| 23:17 Uhr

Winterbach
Geistige Einkehr, schwere Zweiräder und gesegnete Helme

Einmal im Jahr laden die Winterbacher Motorradfreunde zu einem Biker-Gottesdienst ein – inklusive Segnung der Helme. Pfarrer Tilo Brach und seine Ehefrau Elisabeth sind inzwischen selbst aktive Trikefahrer.
Einmal im Jahr laden die Winterbacher Motorradfreunde zu einem Biker-Gottesdienst ein – inklusive Segnung der Helme. Pfarrer Tilo Brach und seine Ehefrau Elisabeth sind inzwischen selbst aktive Trikefahrer. FOTO: Norbert Schwarz
Winterbach. In Winterbach fand der traditionelle Gottesdienst der Motorradfreunde statt. Von Norbert Schwarz

Auf eine mehr als ein Jahrzehnt währende Tradition blicken die Bikerfreunde von Winterbach zurück. Sie treffen sich einmal im Jahr zu einem Gottesdienst. Dieses Wochenende war es wieder soweit. Diesmal allerdings trafen sich die Anhänger starker zweirädriger PS-Maschinen nicht am historischen Gotteshaus in der Dorfmitte. Wegen des Dorffestes war diesmal „geistige Einkehr“ im Festzelt auf dem Dorffestplatz zwischen Kindergarten und Ehrenmal angesagt.

Und dieser Standortwechsel kam auch sehr plakativ zum Ausdruck, denn die weit mehr als 150 motorisierten Gottesdienstbesucher mussten ihre schwere Maschinen teils auf dem Festgelände, überwiegend aber vor dem Festzelt, links und rechts der Hauptstraße parken.

Vertraut war dagegen der Ablauf und die Ausstrahlung des Treffens. Pfarrer Tilo Brach, inzwischen selbst die schwarze Lederkluft tragend und mit Ehefrau Elisabeth im ledernen Motorraddress ein blaues Trike steuernd, wusste einmal mehr in seinem Predigtwort den Nerv der Gottesdienstbesucher zu treffen. Und zugleich immer wieder die Brücke zu den Bikerkollegen zu schlagen.



Navigation, so Pfarrer Brach sei für jeden Menschen im Alltag wichtig, wenn es in ungewohntes Gelände gehe. Eben auch für die Motorrad- oder Trikefahrer. Sehr drastisch und doch einfühlsam macht Brach dabei in seinem Predigtwort deutlich, was passieren kann, wenn man in die falsche Richtung abdriftet. Nahe lag es dabei für den Pfarrer auch, auf den schrecklichen Unfall einzugehen, der sich vor einem Monat zwischen einem Biker und einem Autofahrer ereignete und bei dem der 13-jährige Sohn des Motorradfahrers den Tod fand. Der Priester wünschte sich, dass der unfallflüchtige Autofahrer Reue zeige und sich stelle. Wie er die Tat mit seinem Gewissen vereinbaren könne – darauf wusste auch der Pfarrer keine Antwort und bat um Gottes Hilfe. Dass Franky P. wie immer den Gottesdienst mit seiner Gitarre und überaus ansprechendem Gesang mit gestaltete, hatte gleichfalls Tradition.