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Historischer Verein Hornbach
Der lange Weg zur modernen Medizin

 Die Wallhalber Apothekerin Helke Burkhart skizzierte den medizinischen Fortschritt von der Antike bis heute.
Die Wallhalber Apothekerin Helke Burkhart skizzierte den medizinischen Fortschritt von der Antike bis heute. FOTO: Cordula von Waldow
Hornbach. Die Wallhalber Apothekerin Helke Burkhart faszinierte im Hornbacher Historama mit ihrem Streifzug durch die Geschichte der Medizin. Unter dem Motto „Von der Klostermedizin bis zur Moderne“ skizzierte sie die Errungenschaften der einzelnen Epochen. Von Cordula von Waldow

Bei aller Berechtigung der Klostermedizin und von Naturheilmitteln können wir die Errungenschaften der modernen Medizin nicht hoch genug schätzen. Zu diesem Ergebnis kamen Referentin Helke Burkhart und die rund 20 Mitglieder des Historischen Vereins Hornbach durch den Vortrag „Von der Klostermedizin zur Moderne“.

In einem Parforceritt informierte die Apothekerin aus Wallhalben in rund 90 Minuten über die Entwicklung und die Erkenntnisse der Medizin im Laufe der Jahrtausende. „Nichts ist so wichtig, wie Gesundheit!“ Diese Erkenntnis ist so alt, wie die Menschheit. In der Antike waren Priester meist Heiler in Personalunion.

Auf den zwölfseitigen Heil-Papyri aus dem ägyptischen Heiltempel in Dendera war bereits die Wirkung von Knoblauch beschrieben. Der berühmte griechische Arzt und Philosoph Hipokrates, auf den die Ärzte bis heute ihren Berufseid schwören, wusste bereits um die Bedeutung der Ernährung: „Eure Heilmittel sollen Nahrungsmittel und Eure Nahrungsmittel Heilmittel sein.“ 400 Jahre lang prägte er das Heilwesen, bis die Römer die griechische Sprache unterdrückten und damit wertvolles Wissen verloren ging.



Doch sie erkannten den Zusammenhang von Krankheiten und einer Dysbalance der Körpersäfte. Im Mittelalter heilten Bader mit Aderlass und Abführmitteln, bis um 500 n.Chr. schließlich die Klostermedizin entdeckt wurde. Krankenpflege galt als oberste Pflicht der Mönche. Berühmt ist die Benediktinerin Hildegard von Bingen, die mit Pflanzenheilkunde, Edelsteintherapie, Fastenkuren oder Schwitzbädern die Einheit von Körper und Seele wiederherzustellen trachtete, unterstützt von Gebet, Musik und Meditation.

Wertvolle exotische Gewürze wie Ingwer, Pfeffer oder Zimt wurden in Pillen, Pulwern, Elixieren, Tinkturen oder Salben eingesetzt. Einem Heilverbot der Priester folgte die Gründung medizinischer Schulen und Universitäten, an denen Anfangs Mönche und Nonnen unterrichteten. Besonders bekannt ist in Hornbach Hiernoymus Bock als einer der Väter der Botanik. Sein Zeitgenosse Paracelsus erkannte: „All Ding sind Gift und nichts ist ohn Gift – allein die Dosis macht es.“

Das Zeitalter der Entdeckungen (15.-18. Jahrhundert) brachte tiefgreifende Umwälzungen und eine Vielzahl bedeutender Entdeckungen. Im Anatomietheater wurden Leichen öffentlich seziert. Blutkreislauf, Blutkörperchen und Samenzellen unter dem ersten Lichtmikroskop, Vitamin C gegen die Schiffskrankheit Skorbut, die Kuhpockenimpfung, die Bedeutng von Hygienemaßnahmen wie Pasteurisieren gingen den wichtigen Erkenntnis von Robert Koch voraus: Ein einziges Bakterium verursacht eine bestimmte Krankheit.

Der Weg in die Moderne war geprägt von technischen Errungenschaften bis hin zur Transplantation, der computer-gesteuerten Operation ohne Patientenkontakt, der Gentechnik oder der Erforschung der DNA.

Dass dennoch eine Rückbesinnung auf die Ursprünge mit der Nutzung von Heilpflanzen stattfindet, skizzierte Helke Burkhart scherzhaft in der Therapieentwicklung: Von der Wurzel über das Gebet, die Tinktur, Tabletten und Antibiotikum zurück zur Wurzel. Im Anschluss wurde bei der Verkostung von Klosterfrau Melissengeist noch lebhaft über die Wirkung von Heilpflanzen diskutiert.