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120 Zuhörer zum Toben gebracht
Kleinbundenbacher Kerwerede ganz groß

 Seit fünf Jahren sorgt die Straußjugend in Kleinbundenbach für originelle Kerwe-Action, wie hier diesen Sonntag.
Seit fünf Jahren sorgt die Straußjugend in Kleinbundenbach für originelle Kerwe-Action, wie hier diesen Sonntag. FOTO: Norbert Schwarz
Kleinbundenbach. „Unsre Angie fährt im Hühnerstall nur E-Bike“ – auch die Bundeskanzlerin und den Klimaschutz nahmen Mara Marschall und Marco Pfaff in ihrer Rede neben lokalen Ereignissen auf die Schippe. Von Norbert Schwarz

Zünftig, fetzig und sehr einfallsreich, so präsentierten sich am Wochenende die 20 Kleinbundenbacher Straußmädels und -jungs bei der Kerwe. Mara Marschall und Marco Pfaff auf der Redeleiter brachten am Sonntag die 120 Zuhörer schier zum Toben.

Mit regelrechter Akribie hatten sie das Jahr über Geschichten und besondere Ereignisse gesammelt und auch zeitkritisch kommentiert, wie aus dem Bericht zur „hohen Politik“ ganz am Anfang der Rede herauszuhören war als das Duo meinte: „Mir finne’s jo gut, dass jeder jetzt uffs Klima guckt, nur werd von de Politik de Falsche in die Supp gespuckt. So macht sich Berlin auch in de Landwirtschaft breit, mit Verordnungen fers Klima, wo jedes Bauernherz schreit. (...) Un wer weiter feschdhalt am Druff-un-Dewerre-Klimawahn, der soll von uns aus doch bitte enfach nur noch Fahrrad fahrn.“ Gesanglich waren die Kerweunterhalter gleichfalls topp und erfreuten passend zu den Neuigkeiten aus Berlin mit „Unsre Angie fährt im Hühnerstall nur E-Bike“.

Der Schritt von der großen Politik in Berlin zur Dorfpolitik war da nicht schwer, schließlich gibt es in Kleinbundenbach den beliebten Ortsbürgermeister Karl Bißbort nicht mehr. „Die Gemeh wered jetzert vom Manfred gefiert, Die Entscheidung hott unser Losfee Karl selbschd in den Hand. De alte Boijemeschder lost de Neije – fer Bundenbach ke Schand. E bissl Balawer gehert dann ach met dezu, hoffentlich is jetzt aber im Rat widda Ruh. Lieber Manfred, per Los bisch du Boijemäschder wor, mit gratuliere und wünsche es Beschde fer die nägschde Johr. Jetzt hoffe ma ach du denkschd an uns an die liebe Straußmäd un Jungs. So eh Bier von dir wär schon was feines, aber bitte bestell uns kee so kleines!“



Das Dorfleben wurde köstlich glossiert, die neu hinzugekommenen Dorfbewohner herzlich begrüßt. Und fürs Leben der Hinweis von Mara und Mirco an die Lauscher: „Bundesbach is eh hardes Blaschder. Denn do is net nur die Sauferei eh Laschder. Holt ma sich de falsche Mieter ins Haus, krieht ma denne manchmo so schnell nimmi raus.“ Dass ihnen die Winterbacher Straußjugend den Reifenberger Straußklau in die Schuhe schieben wollten, nahmen die Bundenbacher den Nachbrn mächtig krumm: „ Weil ach in Reifenbercher warn nachts Straußdiebe zu Gange, un han de frischgeknibbelte Strauß efach abgehange. Dodrübber war die nadierlich gar net froh, un ach die hand ne gesucht, mache mir jo ebenso. Sind dann ach letztlich uff die Winterbacher getroff, hanns Maskottche gefunn un fascht wär do schon roti Brüh geloff. Hätte net die Winterbacher eh falschi Geschicht ingeschenkt, de Verdacht wurd dodebei uff die Bundebacher gelenkt. Wer denkt, ohje un jetzt gebbts zwische uns Krach, dem sahn mir, es Karma wurd zum Glück rechtzeitig wach. Weil so dreist wie die do unne muss ma erscht mol sin, die henge sunndahs nämlich glatt de Reifeberger Strauß in Winterbach hin. Dodemit war die ganz Sachg dann uffgelöst, die Winterbachzer wurden als Lügner entblößt. Un bei allem Spaß den mir als Straußbube mache, finne ma die Aktion von denn drei doch schon no Rache. Also stehn ihr heit in unserer Kerberedd drin, mir hoffe, ihr losse so Aktionen jetzt sin.“ Vor der eigenen Haustür wurde gleichfalls gekehrt. Da wurden die Neuzugänge vorgestellt und über manche „Schandtaten“ in den eigenen Reihen sich herrlich mokiert.