| 20:28 Uhr

Gemeindehaus Althornbach
Grenzenlose Freiheit für die Südwest-Saar-Pfalz

 Es wirkten mit (v.l.) Felix Holzhauser (Gesang, Klavier, Gitarre, Akkordeon), Hannah Neumann (Gesang, Violine, Klavier), Thomas Benn  (Schlagwerk, E-Gitarre), Jürgen Holzhauser (Gesang, Akkordeon, Gitarre) Leander Unser (Bass, Tenorhorn), Hans Ruge (Gesang, Gitarre) und Reiner Marx (Conférence, Tannhäuser-Gesang). Auf dem Foto fehlt Steffen Ruge (Technik).
Es wirkten mit (v.l.) Felix Holzhauser (Gesang, Klavier, Gitarre, Akkordeon), Hannah Neumann (Gesang, Violine, Klavier), Thomas Benn  (Schlagwerk, E-Gitarre), Jürgen Holzhauser (Gesang, Akkordeon, Gitarre) Leander Unser (Bass, Tenorhorn), Hans Ruge (Gesang, Gitarre) und Reiner Marx (Conférence, Tannhäuser-Gesang). Auf dem Foto fehlt Steffen Ruge (Technik). FOTO: Cordula von Waldow
Althornbach. Mit zwei Stunden intensiver Geschichts- und Gegenwartskunde in der gelungenen, sartirisch-musikalischen Kabarettrevue „Freistaat Saarpfalz“ der saarländischen Gruppe „Marx, Ruge & Holzhauser“ feierten mehr als 150 Besucher im Althornbacher Gemeindehaus 200 Jahre Südwest-Saar-Pfalz. Von Cordula von Waldow

„Wir wollen keinen Bund, kein Reich und keine Grenzen mehr. Hier leben Europäer“, schmetterten die gut 150 Besucher der Kabarett-Revue am Samstagabend im ausverkauften Dorfgemeinschaftshaus in Althornbach. Sie bekundeten damit den Freiheitsgedanken, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und den Abend zog: „Wird sie eingesperrt, ist sie weg“, bestätigte ein Lied. Der gemeinsam gesungene Refrain aus dem selbst gedichteten Abschlusslied beendete nach zwei Stunden intensiver Geschichts- und Gegenwartskunde die gelungene, sartirisch-musikalische Vorstellung der saarländischen Gruppe „Marx, Ruge & Holzhauser“ in ihrer Kabarettrevue „Freistaat Saarpfalz“.

Mit dieser „Premiere zum siebten Mal“ feierte nun auch Zweibrücken-Land das 200-jährige Bestehen der Kreise Pirmasens und Zweibrücken sowie des Saarpfalz-Kreises 2018. Mit einer gelungenen, abwechslungsreichen Mischung aus Conférencen und Musiktiteln, zum Teil auf Mundart, machte die Gruppe Geschichte auf unterhaltsame Weise erlebbar und übertrug deren Auswirkungen in die Jetztzeit.

Dabei spannte Conférencier Reiner Marx auf kabarettistische Weise den Bogen von den Ursprüngen des Kreises in bayerischer Zeit bis in die Gegenwart der Städte und Gemeinden des Landkreises. Dicht auf dicht, in anspruchsvollen Wort- und Sprachspielereien, skizzierte das siebenköpfige Ensemble in gesprochenem Text und gesungenem Lied die jeweiligen Zeitumstände.



Im Mittelpunkt standen dabei die beiden Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts: Das Hambacher Fest 1832 und die pfälzische Revolution 1849 als historische Kulisse der Revue. So begann die Vorstellung mit dem Revolutionslied „Die Gedanken sind frei“. Der ständige Wechsel mit zeitkritischen Anmerkungen in die Gegenwart transportierte so die Historie in das Hier und Jetzt, machte deren Bedeutung verständlich.

Der königstreue Intellektuelle, Reiner Marx, pointierte mit seinem trockenen Humor wortgewandt und scharfsinnig die geschichtlichen Fakten, die mit den Liedern auch emotional interpretiert wurden. Ein Höhepunkt war sein „Gesang“ aus Wagners Oper der Tannhäuser.

Ansonsten griffen die Musiker neben den bekannten Freiheitsliedern auch auf Texte von Heinrich Heine oder Georg Danzer zurück. Die Hälfte ihrer Lieder hatten sie selbst getextet, um auf gesellschaftliche Umstände in der Geschichte oder in der jetzigen Südwest-Saar-Pfalz hinzuweisen. Besonders der studierte Vollblutmusiker, Felix Holzhauser, und Hannah Neumann mit ihrer glasklaren, wandelbaren Gänsehautstimme ließen ihr Publikum dabei auch fühlen, etwa die Situation der Armen im Dunkel der Straße, während die Reichen aus ihrem Wohlstand in den hell erleuchteten Räumen lediglich ins Dunkel schauen, ohne sie wahrzunehmen (Wir steh’n hier draußen wie Gespenster).

Auch das Flüchtlingsthema wurde bei der stehend erklatschten Zugabe liedtextlich noch einmal aufgegriffen. Reiner Marx erklärte zwischendurch die Volksbezeichnung für die Westpfälzer. „Sie leben in der Pfalz, auf Lateinisch Palatina, sind also Palatinenser.“

Szenenapplaus gab es für besonders bissige Seitenhiebe auf politische Entscheidungen im Kreis, etwa den Wiederaufbau von Schloss Karlsberg im selben Zeitraum, wie die Fertigstellung des Berliner Flughafens oder den „sensationellen und epochalen Namen“ für die Brücke über die Blies in Blieskastel: Bliesbrücke.

Mit der Idee, den saarpfälzischen Landrat Theophil Gallo zum „neuen alten Monarchen Caesar Theophilo Gallo“ zu krönen, stand in Konflikt mit dem „rebellischen Kapellmeister“ und Barden, Jürgen Holzhauser, und seinem „Panikorchester“. Als Danksagung erhielt er von Ortsvorsteherin Ute Klein deshalb einen Lyonerkranz als Krone. Seine anwesende südwestpfälzische Amtsrätin, Susanne Ganter, bekam den Posten der Kleopatra angeboten.

Bei allen Kontroversen war sich die Truppe in einem einig: „Wer jetzt aus der Geschichte nicht lernt, ist verdammt, sie zu wiederholen“, warnten sie singend vor der Rückkehr der Vergangenheit auf „leisen, braunen Sohlen“.

Die gebürtige Limbacherin, Kaja Frey, die eine Art „Kappensitzung“ befürchtet hatte, war hellauf begeistert. „Es war super: der Inhalt, der Gesang, die Mischung aus Komik und ernsten Themen.“ Das Ehepaar Elke und Wolfgang Rapp aus Großsteinhausen würdigte neben der Vorstellung auch generell das gelungene Programm, mit dem es Ortsvorsteherin Ute Klein gelinge, aus dem wunderbaren Althornbacher Dorfgemeinschaftshaus ein kulturelles Zentrum zu machen. „In dem Stück haben wir die Auferstehung der Saarpfälzer Identität gefeiert. Egal, ob wir in Bundenbach, Hornbach, Homburg, Zweibrücken, Pirmasens wohnen: Wir gehören zusammen“, fasste Wolfgang Rapp die Botschaft des Abends zusammen.