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Landkreis Südwestpfalz
Ganster will mehr mit Städten kooperieren

Die neue Landrätin Susanne Ganster will Fördermöglichkeiten ausloten, um die hausärztliche Versorgung in der Südwestpfalz zu sichern.
Die neue Landrätin Susanne Ganster will Fördermöglichkeiten ausloten, um die hausärztliche Versorgung in der Südwestpfalz zu sichern. FOTO: Maurizio Gambarini / dpa
Pirmasens/Zweibrücken. Neue Landrätin denkt dabei auch an Volkshochschulen. Die Kreisverwaltung soll bürgerfreundlicher werden. Von Fritz Schäfer

Die 100-Tage-Frist war noch nicht vorbei, da wurde die neue Landrätin des Kreises Südwestpfalz, Susanne Ganster, schon mit einem seit Jahrzehnten immer wieder hochspülenden Thema konfrontiert: Hochwasser. Dabei informierte sich die im Urlaub weilende Ganster nicht nur im Internet über die Pegelstände des Hornbachs und des Schwarzbachs. Auch beim Kreisfeuerwehrinspekteur Steven Schütz fragte sie nach.

„Als Landrätin ist man immer im Dienst“, antwortete Ganster (CDU) auf die bei einem Pressegespräch aufgeworfene Frage „im Urlaub?“ Deshalb fuhr sie vom Urlaub direkt nach Dellfeld, um sich über die Lage in der unter Wasser stehenden Ortsmitte zu informieren (wir berichteten). Am Freitag schaute sie sich auch in anderen vom Hochwasser betroffenen Orten um. Nach dem das Wasser abgeflossen sei dürften sich die Verantwortlichen „nicht zurücklehnen“, sagte die 40-Jährige. „Wir brauchen eine langfristige Lösung für das Thema.“

Wasser beschäftigte die Kreisverwaltung im eigenen Gebäude. Durch die Decke drang Regenwasser ein. Eimer wurden aufgestellt und Deckenelemente abmontiert. „Da müssen wir aus Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern zu einer Lösung kommen.“ Und es geht nicht allein um das Dach. Das Verwaltungsgebäude sei insgesamt „ein großer Brocken“, sagte Ganster beim Ausblick auf die anstehenden Themen.



Zum einen sei das 1973 in Betrieb genommene Gebäude „in die Jahre gekommen“. Teilweise sei es noch im Urzustand. Zum anderen habe die Kreisverwaltung immer mehr Aufgaben übernehmen müssen. Dadurch sei die Mitarbeiterzahl auf jetzt rund 570 gestiegen. Deshalb reiche der Platz nicht aus. Im Moment sei die Bauverwaltung dabei, einen Raumplan zu erstellen. Parallel werde die Sanierung aus energetischer und brandschutztechnischer Sicht untersucht.

Dabei stelle sich auch die Frage einer Generalsanierung oder eines Neubaus. „Da darf es keine Denkverbote geben“, betonte Ganster. Die Frage nach einem neuen Standort im Landkreis beantwortete sie mit einem Lächeln. Die Landrätin denkt bei dem Thema auch an mögliche Auswirkungen der Verwaltungsreform. „Da wissen wir nicht, was auf uns zukommt.“ Aber das undichte Dach erfordere zügiges Handeln.

Bei dem 100-Tage-Bilanz-Gespräch nannte die seit dem 1. Oktober im Amt tätige Landrätin weitere Themen und neue Akzente. So möchte sie das Serviceangebot der Kreisverwaltung durch einen Verwaltungs- und einen Ehrenamtslotsen verbessern. Telefonisch sollte ein Mitarbeiter erreichbar sein, der die Anrufen bei ihren Fragen zur Verwaltung oder zum Ehrenamt „direkt und besser“ abholen kann. „Wir sind auf ehrenamtlich Tätige angewiesen“, sagte Ganster, „und die müssen wir beraten“.

Zur besseren Kommunikation mit den Bürgern wird der Internetauftritt des Kreises überarbeitet und eine Müll-App eingerichtet. In diesem Sinne hat Ganster auch eine Bürgersprechstunde eingerichtet. Beim ersten Termin trugen drei Personen ihre Anliegen vor. Der nächste Termin ist am 1. März geplant. Die Landrätin wünscht sich mehr „Frauen in der Politik“. Dazu wird ein Stammtisch für Mandatsträgerinnen installiert, der im Februar zum ersten Mal zusammenkommt.

Weitere Themen sind Tourismus und die ärztliche Versorgung auf dem Land. Beim Tourismus nimmt Ganster am Wochenende bei der Tourismus-Messe CMT in Stuttgart eine Auszeichnung für den Pfälzer Wald entgegen. Das Thema der ärztlichen Thema sei eine „zentrale Aufgabe“ für die Gemeinden, Verbandsgemeinden und des Kreises, die dazu ein Konzept erstellen müssen. Der Kreis müsse die Fördermöglichkeiten für die Ansiedlung von Ärzten auf dem Land ausloten. „Das ist das Bohren dicker Bretter. Doch wir werden dabei nicht müde“, äußerte sich Ganster.

Neben dem Hochwasser standen für die neue Landrätin bereits der Haushalt, die Müllgebühren, der Breitbandausbau, die Wirtschaftsförderung und die Kreisvolkshochschule auf der Tagesordnung. „Der Breitbandausbau ist Chefsache“, betonte Ganster. Bis Ende 2018 soll das abgeschlossen sei. „Das ist ein ambitioniertes Ziel“, meinte Ganster. „Wir sind gut im Zeitplan.“ Anschließend solle auch die Verbesserung des Mobilfunks angegangen werden.

Bei der Kreisvolkshochschule stelle sich die Frage der Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen in den Städten Zweibrücken und Pirmasens. „Das ist zwar schon einmal gescheitert. Aber es ist kein Grund, das nicht noch einmal zu überdenken“, sagte Ganster. Auch sonst werde weiter geprüft, in welchen Bereichen der Kreis mit den Städten sinnvollerweise zusammen arbeiten kann.

Zum Beispiel bei der Entwicklung der Gewerbegebiete Truppacherhöhe oder Steitzhof am Zweibrücken Flugplatz. „Wir müssen die Flächen gemeinsam marktfähig machen.“ Dem stehe die Vorgabe im Wege, dass man Flächen nicht auf Vorrat erschließen könne. Wobei es für beide Gebiete „Gespräche“ gebe.

Landrätin 
Susanne Ganster ist kommenden Montag seit 
100 Tagen im Amt.
Landrätin Susanne Ganster ist kommenden Montag seit 100 Tagen im Amt. FOTO: Landkreis