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Hilfe gegen Enkeltrick und Co
Kreisverwaltung sucht Sicherheitsberater für Senioren

Südwestpfalz. (db) „Immer mehr Senioren stehen im Fokus von Banden und Betrügern“, berichtet Polizeihauptkommissar Volker Lehner vom Polizeipräsidium Westpfalz. Der mit 44 Dienstjahren erfahrene Ermittler schlägt Alarm und warnt am Rande einer Fortbildungsveranstaltung für Sicherheitsberater vor den perfiden Tricks der „Senioren-Abzocker“.Es gebe unter anderem den Enkeltrick, Toilettentrick, Blumentrick, Wickeltrick oder den Wasserglastrick. Von Dieter Becker

Der Phantasie seien keine Grenzen gesetzt, informiert Lehner, der warnt, dass immer mehr Senioren auch in der Südwestpfalz Opfer von Neppern, Schleppern und Bauernfängern würden.

Dagegensteuern will Karina Frisch von der Leitstelle „Älter werden“ bei der Kreisverwaltung. „Gerade das Thema Sicherheit liegt mir sehr am Herzen. Wir suchen ältere Menschen in der Südwestpfalz, die in ihrem Umfeld als ehrenamtliche Sicherheitsberater für Senioren anderen Menschen mit Rat und Tat zur Verfügung stehen können.“

Interessierte, die Sicherheitsberater für Senioren werden möchten, haben die Möglichkeit, am 17. und 18. September in der Kreisverwaltung an einer zweitägigen Grundausbildung teilzunehmen. Anmeldungen seien ab sofort bei der Kreisverwaltung möglich, sagt Frisch. „Je mehr Sicherheitsberater, umso besser. Wir wollen informieren, warnen und beraten“, informiert sie.



Dass gerade Senioren immer häufiger Opfer von Betrügern werden, bestätigt auch die Verbraucherzentrale. „Viele ältere Menschen sind um eine Erfahrung reicher und um Geld ärmer geworden“, berichtet Kai Prowald von der Verbraucherzentrale in Pirmasens. Daten seien das Gold der Neuzeit. Vor allem alleinstehende Senioren würden gezielt von Abzockern aufgesucht.

Ein großes Ärgernis für Prowald sind unseriöse Inkassoforderungen: „Man versucht die Menschen einzuschüchtern, droht mit Hausbesuchen, Schufa-Einträgen und Zwangsvollstreckungen.“

Falsche Polizisten machen derzeit der „echten“ Polizei sehr viel Arbeit. „Trickbetrüger geben sich am Telefon als Kriminalpolizei, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder als andere Amtsperson aus, um ältere Menschen zur Herausgabe von Geld und Schmuck zu bewegen“, berichtet Lehner. Falsche Polizisten berichten, dass sie Hinweise auf einen geplanten Einbruch haben. Dem Anrufer gelinge es schließlich, in den Besitz der Wertsachen zu gelangen.

Immer noch ein Thema ist der Enkeltrick. „Immer wieder werden wir von Angehörigen eingeschaltet. In der Regel fehlen dem Opfer oftmals viele tausend Euro Bargeld. Die Betrüger suchen gezielt nach alten Vornamen wie Maria, Käthe, Berta, Hermine, Gudrun oder Dorothea. Dann klingelt bei den Seniorinnen das Telefon und der angebliche Enkel oder Neffe erzählt, warum er ganz schnell Hilfe in einer finanziellen Notlage benötigt und dass er jemanden vorbeischickt, der das Geld abholt“, erläutert Lehner die Vorgehensweise.

Nach Angaben des Polizisten schildert der vermeintliche Enkel, dass er im Ausland in einen Autounfall verwickelt worden ist und dass ihm jetzt eine Gefängnisstrafe droht, wenn er nicht sofort viel Geld zahlt.

Eine neue Masche ist, dass angebliche Bank- oder Sparkassen-Mitarbeiter bei Senioren anrufen oder an der Haustür klingeln, von Unregelmäßigkeiten und Transaktionen auf dem Konto berichten. Sie fordern die Bankkarte und die dazugehörende PIN-Nummer, um den Fehler beseitigen zu können. Auch beliebt, sagt Lehner, sei der Betrug mit falschen Geldversprechen oder der Wasserglas-Trick. „Zwei Frauen klingeln an der Tür, täuschen eine Übelkeit, Schwangerschaft oder Schwächeanfall vor und bitten um ein Glas Wasser, um eine Tablette einnehmen zu können. Eine Frau verwickelt die Seniorin in ein Gespräch, während die andere angeblich zur Toilette geht und in wenigen Minuten aus dem Schlafzimmer Bargeld und Schmuck mitgehen lässt“, sagt Lehner.