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Mediziner auf dem Land
Ziel: Praxis-Ärztemangel entgegenwirken

„Bis 2023 werden viele Praxen wegen fehlender Nachfolge geschlossen“, befürchtet der Geschäftsführer der Medi Südwest GmbH, Axel Motzenbäcker.
„Bis 2023 werden viele Praxen wegen fehlender Nachfolge geschlossen“, befürchtet der Geschäftsführer der Medi Südwest GmbH, Axel Motzenbäcker. FOTO: dpa / Armin Weigel
Südwestpfalz. Projektleiter Motzenbäcker stellte in der Kreistagssitzung das bereits laufende Projekt zur Sicherung der ärztlichen Versorgung vor. Von Fritz Schäfer

„Das Projekt ist doch schon am Laufen. Warum reden wir dann schon über den zweiten oder dritten Schritt?“, fragte Reiner Hohn (FDP) nach der über eineinhalbstündigen Diskussion im Kreistag über die ärztliche Versorgung im Landkreis Südwestpfalz. „Warten wir doch erst mal die Ergebnisse des Projekts in einem halben Jahr ab.“ Seinem Antrag auf Ende der Debatte wurde mit Klopfen auf die Tische zugestimmt. Mit Blick auf die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte im Landkreis Südwestpfalz sowie den Städten Zweibrücken und Pirmasens hatte zuvor Projektleiter Axel Motzenbäcker die Dringlichkeit des Themas zu verdeutlichen versucht. „Bis 2023 werden viele Praxen wegen fehlender Nachfolge geschlossen“, befürchtet der Geschäftsführer der Medi Südwest GmbH in Kaiserslautern. Damit würden die Gemeinden einen „weichen Standortfaktor“ verlieren. Es bestehe Handlungsbedarf, mahnte Motzenbäcker. Er möchte in den nächsten Wochen und Monaten gezielt Ärzte ansprechen. Sowohl Ärzte, die aus Altersgründen vor der Schließung der Praxis stehen. Als auch junge Mediziner, denen die Möglichkeiten im ländlichen Raum aufgezeigt werden sollen. Unter anderem mit Kooperationsmodellen mit anderen Ärzten wie in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ).

Bei dem Projekt stehe der Landkreis nicht allein. „Das ist eine Aufgabe für die gesamte Region“, sagte die Landrätin Susanne Ganster (CDU). „Da müssen wir über den Tellerrand schauen.“ Neben dem Landkreis sind auch die Städte Zweibrücken und Pirmasens an dem Projekt beteiligt (wir berichteten).

„Worin unterscheidet sch ihre Arbeit von der Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung?“, fragte Heidi Ziehl. Die Ärzte stünden in Kontakt zu der KV (die auch den gesetzlichen Auftrag hat, die Versorgung sicherzustellen, Anm. d. Red). Zudem seien die MVZ nicht unumstritten: Sie könnten weitere Wege nach sich ziehen. „Ziel sollte doch eine flächendeckende Versorgung sein.“ –„Das Projekt ist keine Konkurrenz zur KV“, antwortete Motzenbäcker. Die Ärzte würden bei Nachfolgefragen die KV nicht ansprechen. „Das geht über persönliche Gespräche.“ Josef Bauer (CDU) fragte, ob der Kreis Möglichkeiten habe, Ärzten bei der Ansiedlung auf dem Land zu helfen. „Das ist Aufgabe der Politik. Auch wenn es keine Pflichtaufgabe ist. Da müssen wir ein Paket schnüren“, sagte Ganster. Es gehe um gleichwertige Lebensverhältnisse und Daseinsvorsorge, merkte Bernd Schumacher (Grüne) an. Im Kreistag wurde das Projekt grundsätzlich begrüßt. Auch wenn einige Punkte „noch nebulös“ seien, wie Fred Konrad (Grüne) meinte. „Ich bin froh, dass sich auch der Kreis dem Thema annimmt“, sagte Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker (SPD) nach der Sitzung. Mit einer Zukunftswerkstatt hat die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land das Thema bereits aufgegriffen (wir berichteten). Dabei ist mit dem Nardini-Klinikum und dem Ärztenetzwerk Zweibrücken eine Verbundausbildung verabredet. Dabei sollen angehende Mediziner bei einem niedergelassenen Arzt auf dem Lande praktizieren. Für das Pilotprojekt Telemedizin werde in Kürze im Mainz vorgestellt.