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4500 bis 5000 Wildscheine
Jäger und Landwirte fürchten Schweinepest

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest werden Wildschweine verstärkt bejagt.
Im Kampf gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest werden Wildschweine verstärkt bejagt. FOTO: dpa / Gregor Fischer
Zweibrücken/Pirmasens . Bei Ausbruch droht den Bauern in der Region Südwestpfalz eine Katastrophe. Von Norman Fritzinger

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich seit 2007 von Georgien rasant gen Westen ausgebreitet und ist letztes Jahr mit Auftreten in Polen und Tschechien quasi vor unserer Haustür angekommen. Ein Problem, dass nicht nur den Jägern in der Region, sondern allen voran den Schweinezüchtern Sorgen macht, die durch die Ausbreitung der Seuche in ihrer Existenz bedroht sind.

Schätzungsweise 4500 bis 5000 Wildschweine tummeln sich in den Wäldern der Südwestpfalz. Auf 100 Hektar bedeutet das einen Anteil von vier bis fünf Stück im etwas über 100 000 Hektar großen Gebiet des Landkreises und der beiden Städte Pirmasens und Zweibrücken.

Um die Ausbreitung der ASP in Schach zu halten, wäre ein deutlich niedrigerer Bestand von etwa zwei bis drei Sauen pro 100 Hektar erforderlich, meint Kreisjagdmeister Rolf Henner. Das aber sei kaum durch die rund 800 Jäger im Landkreis zu erreichen, von denen im Schnitt etwa 600 für die Jagd permanent verfügbar sind. Sechs bis sieben Mal pro Monat seien die Jäger zur Dezimierung der Wildschweinbestände unterwegs.



Als Gründe für die rasante Vermehrung des Schwarzwildes sieht der Kreisjagdmeister den Klimawandel mit deutlich höheren Temperaturen, wodurch die Eiche und Buche häufiger Früchte bilden. Damit sei der Tisch gerade für die Sauen überreicht gedeckt, so dass die Bachen schon wesentlich früher als bisher Nachwuchs bekommen. Begünstigt werde der rasante Anstieg der Population nach Meinung des 65-Jährigen nicht zuletzt auch durch die Landwirtschaft, die mit dem verstärkten Anbau von Raps und Mais den Schweinen ein ganzjähriges Nahrungsangebot liefere.

Im letzten Jahr sind im Bereich der Kreisgruppe Pirmasens/Zweibrücken schätzungsweise 2300 Wildschweine erlegt worden. Seit Jahren wird laut Henner das Schwarzwild daher zielgerichtet stark bejagt, so dass im Gebiet der Südwestpfalz immer eine Strecke von mehr als 2000 Sauen jährlich geschossen wurde. Da auch Drückjagden stattfinden und ein Jagderfolg auch von der Witterung abhängig ist, sei die Zahl kaum noch steigerungsfähig.

„Wie lange es noch dauert, bis die Seuche auch Deutschland erreicht, ist derzeit nicht zu ermessen“, ist der Kreisjagdmeister besorgt. Mit einem Ausbruch der Schweinepest seien dramatische Auswirkungen verbunden, wodurch in der Agrar- und Fleischwirtschaft ganze Existenzen vernichtet werden könnten. Als Präventionsarbeit seien die Jäger daher verstärkt an den Futterplätzen im Beobachtungseinsatz, um danach effizienter und zielgerichteter die Wildschweinpopulation und damit auch das ASP-Risiko reduzieren zu können.

„Ein Ausbruch von ASP in Deutschland wäre für die heimische Landwirtschaft eine Katastrophe“, ist Uwe Bißbort aus Pirmasens-Windsberg aus Sicht der Bauern überzeugt. Etwa 20 Vollerwerbsbetriebe in der Schweinehaltung gibt es derzeit noch überwiegend im Westen des Landkreises zwischen Pirmasens und Zweibrücken, die durch den damit einhergehenden Preisverfall in den Ruin getrieben würden. Grund dafür sei, dass der Export in die Hauptabnehmerländer wie China und Korea ein großes Problem werde, sobald irgendwo in Deutschland auch nur ein einziger Fall von ASP auftauche. Im Durchschnitt erhalten die Bauern pro Kilogramm Schweinefleisch etwa 1,50 Euro. „Fällt der Preis unter 1,40 Euro, wird die Sache kritisch“, meint der 54-jährige Landwirt, der seit April auch Vorsitzender der Tierseuchenkasse Rheinland-Pfalz ist. Schließlich sei zu befürchten, dass die Preise dann noch weiter in den Keller sinken und bei etwa einem Euro, in manchen Szenarien des Bauernverbandes gar bei nur noch 90 Cent, landen.

Für den Verbleib der Seuche im Land sei, so Bißbort, der hohe Wildschweinbestand hauptverantwortlich. Die Jäger täten zwar alles in ihrer Macht stehende, doch allein mit Hilfe der traditionellen Jagd sei das Problem nicht in den Griff zu bekommen. Gefordert sei hier das Land, Berufsjäger einzustellen und sie den jeweiligen Forstämtern zuzuordnen. Sie könnten effizienter arbeiten. Leider scheue die Landesregierung die höheren Ausgaben für die wertvolle Präventionsarbeit. „Sobald dann aber das Kind in den Brunnen gefallen und die Seuche im Land ist, sind die Kosten plötzlich irrelevant“, meint der Landwirt. Ebenso wichtig seien auch revierübergreifende Drückjagden vornehmlich im Herbst.

Bei einer Kreisjagdbeiratssitzung waren laut Bißbort die Differenzen zwischen Bauern und Jägern bezüglich der Wildschweinbejagung unüberbrückbar. Während die Bauern die Bestände als viel zu hoch erachteten, hätten die Vertreter der Jagdverbände die Sache etwas anders gesehen. Das Problem sei, dass revierübergreifende Drückjagden oft am Konkurrenzdenken der Jagdpächter scheiterten. Denn damit werde auch das bei den Jägern beliebte Rehwild in andere Reviere getrieben.