die toten Insekten zu beseitigen. Heute ist da nichts.“ Und wenn dann die Insekten sterben, folgen die Vögel, verdeutlicht Herz, dass alles zusammenhänge. Andreas hofft, dass mit dem Projekt dem Artenverlust entgegengewirkt wird. Wobei sich laut Herz und Sprau nach dem Modellprojekt mit 5,8 Hektar und fünf Jahren weitere anschließen. „Ich werde mal mit der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz reden, ob wir nicht aus den Windpark-Ausgleichszahlungen Geld für noch mehr und länger angelegte Projekte bekommen können“, kündig Sprau an.