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Nach der Wahl in Zweibrücken-Land
Hoffnung auf „Teamplayer“ Bernhard

 Viele junge Familien waren am Wahlsonntag ins Dorfgemeinschaftshaus nach Dietrichingen gekommen, um mit Björn Bernhard seinen Sieg zu feiern.
Viele junge Familien waren am Wahlsonntag ins Dorfgemeinschaftshaus nach Dietrichingen gekommen, um mit Björn Bernhard seinen Sieg zu feiern. FOTO: Norbert Schwarz
Dietrichingen. Die CDU-Fraktion Zweibrücken-Land glaubt an eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Ampel-Koalition im Rat. Von Norbert Schwarz

Die kommunalpolitische Sensation in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land ist nicht einmal 48 Stunden alt. Das Dietrichinger Dorfgemeinschaftshaus war Anlaufstelle für alle, die gleich nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses dem „Verbandsbürgermeister der Herzen“ gratulieren wollten und das ist eine Vielzahl gewesen.

Natürlich sei das alles umwerfend gewesen, hätte es nach den strapaziösen Wochen gut getan, diese Freude über den errungenen  Wahlsieg mit einer Vielzahl an Freunden und Bekannten zu teilen, erzählt am Montag beim Feiern der Dietrichinger Kerwe, traditionell in der Pizzeria „Zum Leo“, der künftige Verbandsbürgermeister Björn Bernhard. Die gesamten CDU-Repräsentanten der Stadt, angefangen beim Landtagsabgeordneten Christoph Gensch, dem Bürgermeister Christian Gauf bis hin zur erst jüngst gewählten Beigeordneten Christina  Rauch hätten sich auf  den Weg ins kleine Dietrichingen gemacht, um dort mit der großen Gratulantenschar feiern zu können.

Es sei eine lange Nacht geworden, doch den fehlenden Schlaf kompensierte Bernhard auch am Montag noch mit der Freunde über den gelandeten Coup.



Daran, dass Björn Bernhard für die CDU von Zweibrücken-Land der richtige Gegenspieler von Amtsinhaber Jürgen Gundacker war und seine Wahlchance nutzte, hegte auch gestern der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende  im Verbandsgemeinderat Klaus-Martin Weber aus Käshofen keine Zweifel. Weber zum Pfälzischen Merkur: „Amtsbonus, SPD-Hochburg Althornbach, Dellfeld und teilweise Contwig, dazu die neue Koalition mit FDP und Grüne – da hatte ich, Freundschaft hin oder her, doch meine Bedenken, ob das gut gehen würde. Deshalb bleibt auch für mich der Wahlsieg von Björn in jeder Hinsicht verdient, dennoch überraschend.“

Mit Blick auf die Konstellation im Verbandsgemeinderat, wo die Koalition von SPD, FDP und Grünen steht, will Klaus-Martin Weber keine Schwierigkeiten erkennen. „Für Björn Bernhard ist es von allem Anfang an nach der Kommunalwahl das Ziel gewesen, alle im Rat vertreten Parteien und Wählergruppe ins Boot zu holen und gemeinsam die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land weiter nach vorn zu bringen. Diese Chance bietet sich ihm jetzt als Verbandsbürgermeister ab Juni und diese Chance wird der Björn zu nutzen wissen, dessen bin ich mir sicher.“ Bernhard sei nämlich durchaus ein „Teamplayer“. Wie schon Björn Bernhard am Sonntagabend, so nutzt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land noch einmal die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass der ominöse Flyer in Contwig rein gar nichts mit der CDU zu tun habe. „Der hat Björn eher Stimmen gekostet, denn solche in die Wahlurne gebracht.“

Für den Bechhofer Ortsbürgermeister Paul Sefrin (CDU) ist es keine Frage, dass er sich bei seiner Wahlbewerbung um das höchste politische Amt in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land gleichfalls eine solche Geschlossenheit innerhalb der CDU gewünscht hätte. Sefrin gestern zum Pfälzischen Merkur: „Ja, ich habe mich jetzt, gleich den vielen Parteifreunden in unserem Gemeindeverband, für Björn Bernhard eingesetzt und stark gemacht. Diese Geschlossenheit hat damals mit Sicherheit den Wahlausgang beeinflusst. Politisch bekannt war der Mitbewerber Jürgen Gundacker schließlich auch nicht, wurde irgendwie aus dem Hut gezaubert vom späteren Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken. Nach drei Jahrzehnten SPD-Verbandsbürgermeister ist jetzt die Zeit für einen Wechsel passend gewesen, kein Thema“.

Für den Großsteinhausern Ortsbürgermeister und FDP-Gemeindeverbandsvorsitzenden Volker Schmitt ist die Wahl von Björn Bernhard natürlich eine Überraschung auf den ersten Blick. Doch Volker Schmitt sieht die Verbundenheit des Gewählten zur Region, die Familientradition und dessen Engagement generell. „Gerade in Großsteinhausen ist Björn Bernhard sehr beliebt, hat im Steinhauser Land wirklich viele Freunde und das hat ihm gerade in der jungen und jüngeren Wählerschaft bestimmt viele Stimmen eingebracht, dessen bin ich mir sicher“.

Apropos junge und jüngere Wählerschaft, diesen Eindruck musste ein unbedarfter Beobachter bereits am Abend des Wahltages nach Urnenschluss im Dietrichinger Dorfgemeinschaftshaus gewinnen: Die Besucher kamen aus allen Ortschaften und insbesondere viele junge Mütter und Väter mit Kindern waren dabei. 

Erich Buchmann aus Dellfeld, gegen die dortige Ortsbürgermeisterin Doris Schindler mehrfach im Kampf um das Ortsbürgermeisteramt unterlegen, zuletzt äußerst knapp, ist unter der Schar der Wahlkampfunterstützer gewesen und fungierte am Wahlabend in Dietrichingen als Moderator aus dem Stehgreif, verlas nicht einfach die Meldungen sondern machte es vielmehr mit der Bekanntgabe spannend. „Ich bin kein CDU-Mitglied, das sei nur erwähnt. Doch nach meiner Auffassung hat Gundacker als Verbandsbürgermeister die Wahl in Dellfeld beeinflusst, deshalb habe ich mich vor fünf Monaten etwa entschlossen jetzt Björn Bernhard zu unterstützen. Dass Dellfeld als Hochburg-Gundacker so gewählt hat, das freut mich besonders, dafür haben wir viel getan“, so Erich Buchmann, der mit einer Wählergruppe stets in Dellfeld angetreten war.