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Traditionen trotz widriger Umstände gepflegt
„Kerweredd“ auf dem Weihnachtsmarkt?

Die Schmitshauser Straußmädels und Straußbuben stehen zu ihrer Kerwe. Seit Samstag hängt der Kerwestrauß am Dorfgemeinschaftshaus.
Die Schmitshauser Straußmädels und Straußbuben stehen zu ihrer Kerwe. Seit Samstag hängt der Kerwestrauß am Dorfgemeinschaftshaus. FOTO: Norbert Schwarz
Schmitshausen. Die Schmitshauser Kirmes wurde nach einem tragischen Unfall abgesagt. Der „Kerwe-Enthusiasmus“ ist aber ungebrochen. Von Norbert Schwarz

Der September-Kerwestrauß schmückt seit diesem Wochenende die Vorderfront des Dorfgemeinschaftshauses in Schmitshausen und signalisiert: Hier wurde zünftig Kerwe gefeiert. Doch dies war (leider) gar nicht der Fall. Nach einem Unglücksfall bei der Werbefahrt im September war die Jubiläumskerwe abgesagt worden. Inzwischen ist aber alles wieder in Butter. Der schon damals geschmückte Strauß ziert jetzt das Dorfgemeinschaftshaus. Und die Kerwerede? Die wird nun eben beim Weihnachtsmarkt vorgelesen. Ein Novum – aber das ist Schmitshauser Kerwe-Enthusiasmus.

Rückblende: Bei einer Straußfahrt in dem Rosendorf auf der Sickingerhöhe hatte sich während der Fahrt die Tür des Anhängers geöffnet, der die Gesellschaft von Dorf zu Dorf beförderte. Mit schwereren Verletzungen musste eine herausgestürzte Person ins Krankenhaus eingeliefert werden. An jenem Sonntag im September hatten sich viele Straußmädels und Straußbuben auf eine stimmungsvolle „Werbefahrt“ begeben und waren über die Sickingerhöhe getourt. Den Transportwagen damals, hatten sich die Schmitshauser bei den Straußmädels und Straußbuben in Battweiler ausgeliehen, wo dieser bereits seit Jahrzehnten für solche Fahrten genutzt wird. Der Unfall ereignete sich auf der Rückfahrt aus Krähenberg. Aus noch immer ungeklärter Ursache öffnete sich die rückwärtige Tür im verschlossenen Überbau und ein Mitglied fiel heraus. Ein Schreckensszenario für alle übrigen auf dem Wagen, Helfer waren noch während der Fahrt abgesprungen.

Wegen des tragischen Zwischenfalls wurde noch in der Unglücksnacht entschieden, dass keine Kerwe stattfinden wird. Dass die vom Wagen gestürzte Person doch Glück im Unglück hatte, konnte zum damaligen Zeitpunkt niemand erahnen. Schutzengel müsse er gehabt haben, meinen heute manche. Jedenfalls verlief die Genesung schneller als zunächst angenommen. Auch deshalb ist jetzt wieder allen zum Feiern zumute. Der Brauchtumspflege „Kerb“ haben sich ohnehin alle verschrieben. Daher wurde der Kerwestrauß am letzten Samstag mit viel Brimborium und flotten Sprüchen vor dem Dorfgemeinschaftshaus platziert. Davor gab es noch ein besonderes Outfit für Strauß. Dieser ist mit etlichen Minikerzen versehen worden, welche zum Weihnachtsmarkt am 8. Dezember erstmals aufflammen sollen. „Sowas hats noch nie gebb, wie immer sin mer Schmitshauser mol widder die Erschde“, stellte Manu Seul fest, die selbst in ihrer Jugend Straußmädel war und deren beiden Töchter heute die Familientradition fortsetzen. Die Kerwerede, auch das ist jetzt schon sicher, wird gleichfalls am Weihnachtsmarktabend von Nadja Seul, Sarah Kneip und Laura Schwarz vorgetragen. Ortsbsürgermeister Markus Schieler ist das nur recht und billig, wird doch der kommende Weihnachtsmarkt dadurch um eine besondere Attraktion und ein Novum der besonderen Art reicher.