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Zu gut gewirtschaftet?
In Krähenberg hat man „Brass“

Für rund 240 000 Euro wurde in Krähenberg das Dorfgemeinschaftshaus energetisch saniert. Dafür sollte es 60 Prozent Förderhilfe des Landes geben. Es gab nur 75 000 Euro – etwa die Hälfte der versprochenen Summe.
Für rund 240 000 Euro wurde in Krähenberg das Dorfgemeinschaftshaus energetisch saniert. Dafür sollte es 60 Prozent Förderhilfe des Landes geben. Es gab nur 75 000 Euro – etwa die Hälfte der versprochenen Summe. FOTO: Norbert Schwarz
Krähenberg. Zu gut gewirtschaftet? Ortsbürgermeister Thomas Martin glaubt, dass deshalb Fördergelder für das Dorfgemeinschaftshaus gestrichen wurden.

Die Ratsmitglieder von Krähenberg und insbesondere Ortsbürgermeister Thomas Martin haben „Brass“. Denn für die energetische Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses, etwas mehr als 240 000 Euro teuer, sollte es eigentlich einen Zuschuss von 60 Prozent geben. Jetzt ist von der Verwaltung in Thaleischweiler-Fröschen dem Ortsbürgermeister der Förderbescheid übergeben worden. Statt der bisher in Aussicht stehenden 145 000 Euro gibt es nur 75 000 Euro – also fast die Hälfte weniger.

„Da musste ich mir mal erst die Augen reiben, ich dachte ich bin im falschen Film“, so Thomas Martin zum Pfälzischen Merkur: „Es kann doch nicht sein, dass Orte, die jeden Cent dreimal in der Hand umdrehen so vom Land auf den Arm genommen werden. Im Augenblick kann ich über Gründe nur mutmaßen, denn eine Erklärung zur Kürzung ist dem Förderbescheid nicht angefügt“.

Doch Martin will sich wehren. Er verschickte an die ihm bekannten Volksvertreter im Mainzer Landtag, das sind Christoph Gensch (CDU) aus Zweibrücken, Alexander Fuhr (SPD) aus Dahn und Parteifreund Steven Wink (FDP) aus Pirmasens, eine E-Mail, in der sich der Ortsbürgermeister bitter beschwerte. So glaubt dieser, dass wohl die positive finanzielle Situation des Ortes dafür ausschlaggebend gewesen ist, dass an der Förderschraube zu Ungunsten von Krähenberg gedreht wurde. „Wenn meine Vermutung stimmt, zeigt das, dass sich moderater Umgang mit Geldern negativ für die Gemeinde auswirkt“.



Rückmeldungen von den drei Landtagsabgeordneten seien ihm allerdings noch nicht zugegangen. Ins gleiche Horn blies bei der Gemeinderatssitzung Konstantin Saalfrank. Er meinte: „Im Klartext heißt das also, dass eine Gemeinde, die gut wirtschaftet, bestraft wird. Was die Förderkürzung zur Folge hat, brachte Ratsmitglied Walter Arzt auf den Punkt: „Wir müssen also nachfinanzieren, sprich über die Summe von 70 000 Euro einen Kredit aufnehmen.“ Im Spätherbst soll es einen Nachtragshaushalt geben, um die Finanzierungslücke schließen. 

Weitere Punkte der Ratssitzung: Für den Schöffen- und Geschworenendienst wurden Jonas Lauer und Daniel Hasenfratz vorgeschlagen. Die Innenausstattung des Dorfgemeinschaftshauses geht weiter voran: drei neue Tische und 12 neue Stühle sind gekauft worden. Kostenpunkt: 1222 Euro. Für 700 Euro wird ein Unterbaukühlschrank für die Küche erworben. Das ehemalige Milchhäuschen, das die Gemeinde erwarb und das als Lagerstätte genutzt wird, wird ein neues Eingangstor bekommen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 610 Euro.