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Kurt Pirmann greift mit Wehmut nach OB-Posten

Kurt Pirmann (r.) lässt sich im Gasthaus "Zur Alten Scheune" einen Fischsalat schmecken. Merkur-Redakteur Gerrit Dauelsberg bevorzugt Jägerschnitzel. Foto: Wille
Kurt Pirmann (r.) lässt sich im Gasthaus "Zur Alten Scheune" einen Fischsalat schmecken. Merkur-Redakteur Gerrit Dauelsberg bevorzugt Jägerschnitzel. Foto: Wille
Zweibrücken. "Schreiben Sie nicht zu gut über ihn", sagt die Frau im Gasthaus zur Alten Scheune in Oberauerbach. Dort hat sich Kurt Pirmann zum Merkur-Gespräch eingefunden und wartet auf sein Essen - Fischsalat. Es ist eine paradoxe Situation, denn die Frau scheint keine Pirmann-Gegnerin zu sein - im Gegenteil: "Wir wollen ihn gern behalten Von Merkur-Redakteur Gerrit Dauelsberg

Zweibrücken. "Schreiben Sie nicht zu gut über ihn", sagt die Frau im Gasthaus zur Alten Scheune in Oberauerbach. Dort hat sich Kurt Pirmann zum Merkur-Gespräch eingefunden und wartet auf sein Essen - Fischsalat. Es ist eine paradoxe Situation, denn die Frau scheint keine Pirmann-Gegnerin zu sein - im Gegenteil: "Wir wollen ihn gern behalten." Die Frau wohnt in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, wo Pirmann seit 2009 Bürgermeister ist. Wird er am 4. September zum Oberbürgermeister von Zweibrücken gewählt, müsste er sein bisheriges Amt aufgeben."Die Verbandsgemeinde ist mein Lebenswerk", sagt Pirmann. Würde er gewählt, wäre ein auch ein wenig Wehmut dabei. Doch was treibt ihn dann, das alles aufzugeben? "Ich sehe deutlich mehr Chancen für Zweibrücken als im Moment genutzt werden." Gerne würde er etwas bewegen, will zum Beispiel seine vielfältigen Kontakte für neue Firmen-Ansiedlungen nutzen. Auch möchte er frischen Wind in die Verwaltung bringen: "Wir sind nicht da um 'nein' zu sagen. In meinem Haus wird nicht geprüft, ob ein Projekt geht, sondern wie es funktionieren kann." Pirmann verweist auf seine Erfolge als Verbandsbürgermeister.

Das ist für einen Wahlkämpfer nichts Ungewöhnliches. Doch im Falle Pirmann lässt sich nicht abstreiten, dass seine Arbeit von den Bürgern geschätzt wird - das zeigt nicht nur die Episode im Gasthaus: 2009 wurde er mit 74,5 Prozent wiedergewählt. Selbst sein Konkurrent, Amtsinhaber Helmut Reichling, bezeichnet den SPD-Mann als "King im Landkreis". Das ist allerdings ein vergiftetes Lob, sagt Pirmann: Als "Mann vom Dorf" wolle der OB ihn darstellen. Dagegen spiele sich Reichling selbst als "Mann von Welt" auf.

Pirmann hält sich bislang aber ansonsten auffallend zurück mit Angriffen auf den Amtsinhaber. "Das ist noch nicht nötig", sagt er. Überhaupt wolle er keinen "Schmutzwahlkampf". Er habe ein vernünftiges Verhältnis zu Reichling, der für ihn seit kurzem Helmut ist. "Er hat mir als der Ältere von uns beiden auf dem Stadtfest das 'Du' angeboten."



Doch ob nun Helmut oder Dr. Reichling - an Pirmanns Zielsetzung ändert das nichts: Er würde den OB nur zu gern aus dem Amt kegeln. Und als erfahrener Wahlkämpfer versteht er es, seine Stärken herauszustellen, ohne zu überziehen: Er sei verlässlich, zielstrebig, bodenständig - dabei aber nicht blind vor Ehrgeiz, sagt Pirmann über sich selbst. Und: "Ich bin ein Vollblut-Politiker". Er sieht es als Vor- und nicht als Nachteil an, dass er im Gegensatz zu Reichling ein Parteien-Kandidat ist: "Wenn ich in Mainz bin, brauche ich mich dort nicht vorzustellen." Und: "Es schadet nicht, in die Meinungsbildung einer Partei eingebunden zu sein."

Doch was würde sich für ihn in seiner Arbeit ändern, wenn er denn gewählt wird? "Ich könnte mich mehr auf eine einzige Gebietskörperschaft konzentrieren." Bislang sei er ja für 17 Verbandsgemeinden verantwortlich. An seiner Arbeitsbelastung würde sich für ihn wahrscheinlich nichts ändern, glaubt Pirmann. Schon jetzt arbeite er zwölf bis 14 Stunden am Tag - sechs Tage die Woche. Da sei es besonders wichtig, abschalten zu können: "Das habe ich im Laufe der Jahre lernen müssen", sagt Pirmann, der in Dellfeld als Hobby-Landwirt tätig ist.

Gelassenheit legt er auch in Hinblick auf die Wahl an den Tag: Ob er bei einer Niederlage weich fallen würde? "Nein, ich würde gar nicht fallen", sagt er. Und ganz nebenbei würde er der Frau aus dem Gasthaus "Zur Alten Scheune" mit einer Wahl-Niederlage eine Freude machen.

pfaelzischer-merkur.de/

oberbuergermeisterwahl2011

"Die Verbands-

gemeinde ist mein Lebenswerk."

Kurt Pirmann

Zur Person

Kurt Pirmann wurde 1955 in Zweibrücken geboren. Von 1970 bis 1973 machte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser bei John Deere. Später wurde Pirmann Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks in Pirmasens, seit 1992 ist er Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. gda