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Gesprächskreis Sternenkinder Homburg
Ein Ort für Trauer und Tränen

Andrea Heisler spendet im Gesprächskreis Sternenkinder anderen Eltern Trost und Beistand.
Andrea Heisler spendet im Gesprächskreis Sternenkinder anderen Eltern Trost und Beistand. FOTO: Susanne Lilischkis
Hengstbach. Der Gesprächskreis Sternenkinder Homburg unterstützt Eltern bei der Trauer um ihre verstorbenen Kinder.

Eines der schlimmsten Dinge, die einem Menschen geschehen können, ist das eigene Kind zu verlieren. Andrea Heisler ist das gleich zwei Mal passiert – sie verlor einen Sohn und eine Tochter. Halt in ihrer Trauer gab ihr der Gesprächskreis Sternenkinder Homburg. Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und Andrea Heisler hat zusammen mit Silke Eisler die Leitung der Gruppe übernommen. Die Treffen finden ein Mal im Monat statt, im Pfarrheim St. Fronleichnam in Homburg.

„Mein Mann und ich wurden damals toll in der Gruppe aufgefangen“, erzählt Andrea Heisler, „man denkt ja immer, man ist der einzige, dem so etwas passiert.“ Bei den Sternenkindern Homburg traf sie Gleichgesinnte, die ein ähnliches Schicksal eint. Aus der Gruppe heraus sind viele, tiefe Freundschaften entstanden.

Die Treffen sind für jeden offen. Dabei ist es egal, wie lange der Verlust des Kindes schon zurückliegt. Tee und Süßigkeiten stehen bereit und die Gruppenteilnehmer erzählen von ihren Erfahrungen. Manche Eltern erlebten es zum ersten Mal, dass sie wirklich alles erzählen können, sagt Heisler, auch Dinge, für die Außenstehende kein Verständnis hätten. Warum manche Gruppenteilnehmer zum Einkaufen in eine andere Stadt gingen, zum Beispiel. Dahinter stehe die Angst, von Bekannten auf den schrecklichen Verlust angesprochen zu werden.



Überhaupt sei der Umgang mit Trauer bei jedem Menschen anders. „Eine Frau kam ein halbes Jahr lang zu uns. Sie hat nichts gesagt, nur geweint und das war vollkommen okay“, berichtet die Leiterin, „bei uns darf man sich auch beschweren über vermeintlich unachtsames Klinikpersonal, oder manchmal wird nur geweint. Man muss sich nicht schämen und alles, was dort geschieht, bleibt auch dort.“

Die Gruppe sieht sich auch als Unterstützer bei Fragen zur Beerdigung. Sie pflegt und verschönert das Sternenkindergrabfeld an der Homburger Uniklinik. Dort werden alle Kinder, die ein Geburtsgewicht unter 500 Gramm haben, begraben. Andrea Heisler verweist darauf, dass selbst sehr früh geborene Kinder wie kleine Menschen aussehen. In diesem Zusammenhang rät sie allen Eltern von zu früh gegangenen Kindern, ein Foto als Erinnerung machen zu lassen. Die Uniklinik bietet das an.

Birgit Bimperling aus der Pathologie der Uniklinik kümmert sich rührend um die kleinen Verstorbenen. Gerade plant sie zusammen mit den Sternenkindern 3D-Abdrücke der Füße oder Hände zu machen, als Andenken für die Eltern.

Die Sternenkindergruppe hat zudem individuell dekorierte Erinnerungskisten gebastelt. Darin können die Eltern Ultraschallbilder, Fotos und weitere Dinge aufbewahren, die sie an ihr Kind erinnern. Um Pflegern und medizinischen Fachkräften den Umgang mit trauernden Eltern nahezubringen, wird es demnächst ein Gespräch in der Frauenklinik geben. Auch in der Hebammenschule und im Ronald-Mc-Donald-Haus waren die Sternenkinder schon zum Vortrag. Die Gruppe ist der Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft“ e.V. angeschlossen und finanziert sich aus Spenden. Gerade hat der Gesprächskreis eine Spende von 1000 Euro bekommen aus dem Erlös eines Benefiz-Fußballturniers, das betroffene Eltern organisiert haben. Das Geld soll für eine Bank verwendet werden, die am Sternenkindergrabfeld aufgestellt wird. Weiterhin kann man die Gruppe mit Sachspenden unterstützen. Gerne genommen werden Handarbeiten wie selbst gestrickte Mützchen.

Gebastelt wird bei den Sternenkindern auch gerne. Andrea Heisler hat Kerzenhalter aus Gips hergestellt, die dann von den Teilnehmern bemalt werden. Die Kerzen können Eltern, die ein Kind verloren haben, beim Worldwide Candle Lighting am zweiten Adventssonntag ins Fenster stellen.

Die gemeinsamen Bastelaktionen haben auch das Ziel, die trauernden Menschen eine kleine Weile von ihrem Leid abzulenken. Und dabei kann es schon mal sein, dass auch herzhaft gelacht wird, berichtet Andrea Heisler. „Man lacht nirgends so ehrlich und schön, wie in einer Gruppe von Menschen, die das gleiche Schicksal haben.“

Weitere Informationen geben Andrea Heisler, Telefon (0 63 32) 89 74 78, E-Mail: andrea_keller_1978@yahoo.de und Silke Eisler, Telefon (0 68 94) 9 49 16 71, E-Mail: eisler_silke@yahoo.de. Das nächste Treffen findet am Freitag, 14. September, um 18.30 Uhr im Pfarrheim St. Fronleichnam, Ringstraße 50, Homburg, statt.