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20-jährige Pfarrerstochter
Mauschbacherin auf Mission in Kamerun

 Ruth Günther aus Mauschbach hat etliche traditionelle Kleider und auch eine Tasche in den Landesfarben aus Kamerun mitgebracht.
Ruth Günther aus Mauschbach hat etliche traditionelle Kleider und auch eine Tasche in den Landesfarben aus Kamerun mitgebracht. FOTO: Cordula von Waldow
Mauschbach. Ruth Günther hat einen zehnmonatigen Freiwilligendienst in Afrika absolviert. Von Cordula von Waldow

„Wann kommst Du wieder?“ Diese Frage bekam die Mauschbacherin Ruth Günther von ihren Gastgeschwistern gestellt, als sie nach zehn Monaten  Freiwilligendienst die Familie in Kamerun wieder verließ. Im Rahmen der Evangelischen Mission in Solidarität EMS war die 20-jährige Pfarrerstochter den Spuren ihrer drei Jahre älteren Schwester Eva gefolgt, die vor vier Jahren in Bolivien war. Da Ruth Günthers Traumziele Philippinen oder Togo nicht zur Auswahl standen, entschied sie sich für Kamerun. Ihre Motivation: „Ich wollte Französisch sprechen.“ In Kamerun sind die Hauptsprachen Englisch und Französisch. Von einer Tante, die dort einige Zeit gelebt hat, erfuhr sie ebenso Wissenswertes, wie in einem Vorbereitungsseminar der EMS.

Wichtige gesellschaftliche Normen, Gebote und vor allem „No-Go‘s“, die kamerunische Lebenskultur und das doch von unserem sehr verschiedene Frauenbild lernte die Freiwillige bei ihrer Gastfamilie kennen. Obwohl sie in einem christlichen Umfeld lebte, waren urtümliche Einflüsse deutlich spürbar. Außerdem wurde sie von ihrer Gastmutter mit den landestypischen Kleidern ausstaffiert. Zehn Monate mit demselben, deutschen Abendkleid zum Sonntagsgottesdienst geht gar nicht. Frauen dürfen zwar mindestens knielange Hosen zu bestimmten Gelegenheiten tragen, jedoch auf keinen Fall beim Treffen mit evangelischen Jugendgruppen. „Das ist zu sexy“, wundert sich Ruth Günther, dass knalleng sitzende Röcke dafür als schicklich gelten. „Man gewöhnt sich an Vieles“, lacht sie. An die Dauerhitze, an eng anliegende, schwarze Samtkleider mit dreiviertellangen Ärmel bei Temperaturen an die 30 Grad, an das doch sehr fremde Essen. „Zum Schluss mochte ich Veles wirklich gerne, bis auf eins der traditionellen Dorfgerichte“, erklärt die Afrikareisende.

Zwei Monate lang arbeitete sie in einem sehr guten, recht gut ausgestatteten Krankenhaus mit guten Hygienestandards. Im Bereich der Augenklinik lernte und arbeitete sie sich vom Blutdruck und Augendruck messen hoch bis in den OP. In einem Kindergarten mit angegliederter Grundschule betreute sie vorwiegend Zwei- bis Vierjährige. Sie berichtet: „Dort fehlt es an Material, nicht für jedes Kind gab es Papier und Buntstifte. Deshalb wurde versucht die Zwei- bis Vierjährigen zu unterrichten, zum Besipiel in Englisch, Französisch und Lebenskunde.  Ab dem halben Vormittag waren sie sich zum freien Spielen mit wenigen Spielsachen selbst überlassen, im Schulhaus, denn es war ihnen noch nicht erlaubt, im Schulhof zusammen mit den Älteren zu spielen.“



Nicht wirklich gewöhnen konnte sich die 20-jährige Pfälzerin daher an den Lärm. Sie berichtet: „Kamerun ist ein sehr lautes Land. Mehr Menschen leben auf weniger Wohnraum als bei uns. Ich war eine der einzigen , die in einem Bett alleine schlafen durfte, im Zimmer mit meinen zwei Gastschwestern.“

So zog sie sich nach dem Tag in der Klinik oder später im Kindergarten nach der Heimkehr zunächst in ihr ruhiges Zimmer zurück, bevor sie am Familienleben teilnahm. In Kamerun hingegen steht die Familie im Mittelpunkt. Stets sind alle zusammen, bereiten gemeinsam das Essen vor, schauen gemeinsam in den Fernseher, der den ganzen Tag über läuft. In der Gastfamilie waren dies die Eltern, fünf eigene Kinder, drei Adoptivkinder, zwei Angstellte und einige andere junge und alte Familienmitglieder, die immer wieder zu Besuch kamen oder über die Semesterferien dort wohnten.

Gemeinsam mit der deutschen Freiwilligen Johanna Körner (19) erkundete Ruth Günther auch andere Teile des Landes und verbrachte einige Zeit in der Hauptstadt Yaoundé. Freizeit, spazieren gehen oder wandern rund um das hoch gelegene Dorf , in dem sie wohnte, gilt in Kamerun als sinnlose Zeitverschwendung.

Und doch zieht es sie mit ihrer zwei Jahre gültigen Aufenthaltserlaubnis wieder zurück dorthin. „Ich vermisse meine Gastfamilie“, sagt sie, der Abschied sei mit einem lachenden und einem weinenden Auge allen sehr nahe gegangen. Das Zusammensein mit der Familie, wenn es allen gut ging und alle glücklich waren, zählt für sie zu den wertvollsten Erfahrungen. Interessant war auch der Besuch ihrer Mutter Suse. Ruth war fasziniert von den beiden Welten, die aufeinander prallten. Ein spektakulärer Höhepunkt ihres Aufenthaltes in Kamerun war der Kaiserschnitt, den sie wunschgemäß miterleben durfte. „Ich werde Hebamme“, erklärt sie. Nach ihrer Rückkehr aus Kamerun absolvierte sie ein vierwöchiges Praktikum bei einer Hebamme in Zweibrücken und beginnt im Oktober ihre Ausbildung.